Arbeit in einem Haus voller Musik: Heribert Haider ist Sänger und richtet hier am Elternhaus Bretter für ein Hochbeet für seine Mutter her. Alle anderen Geschwister sind auch sehr musikalisch. Im Hintergrund sind Noten zu sehen, die sein älterer Bruder Georg in den 1990er Jahren auf die Wand geschrieben hat. Er hat Komposition in Würzburg studiert. Foto: Lang
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Arbeit in einem Haus voller Musik: Heribert Haider ist Sänger und richtet hier am Elternhaus Bretter für ein Hochbeet für seine Mutter her. Alle anderen Geschwister sind auch sehr musikalisch. Im Hintergrund sind Noten zu sehen, die sein älterer Bruder Georg in den 1990er Jahren auf die Wand geschrieben hat. Er hat Komposition in Würzburg studiert.

Musiker in der Corona-Pandemie

„Zum Glück zwei rechte Hände“: Heribert Haiders Plan B

Sänger Heribert Haider hält sich als Handwerker über Wasser.

Hubenstein – Er ist nicht nur Künstler, sondern auch ein Lebenskünstler. Der studierte Sänger Heribert Haider aus Hubenstein hat wie die meisten seiner Zunft in Corona-Zeiten kaum Auftritte und damit auch keine Gagen. Trübsal blasen ist aber nicht sein Ding. Da packt er lieber an, holt sein Werkzeug hervor und hilft, wo er kann – ob auf dem Bau, am Filmset oder daheim bei den Eltern.

Der 54-Jährige hat Gesang in München an der Hochschule für Musik und in Hamburg an der Hochschule für darstellende Kunst studiert. Seither ist er viel unterwegs, singt in Rundfunkchören oder solistisch in seiner Band Bavarian Immigrants. „Damit verdiene ich mir eigentlich mein Geld.“ Auch als Moderator für Konzerte hat er schon gearbeitet, an Operetten oder Krimidiners mitgewirkt oder kleinere Szenerien für Chorvereinigungen geschrieben.

Das musikalische Unterwegssein vermisse er schon, obwohl er auch gerne mal daheim bei seinen Eltern in Hubenstein sei. Seine Kunst brachte ihn bis nach China, Japan und Amerika. „Früher hatte ich auch das Glück, öfter im Ostblock mit der Bach-Akademie Stuttgart zu sein. Und ich habe Produktionen in Südtirol gemacht, Jesus Christ Superstar gespielt.“ An Weihnachten mindestens einmal Bachs Weihnachtsoratorium zu singen, gehöre zu seinem Glauben. Schließlich stammt Haider aus einer tiefgläubigen Familie, sein Vater Ferdinand war Diakon, sein Onkel Herbert Pfarrer, die Mutter Rosmarie Mesnerin und im Vorstand der Katholischen Frauengemeinschaft. „Für mich war auch prägend, dass ich bei den Domspatzen war.“

Der erste Lockdown sei das „absolute Chaos“ gewesen. Sein Glück war, dass er schon ein Jahr zuvor ein Gewerbe für Handwerker-Jobs angemeldet hatte. „Ich habe mit vielen Handwerkern zusammengearbeitet und viel gelernt. Zum Glück habe ich nicht zwei linke, sondern anscheinend zwei rechte Hände.“ Kürzlich habe er beim Aufbau eines Filmsets in einem Stall für „Haustier sucht Herz“ mitgewirkt.

„Mit solchen Jobs halte ich mich über Wasser.“ Seine Fixkosten hat er soweit möglich reduziert. Sobald diese bestritten seien, nehme er sich Zeit für Musik. So habe er mittlerweile mit Stefan Knoll 16 neue Lieder für die Bavarian Immigrants geschrieben und getextet. Soweit es möglich war, habe man auch mit entsprechendem Abstand geprobt. „Ich muss ja was tun, sonst bist du ja nur noch frustriert“, meint er.

So sei es für ihn doch noch eine produktive Zeit gewesen. Falls er mal Leerlauf hatte, habe er seiner Mutter ein Zimmer geweißelt oder ihre Haustür restauriert. Momentan baut er ihr ein Hochbeet. Handwerker-Aufträge nimmt er gerne an. „Wenn ich es kann, mache ich es gerne. Wenn ich nochmal von vorne anfangen müsste, würde ich zuerst Schreiner oder Zimmerer lernen und dann in die Musik einsteigen“, verrät er.

Er bereut nur, dass er sich nicht den Bulldog-Führerschein hat eintragen lassen. Denn dann könnte er bei Bauern aushelfen, was ihm immer Spaß gemacht habe. Seinen Zivildienst hat er bei einem Biobauern in Unterfranken absolviert. Vier Kinder und zwei Pflegetöchter hat er großgezogen. Außer seiner Jüngsten, die jetzt 22 Jahre alt ist, muss er niemanden mehr unterstützen.

Große Ansprüche habe er nie gehabt, sein Mercedes sei 30 Jahre alt. Nur auf guten Wein und Musik wolle er nicht verzichten. Mit drei Freunden hat der Oberbayer ein altes Haus in Neuruppin nahe Berlin sehr günstig gekauft und möchte es sich als Alterswohnsitz herrichten. In der Rente in einer schönen Stadt mit See nahe Berlin zu leben, stellt er sich schön vor.

Wer noch ein Weihnachtsgeschenk braucht, kann bei Haider die erste CD der Bavarian Immigrants „Heid soidd ma nausgeh“ bestellen, die mit tiefgründigen, aber auch gfotzerten Texten sehr unterhaltsam ist. Kontakt via E-Mail an griasde@bavarianimmigrants.de.

Kreativer Geschenktipp:

Freude schenken und im Landkreis helfen: Bis Weihnachten lassen wir Kreative erzählen, wie sie durch die Corona-Krise kommen. Mit dem Kauf eines ihrer Werke können Sie Ihre Lieben beschenken und die Künstler unterstützen. Wir geben Ihnen die Tipps.

Birgit Lang

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