Jung und clever: Software-Entwickler Johannes Stanggassinger aus Taufkirchen.
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Jung und clever: Software-Entwickler Johannes Stanggassinger.

Über zehn Prozent der bayerischen Schulen nutzen Software von Johannes Stanggassinger

Programmierer von Schulmanager: Vom Praktikanten zum Marktführer

Digitalisierung in den Schulen ist derzeit ein omnipräsentes Thema. Ein Profi auf diesem Gebiet ist Johannes Stanggassinger. Der 28-jährige Taufkirchener ist Software-Entwickler und zählt mit seiner App „Schulmanager Online“ zu den Marktführern.

Taufkirchen - Der Taufkirchener Johannes Stanggassinger hat schon als 14-jähriger Praktikant eine neue Internetseite für das Bezirkskrankenhaus (heute kbo-Klinik) erstellt, die einige Jahre lang online war. 2010, als er die FOS in Erding besuchte, entwickelte er als Seminararbeit eine Online-Terminbuchung für Elternsprechtage, die erstmals in Erding eingesetzt wurde. Der Testlauf kam bestens an, und zwei weitere Schule stellten Anfragen. So war eine Idee geboren, die sein Berufsleben veränderte.

Nach dem Informatikstudium Unternehmen gegründet

In den folgenden Jahren stieg das Interesse an der Software stark an. Stanggassinger verkaufte das Programm an immer mehr Schulen und finanzierte sich so sein Informatikstudium. Gegen Ende des Studiums entschied er sich dazu, sein Angebot auszubauen und gründete daheim in Taufkirchen das Unternehmen „Schulmanager Online“. Der Erfolg gab ihm Recht: Im Herbst 2019 stellte er seinen ersten Mitarbeiter an. Mittlerweile beschäftigt er vier Programmierer und vier Supporter. Sein Büro hat er jetzt in München.

Eine 60-Stunden-Woche ist für den Unternehmer völlig normal: „Anfang Januar waren es teilweise 80 Stunden.“ Aber ihm macht sein Job Spaß. Er weiß: „Das Schöne am Bereich Schule ist, dass schon technisch einfache Lösungen viel bewegen können.“ Natürlich gebe es auch Konkurrenten auf dem Markt, die verschiedene Einzelprogramme anbieten. Aber es gebe nur wenige Mitbewerber, die einen vergleichbaren Funktionsumfang anbieten.

Über 1000 Schulen arbeiten mit seiner Software

Stanggassinger hört seinen Kunden zu, nimmt ihre Probleme und Ideen auf. Das zahlt sich aus: Inzwischen arbeiten über 1000 Schulen mit dem Schulmanager, darunter über zehn Prozent der bayerischen Schulen – viele im Landkreis Erding. „Über 500 000 Benutzer haben sich bereits bei uns angemeldet“, verrät der Gründer und Geschäftsführer von „Schulmanager Online“.

Als vor etwa einem Jahr absehbar war, dass die Schulen wegen Corona geschlossen werden müssen, reagierte er sofort und entwickelte das Modul „Nachrichten“. „Das ist eine Art WhatsApp für Lehrer, Schüler und Eltern, mit dem die Schulfamilie kommunizieren kann.“ Er verschickte das Angebot, die neue Funktion bis Schuljahresende kostenlos zu nutzen: „Wir haben normal 60 bis 70 Testanfragen pro Monat. Im März hatten wir 300. Das Modul ging durch die Decke.“ Mit dem Modul können Lehrer untereinander sowie mit Eltern und Schülern kommunizieren, ohne dabei die Telefonnummer herauszugeben. So können die Schulen aktuelle Änderungen zum Schulbetrieb einfach kommunizieren und Unterrichtsmaterial an Schüler verteilen.

Etwas Positives am Distanzunterricht

Stanggassinger und sein Team ruhen sich aber nicht auf dem Erfolg aus: „Wir bekamen immer wieder Rückmeldungen, dass das Modul ,Nachrichten’ unübersichtlich wird, wenn man als Lehrer eine Aufgabe stellt und jeder Schüler seine Lösung in einer eigenen Nachricht zurückschickt.“ Daher wurde in den Osterferien 2020 für diesen Zweck eigens das Modul „Lernen“ entwickelt: Lehrer können damit für ihre Klassen und Fächer Unterrichtsmaterial hochladen und auch Aufgaben stellen, zu denen Schüler ihre Lösungen abgeben. „Insgesamt haben uns die neuen Module viele neue Nutzer gebracht. Viele davon sind inzwischen zu zahlenden Kunden geworden.“, freut sich der 28-Jährige, der Sohn eines Lehrers ist.

Allgemein zieht Stanggassinger ein positives Fazit zum Distanzunterricht. Zwar sei die Erkenntnis, dass es nicht reiche, einige Lehrkräfte nebenbei eine Lernplattform aufbauen zu lassen, zu spät gekommen. Allerdings: „Man muss sich einmal vorstellen, wir hätten die Pandemie vor 20 Jahren gehabt. Da hätte gar nichts digital funktioniert.“ Dafür, dass es noch nie eine vergleichbare Situation gegeben habe, habe doch vieles gut funktioniert. „Das große Engagement vieler Lehrkräfte und Eltern hat vieles möglich gemacht“. Der Firmengründer ist sich sicher, dass es für die kommenden Jahre genügend zu tun gibt: „Wir telefonieren täglich mit vielen Schulen, die uns ihre Wünsche und Probleme mitteilen. Daher ist unsere Ideenliste voll.“

Von Birgit Lang

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