„Der Boden ist das Teuerste“: Den so genannten Strong Floor aus modularen Fertigbetonteilen erklärte IABG-Geschäftsführer Professor Dr. Rudolf F. Schwarz (M.) gestern (v. l.) SPD-Stadtrat Willi Scheib, SPD-MdB Ewald Schurer, 3. Landrat Fritz Steinberger und Oberst Michael Rethmann. foto: bauersachs

Testhalle am Fliegerhorst: Erst kommt Airbus, dann Ariane

Erding - Bevor Flugzeuge erstmals Passagiere transportieren, werden sie auf Herz und Nieren geprüft. Für die neue Airbus A 350 XWB geschieht dies künftig in Erding.

Nahe des Nordkopfgeländes am Rande des Fliegerhorstes entsteht gerade eine hochmoderne Testhalle für Flugzeuge. Sie ist 71 Meter lang, 71 Meter breit und fast 30 Meter hoch. Bauherrin ist die Industrieanlagen-Betriebsgesellschaft (IABG) aus Ottobrunn. Sie testet für Airbus bereits die A 380 und den Militärtransporter A 400-M. Dazu hat sie in Dresden zwei Hallen nahe des Flughafens gebaut.

Auch Erding bekam wegen seiner Nähe zum Airport den Zuschlag. Die Flugzeugteile seien so groß, dass „wir die A 350 unter keiner Autobahnbrücke durchkriegen. Deshalb ist dieser Standort ideal“, sagte IABG-Geschäftsführer Professor Rudolf F. Schwarz am Freitag bei der Besichtigung der Halle. Die Transportwege seien bereits getestet worden, so Wilhelm Pfrang, IABG-Bereichsleiter Tests und Analysen: „Wir müssen nur eine Ampelanlage abbauen.“

Das Unternehmen hat den Grund von der Bundeswehr für vorerst fünf Jahre gemietet und investiert laut Schwarz allein in Halle und Testeinrichtungen 15 Millionen Euro. Oberst Michael Rethmann, Standortältester am Fliegerhorst, sieht die Ansiedlung als Aufwertung des Standortes Erding. Was dessen Erhalt im Zuge der Bundeswehr-Reform anbelangt, ist Rethmann „erst mal optimistisch“.

Die IABG ist 1961 auf Initiative des Bundes als zentrale Analyse- und Testeinrichtung für die Luftfahrtindustrie und das Verteidigungsministerium gegründet worden. 1993 wurde die IABG privatisiert.

In Erding werden zwei große Tests laufen. Zum einen ein klassischer Ermüdungsversuch am Rumpfmittelteil der A 350 und den Flügeln, zum anderen ein Zuverlässigkeitsversuch am Mittelkasten, an dem die Flügel mit dem Rumpf verbunden sind. Dieser Mittelkasten wiege 110 Tonnen und bestehe aus massivem Stahl. Allein am Rumpf werden bis zum Jahr 2015 rund 85 000 Flüge simuliert. „Das entspricht der zweieinhalbfachen Zulassungslebensdauer“, sagte Pfrang. Heck und Bug der A 350 werden übrigens in Frankreich getestet.

Während der Testvorbereitungen werden rund 100 Airbus-Mitarbeiter aus Frankreich und bis zu 50 IABG-Mitarbeiter vor Ort sein. Ein Wirtschaftsfaktor für die Hotels in der Region, denn: „Wir brauchen bis zu 5000 Übernachtungen pro Jahr“, so Schwarz. Während die IABG auch die Inspektionen der Flugzeugteile durchführt, sind die Airbus-Leute für die Reparaturen zuständig: Das erste Versuchsgerüst wird im Juli angeliefert, die Airbus-Teile selbst im Herbst.

Lärmbelästigungen müssen die Anwohner laut Pfrang nicht befürchten: „Ich erwarte keine Störungen. Wir sind hier einen Kilometer von den nächsten Häusern entfernt. In Ottobrunn sind wir direkt im Wohngebiet.“

Nicht nur Airbus wird die IABG-Halle nutzen. „Sie ist so hoch, dass wir nach der A 350 auch die Ariane zum Testen bekommen“, kündigte Schwarz an. Mit der Bauaufsicht für die europäische Trägerrakete ist das Unternehmen seit Jahren betraut.

Beim Bau der Halle kamen heimische Firmen zum Zuge. Mit der Haustechnik wurden laut Pfrand Betriebe aus der Region Erding-Freising beauftragt. Den Strom liefern die Überlandwerke Erding.

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