Zu viel seltene Natur: Kreisräte werfen den Rettungsanker

Landkreis - Mit neuen Untersuchungen will der Landkreis die Nordumfahrung von Erding im südlichen Trassenkorridor retten.

„Es waren wirklich überraschende Ergebnisse”, versicherte Peter Weywadel, Chef des Straßenbauamtes Freising, am Mittwoch in einer gemeinsamen Sitzung von Struktur- und Kreisausschuss. Damit meinte er nicht nur die Vielzahl vorgefundener seltener Tier- und Pflanzenarten, sondern auch deren gehäuftes Auftreten im Korridor Süd der Nordumfahrung. Landrat Martin Bayerstorfer trommelte beide Auschüsse, Straßenbauamt und Gutachter zusammen, um einen Ausweg zu finden. „Die Genehmigungsampel steht auf Gelb, wir brauchen Grün.”

Die Richtung stand nach zweieinhalbstündiger Sitzung fest: Der Landkreis setzt vor allem wegen des höchsten verkehrlichen Entlastungseffekts weiter auf die Trasse Süd 2, die in Unterstrogn bei Bockhorn beginnt, nördlich an Langengeisling vorbeiführt und unweit des Isarkanals auf die Flughafentangente mündet. Bemerkenswert an der Entscheidung: Die südliche Linienführung soll mit einer näheren Untersuchung des Mitte-Korridors gerettet werden. Bayerstorfer und Weywadel deuteten an, dass in diesem Bereich die Flora- und Fauna-Situation noch stärker gegen einen Straßenbau sprechen könnte. Dies würde Öko-Eingriffe zu Gunsten die Südlösung rechtfertigen, weil es im Zentrum um die maximale Entlastung der Menschen gehe, so Weywadel. Doch Genaueres wisse man erst, wenn die Biologen das Gebiet kartiert haben, merkte Gutachterin Ina Oswald an.

Der Strukturausschuss einigte sich mit 9:3 Stimmen auf ein Vorgehen nach dem Motto „So viel wie nötig, so wenig wie möglich”. Bayerstorfer äußerte die Hoffnung, schon im Herbst einen neuen Zeitplan in Richtung Planfeststellungsverfahren aufstellen zu können. Mit Nein stimmten Roswitha Bendl (ÖDP), Hannelore Seeger (Grüne) und Rainer Mehringer (FW). Grüne und ÖDP sind von Anfang an dagegen. Mehringer begründete auf Anfrage unserer Zeitung sein Nein mit der grundsätzlichen Haltung der UWE, keine Durchfahrung Erdings zu unterstützen, sondern nur eine „echte Umfahrung”.

Vor dem Votum hatten untere anderem Herbert Knur, Helmut Lackner (beide CSU) und Martin Huber (REP) angesichts des bayernweit um bis zu 40 Prozent zunehmenden Verkehrs darum gebeten, endlich voran zu kommen. Lackner meinte: „Wir sind ohnehin schon zu spät dran, die dritte Startbahn wurde soeben genehmigt.”

Bei der Vorstellung der Umweltverträglichkeitsstudie warben deren Autoren für die ED 99. Fazit: Die Zahl der neu Entlasteten überwiege die der neu Betroffenen deutlich. Oswald erklärte, „dass das auch für Langengeisling gilt”. Die Trasse komme nicht näher als 150 Meter an den Ort. Konkret nannte sie 69 Neubelastete, 113 Neuentlastete und 800 Bürger, die garnichts merken würden. Verkehrsplaner Helmuth Ammerl sagte: „Nehmen wir an, die Nordanbindung zur ED 99 würde nicht gebaut, dann würde Langengeisling immer noch entlastet.” ham hans moritz

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