Mit Pauken und Trompeten der Isengau-Musikanten zog der AKUV mit seinem Vorsitzendem Karl De-Wille (l.) zur 125-Jahr-Feier durch Wartenberg. foto: Libossek

Versicherung im Kleinformat

Wartenberg - Der Arbeiter-Kranken-Unterstützungsverein Wartenberg feierte am Sonntag Jubiläum. Er besteht seit 125 Jahren.

Wartenberg - Anfang des 19. Jahrhunderts haben sich Wartenberger Handwerker die Frage gestellt, wie sich Arbeiter in ihrer Gemeinde im Krankheitsfall finanzielle Hilfe sichern können. Als Antwort darauf, riefen sie den Arbeiter-Kranken-Unterstützungsverein (AKUV) ins Leben. Dieser feierte am Sonntag sein 125-jähriges Bestehen mit einem Gottesdienst und einem Festzug zum Hotel Reiter in Wartenberg.

„Das Geschäftsmodell des Vereins ist anspruchsvoll und keineswegs altbacken“, sagte Wartenbergs Bürgermeister Manfred Ranft. Leider habe man die Beiträge nicht nach oben korrigiert. Darum bekommen die 72 Mitglieder im Krankheitsfall zehn Wochen lang nur 50 Cent pro Tag ausbezahlt; 25 Cent für weitere zehn Krankheitswochen. Der Jahresbeitrag liegt so bei nur acht Euro pro Mitglied. 3,50 Euro davon gehen in die Kranken-, 4,50 Euro in die Sterbeversicherung. Zur Gründungszeit des AKUV reichte die Höhe der Auszahlung jedoch aus, um kranke Arbeiter und ihre Familien durch schwere Zeiten zu bringen.

„Es ist eine Versicherung auf Gegenseitigkeit“, in der die Versicherten gleichzeitig die Versicherer sind, erklärte Ranft. Der Bürgermeister versprach dem Verein seine weitere Untersützung und machte sich gleichzeitig Gedanken über die Zukunft des AKUV: „Vielleicht könnte sich der Verein für Themen wie Hartz IV oder Rechtsschutz für Arbeitnehmer engagieren.“

Der Geschichte des Vereins widmete sich Paul Adelsberger. Der Erdinger Museumsleiter klärte die etwa 40 Gäste über die Gründer des AKUV und deren Lebensumstände auf. Damals habe es in Wartenberg hauptsächlich Bauern und Handwerker gegeben. Wenn sie nicht arbeiten konnten, standen sie gänzlich ohne Einkommen da. „Von der Auszahlung des Vereins konnte man sich ein paar Halbe dunkles Bier zur Stärkung kaufen“, erzählte Adelsberger. Diese „Krankenkasse im Kleinformat“, zahlte um 1920 eine Mark pro Krankheitstag. 1950 richtete der AKUV zusätzlich eine Sterbekasse ein. An die Angehörigen wurden 100 Mark ausbezahlt. Das Grab schmückte der Verein mit einem Kranz für 60 Mark. „Auch mit wenig kann man viel bewegen, wenn man es beherzt anpackt,“ sagte Adelsberger.

lib

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