Ausgezeichnet wurde das Jugendkammerorchester Violinissimo in Hildesheim. foto: fkn

Violinissimo: Sieger-Orchester mit 19 Dirigenten

Erding - Die Freude ist riesig: Völlig überraschend hat das Erdinger Jugendkammerorchester Violinissimo den ersten Preis beim Deutschen Orchesterwettbewerb in Hildesheim gewonnen.

23 von 25 möglichen Punkten vergab die Jury an das Jugendorchester Violinissimo beim Deutschen Orchesterwettbewerb. Die Erdinger traten bei dem Wettbewerb für Laienorchester in der Kategorie Kammerorchester an, nachdem sie sich im November vergangenen Jahres als überraschender Gewinner des Bayerischen Orchesterwettbewerbes qualifiziert hatten.

Besonders das eigenverantwortliche Musizieren gefiel den Schiedsrichtern, denn die 19 jungen Musiker spielen ohne Dirigent - das Orchester leitet sich selbst. Die künstlerische Leiterin Ulli Büsel hatte das Ensemble 2004 gegründet. „Die Grundidee war, dass sich die Schüler bei Auftritten gegenseitig begleiten“, erzählt Büsel. Teil dieses Konzeptes war es, dass der Solist das Orchester leitet, also nicht nur seine eigene Stimme, sondern das ganze Werk im Kopf hat. Vor vier Jahren begannen die Jungendlichen, die mittlerweile zwischen elf und 25 Jahre alt sind, das Konzept auf Orchesterwerke zu übertragen. Dass dies auch die Juroren begeisterte, freut Büsel besonders.

23 Minuten dauerte das Programm beim Wertungsspiel. Das Pflichtstück „Divertimento“ KV 138 von Wolfgang Amadeus Mozart war für Büsel ein Heimspiel, hat die gebürtige Österreicherin doch am Mozarteum in Salzburg studiert. Sehr gut kam beim Gremium auch das Stück „Was es mit sich bringt“ an. Das hatte der 18-jährige Markus Bauer extra für das Orchester geschrieben. Das Besondere: Die Streicher spielen dabei zuerst nicht auf ihren Instrumenten, sondern blasen in die F-Löcher. „So entsteht ein unbeschreiblicher musikalischer Raum“, schwärmt Büsel.

Bei der Darbietung achteten die Juroren auf Zusammenspiel, Intonation und die technische Fertigkeit. Bei Violinissimo zeigten sie sich vor allem von der musikalische Interpretation beeindruckt, die über das normale Maß hinaus gehe. Beachtlich ist ferner, dass Violinissimo das einzige der 150 teilnehmenden Orchester war, das keinen Träger hat. Ulli Büsel ist Organisatorin, künstlerische Leiterin und Busfahrerin in ehrenamtlicher Personalunion - kutschierte sie ihre Schützlinge doch auch zum Wettbewerb. Sonderapplaus gab es zudem, weil das Ensemble ausschließlich Benefizkonzerte gibt.

Der Stolz leuchtet aus Ulli Büsels Augen, wenn sie von ihrem Orchester spricht. „Sie haben so viel Spielfreude, Zusammenhalt und jugendliche Frische gezeigt. Da ist der Funke auch auf das Publikum übergesprungen.“ Die Auszeichnung sei eine tolle Motivation für das Konzert in Singapur im Juli. Dort wird Violinissimo Deutschland nämlich beim Singapore Youth Festival vertreten. (Hans Moritz)

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