Alfred Dreier starb im 72. Lebensjahr. Foto: Albrecht

Trauer um Alfred Dreier (71): Vize-Landrat a. D. stirbt an Krebs

Erding/Wartenberg - Ein großer Kommunalpolitiker hat den Kampf gegen den Krebs verloren: Am Mittwoch erlag Alfred Dreier (71), langjähriger Vize-Landrat und Vorsitzender der Fischer’s Wohltätigkeitsstiftung seinem schweren Leiden.

Alfred Dreier ist ein trauriges Beispiel dafür, wie erbarmungslos das Schicksal zuschlagen kan. Bis Ende 2008 war der 71-Jährige beruflich enorm eingespannt, zuletzt als Vorsitzender der Fischer’s Wohltätigkeitsstiftung und als Geschäftsführer der Fischer’s Stiftungs Verwaltungs GmbH. Als er die Amtsgeschäfte zunächst an den nur kurz in Erding weilenden Claus Hastreiter und dann an Matthias Vögele übertragen hatte, freute er sich auf den Ruhestand und damit endlich auf Zeit für sich und die Familie. Er wollte unter anderem seinem Hobby, dem Skifahren, frönen. So ganz der Muße gab er sich dennoch nicht hin. Er arbeitete wieder als Anwalt in der renommierten Kanzlei Hanslmaier in der Erdinger Innenstadt. 1969 hatte er sein Referendariat am örtlichen Gericht begonnen.

Wenige Monate nach seiner Verabschiedung bekam Dreier die schreckliche Diagnose Leberkrebs. Lange war er zuversichtlich, die Krankheit besiegen zu können. Seinen letzten öffentlichen Auftritt aus Kreisebene hatte Dreier im Herbst 2010, als er an der Verleihung des Kulturpreises in der Stadthalle teilnahm.

Dreier, gebürtiger Münchner, der als Zehnjähriger nach Erding kam, ist einer der Wenigen, die als politisches Urgestein trefflich beschrieben sind. 1972 wurde er in den Gemeinderat des damals noch selbstständigen Altenerding gewählt. 1978 wurde er nach seinem Umzug Mitglied des Marktgemeinderates Wartenberg, dem er 30 Jahre lang angehörte.

1972 begann auch seine Karriere als Landkreispolitiker - von der „großen Politik“ hielt er sich bewusst fern, führte allerdings für den Bundestagsabgeordneten Albert Probst Wahlkampf. Auf Anhieb schaffte es der Jurist in den Kreisausschuss. In seiner zweiten Amtsperiode, am 8. Mai 1978, wurde er zum Vize-Landrat und damit zum Stellvertreter Hans Zehetmairs gewählt. Als der 1986 von Ministerpräsident Franz Josef Strauß zum Kultusminister berufen wurde, übernahm Dreier für ein Vierteljahr die Amtsgeschäfte als amtierender Landrat. Bis 2002 war er Stellvertreter Xaver Bauers.

Über zwei Jahrzehnte lang stand Dreier an der Spitze der Fischer’s Stiftung, einer der einflussreichsten Institutionen im Landkreis. In dieser Funktion war er auch Chef des Kreisaltenheims, des Fischer’s Seniorenzentrums. Seit 1986 arbeitete er bei der Stiftung, zunächst als kommissarischer Vorsitzender. Der damalige Landrat Xaver Bauer, dem der Vorsitz kraft Satzung zustand, winkte ebenso ab wie 2002 Bauers Nachfolger Martin Bayerstorfer. Seit 1991 bekleidete Dreier als Nachfolger von Otto Scherer zusätzlich das Amt des Geschäftsführers.

Anlässlich seiner Verabschiedung im Juli 2008 - seinen Schreibtisch räumte er erst Ende2008 - fand Bayerstorfer nur lobende Worte: „Seine Berufung war eine glückliche Entscheidung, ist er doch sowohl ein guter Jurist als auch hervorragender Kenner der Kommunalpolitik.“ Dreier habe die aus dem 19. Jahrhundert stammende Struktur der Stiftung umgewandelt und ein prosperierendes mittelständisches Unternehmen aufgebaut. Heute zählt das Seniorenzentrum 130 Mitarbeiter, bei der Verwaltungs GmbH sind es 15.

Dreiers Wirken war bei weitem nicht auf das Kerngeschäft Kreisaltenheim an der Haager Straße beschränkt. Das wurde in seiner Ära mehrmals umgebaut, erweitert und saniert. Dreier war es auch, der die Weichen für den Bau des erste Betreuten Wohnens in der Kreisstadt stellte. Die Stiftung verfügt darüber hinaus bekanntlich über große Besitztümer und Immobilien in der Stadt wie im gesamten Kreis. So war Dreier für den Bau des Wohn- und Geschäftskomplexes Bräuhausviertel zwischen Friedrich-Fischer-Straße/Münchener Straße und Fehlbach verantwortlich. Zwar gab es beim Bau Probleme. Dreier sorgte mit der Beharrlichkeit eines Juristen aber dafür, dass die Firmen, die gepfuscht hatten, zur Rechenschaft gezogen wurden. Dreier erkannte auch, dass nur der Verkauf der Stiftungsbrauerei an den Erdinger Weißbräu ihr das Überleben sicherte.

Altlandrat Xaver Bauer lobt seinen langjährigen politischen Weggefährten als eine „markante Persönlichkeit“ und „kämpferischen Typen“, der wie wenig andere die Landkreis-CSU und die Kommunalpolitik geprägt habe. Bauer: „Er war der Konservative in der CSU.“

Hans Zehetmair erinnert sich an einen „nicht runden, sondern kantigen Zeitgenossen, so wie es Franz Josef Strauß gewollt hat“. Dabei sei Dreier ein kultivierter und der Kultur zugewandter Mensch gewesen. Für die CSU in Stadt und Kreis habe er Pionierarbeit geleistet und mit dafür gesorgt, dass die CSU seit 1978 den Landrat stellt.

Bestürzt reagierte Landrat Martin Bayerstorfer. „An seinem 71. Geburtstag vor knapp vier Wochen habe ich ihn noch im Krankenhaus besucht. Er war voller Zuversicht und stand kurz vor seiner Entlassung.“ Doch vor einigen Tagen musste sich Dreier wieder in die Erdinger Klinik begeben. Dort wurde er gestern in den frühen Morgenstunden erlöst. Bayerstorfer würdigt nicht nur Dreiers Engagement in der Stiftung. „Auch für die CSU hat er viel bewegt.“ Dem Kreisvorstand habe er von 1964 bis 1999 angehört, seit 1972 als stellvertretender Vorsitzender. „Er war unser Visionär und Vordenker, der immer auch die Jugend gefördert hat“, erinnert sich der Kreisvorsitzende. „Als Politiker sah er sich vielen Widerständen und Kritikern ausgesetzt. Doch das hat er in bewundernswerter Weise weggesteckt.“ Als Kommunalpolitiker habe Dreier vor allem die Gebietsreform begleitet und dabei die Gründung so mancher Verwaltungsgemeinschaft eingeleitet.

Der Sterberosenkranz wird am Freitag, 18. Februar, um 19 Uhr gebetet. Der Seelengottesdienst mit anschließender Beerdigung ist am Samstag, 19. Februar, um 10 Uhr in der Pfarrkirche Mariä Geburt in Wartenberg.

(Hans Moritz)

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