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Die Wachtelkönige aus Angerskirchen

Angerskirchen - Schon vor der Schule stürmen Markus und Florian Bauer in die Maschinenhalle. Bevor es in den Unterricht geht, füttern sie ihre Wachteln und wechseln das Wasser in ihren Schalen. Und einmal in der Woche müssen die Ställe ausgemistet werden. Das ist auch in den Ferien nicht anders.

Ungewöhnliche Haustiere: Fünf Giggerl und 40 Wachtel-Hennen haben Markus und Florian Bauer bereits gemeinsam. Im Frühjahr vor zwei Jahren fing alles an. Auf dem Langengeislinger Taubenmarkt kaufte sich ein jeder einen Giggerl und acht Hennen und der Grundstein für ihre eigene Zucht war gelegt.

Tenebrose oder Isabella heißen ihre Wachtelarten. Das Gefieder der Tiere ist wildfarben, dunkel, gescheckt oder silbrig-grau. Putzig ist das Federvieh anzusehen, dass gerade Mal ein bisschen größer als eine Avocado ist. Die kleinen zarten Geschöpfe mausern sich zwei Mal im Jahr, sprich sie wechseln ihr Federkleid. „Dickere Winterfedern, damit ses ned friert und im Sommer nicht so dick unter den Federn ist“, weiß Florian.

Einen Hund hatten die Brüder schon. „Wir wollten aber noch andere Viecher haben, die nicht jeder hat und, wo man auch ein bisserl was verdienen kann“, erklärt der 11-Jährige geschäftstüchtig. Aber mit dem Verdienen sah es anfangs nicht so gut aus. Die fünfköpfige Familie mag Wachteleier selber so gerne, dass in den ersten Wochen für den Eigenbedarf alle Eier draufgingen. Wachteleier sind cholesterinfrei und schmecken intensiver als Hühnereier, betont der 13-jährige Markus. Drei Minuten kochen, wenn sie aus dem Kühlschrank kommen, reicht aus. Besonders gut schmecken sie im Salat oder zur Brotzeit.

Schnell sprach sich herum, dass es bei den Bauer-Jungs diese Delikatesse gibt und immer mehr Freunde kamen, um ein paar Wachteleier zu holen. So kam langsam alles ins Rollen. Mindestens 30 Eier können die beiden täglich abtragen. Alle 18 bis 22 Stunden legen ihre Wachteln eines, „je nachdem wie gut sie drauf sind“, sagt Florian und rollt das „r“ dabei, dass es eine wahre Pracht ist.

Florian spricht aus Erfahrung und hat sich auch schon im Internet und durch Fachbücher schlau gemacht. „Des hod uns sauviel brrrocht“, meint er und erzählt, wie sie beide schon selber sehr erfolgreich in die Brüterei eingestiegen seien. Wichtig sei das Verhältnis der Käfigbesetzung. Auf einen Giggerl dürfen maximal vier bis sechs Hennen treffen, um eine optimale Befruchtung zu erzielen. Auch im Winter sei das möglich. Die beiden haben sich dafür extra einen Brutkasten, eine Lampe, eine Zeitschaltuhr sowie eine Plexiglasscheibe besorgt, damit in der Wanne eine bestimmte Helligkeit und Wärme herrscht. 38,5 Grad müssen es sein fürs Brüten und mindestens 12 Grad fürs Eier legen. „Ein Kücken ist so groß wie ein Hummel, wenn es gschlüpft is“, erzählt Florian. Auch Enten und Gänse haben die beiden schon ausgebrütet. Die Eier dafür haben sie von einem Kollegen ihres Vaters und vom Opa bekommen. Ihre Trefferquote beim Ausbrüten war sehr hoch. „Liachte Oarrr“ waren kaum dabei.

15 Cent verlangen sie für ein Ei. Dem stehen aber auch jede Menge Ausgaben gegenüber. „Wir müssen alles selber zahlen von unserem Taschengeld“, erklären die Brüder. Auch das Legemehl. Und die Wachteln fressen ganz schön. Die kleinen Plastik-Eierschachteln sind ebenso nicht gerade billig. 15 Cent kostet eine Wabe. „Da geht scho a Oarrr drauf“, darum freuen sich die Buben, wenn ihre Eierfreunde die leeren Schachteln wieder zurückbringen.

400 Stück haben sie sich auf Vorrat gekauft, auch eigene Aufkleber gemacht mit der Aufschrift „Markus & Florian’s Wachteleier“. Ganz schön professionell sind sie den Verkauf angegangen. Etwa zehn Euro bekommen sie vom Eierverkauf bei den Bauernmärkten in Dorfen, Freising und Taufkirchen. Auch ihre vierjähriges Schwesterchen Johanna Maria hilft gerne mit, wenn die Eier sauber gemacht werden, „wenn a Dreck dro hängt“. Johanna wird in Naturalien bezahlt. „Sie kriagt a Oarrr dafür“, also quasi 15 Cent. Auch ihre beiden Cousins, Dominik aus Frauenvils und Lukas aus Mettenheim bei Mühldorf haben Markus und Florian mit ihrer Wachtelliebhaberei schon angesteckt und ihre besten Freunde vom Dorf machen auch gerne mit.

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