VCD-Kreisverband fordert: Mehr Züge und Busse statt neuer Straßen

Dorfen - Ausbau der Bahn und des öffentlichen Personennahverkehrs anstatt Bau neuer Straßen: Der Kreisverband des Verkehrsclub Deutschland (VCD) sieht in dem Aus für die B 15 neu großes Chancen.

Als „richtige und vernünftige Entscheidung“ wertete der VCD die von Innenminister Joachim Herrmann verkündete Nichtanmeldung der B 15 neu zum Bundesverkehrswegeplan.

Die B 15 neu bezeichnet der VDC-Kreisvorsitzende Alfred Schreiber als „völlig überdimensioniertes Verkehrsprojekt“. Jetzt, nach dem Aus dieser autobahnähnlichen Bundesstraße, bestehe die große Chance, Lösungen für eine wirksame Entlastung zu finden. Die tatsächlichen Zahlen auf der bestehenden B 15 im Bereich des Landkreises Erding seien niedriger als bei einer durchschnittlichen Bundesstraße, rechtfertigen somit überhaupt nicht den Bau einer Autobahn“, so Schreiber in einer Presseerklärung.

Als Entlastung der Autobahnstrecke über München sollte - anstelle eine neue, autobahnähnliche Schneise durch die Landschaft zu ziehen - vielmehr der Schwerlast-Güterverkehr als „Kombi-Verkehr“ auf die Schiene verlagert werden. Schreiber: „Derzeit ist bereits der Brennerbasistunnel in Bau, eine Fertigstellung wird bis 2025 angepeilt. Während die Zulaufstrecken zum Brennerbasistunnel auf österreichischer Seite im Bau und teilweise schon fertig sind, hat Bayern noch nicht einmal die Planungen hierfür. Es droht das überaus peinliche Szenario, dass der Tunnel unter dem Brenner bereits in Betrieb ist, die Züge ab der bayerischen Grenze ab Kufstein bis Rosenheim ,im Schneckentempo zuckeln‘, weil Bayern seine Schienenwege nicht rechtzeitig ausgebaut hat.“ Der VCD fordert daher auch deshalb einen raschen Ausbau der Bahnstrecke München-Mühldorf.

Auch im Landkreis Erding selbst müsste mehr getan werden. Für den Personenverkehr sollten die Schienenwege und der öffentliche Personennahverkehr (ÖPNV) ausgebaut werden. Die neuen Planungen für einen Verkehrsverbund Landshut sind nach Ansicht des VCD „ein richtiger Schritt“. Schreiber schlägt hier unter anderem eine direkte Busverbindung von Taufkirchen über Hohenpolding nach Landshut vor. Zudem sollte im gesamten Landkreis der ÖPNV auf den Hauptlinien ebenfalls weiter ausgebaut werden, um mehr Leute zum Umsteigen zu bewegen. Die MVV-Buslinie 562 Taufkirchen-Erding verkehre etwa stündlich, tagsüber teils nur zweistündlich und morgens im Berufsverkehr etwa alle 30 Minuten. „Taufkirchen mit knapp 10 000 Einwohnern könnte durchaus einen 20-Minuten-Takt im Berufsverkehr vertragen, sieht man sich die Autokolonnen morgens und spätnachmittags auf der B 388 an. Vergleichbare Orte haben vielfach eine Bahnanbindung, teilweise sogar eine S-Bahn im 20-Minuten-Takt“, schreibt Schreiber.

Der Forderung der Bürgerinitiative „Keine B 15 neu im Landkreis Erding“, die B15 neu müsse durch den Landkreis Mühldorf gebaut werden, erteilt der VCD eine deutliche Absage. Schreiber: „Was gerne übersehen wird, die ursprünglich raumgeordnete Trasse, die schließlich weiter durch den Landkreis Mühldorf führen sollte, besteht so überhaupt nicht.“ Schreiber ist auch sicher, „dass eine Lösung der Verkehrsprobleme von Dorfen und St. Wolfgang nicht bis 2030 oder 2035 warten kann.“

Der VCD fordert jetzt von allen Beteiligten, den Dialog aufzunehmen. „Anstelle ein überdimensioniertes, überholtes Verkehrsprojekt aus den 1970er-Jahren weiter zu verfolgen, sind zukunftsorientierte Lösungen gefragt.“

Anton Renner

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