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Seit zwei Jahrzehnten Gastgeber: Vroni Vogel und Dieter Knirsch (mit Hündin Betty) öffnen mehrmals im Jahr ihr Privathaus für kulturelle Veranstaltungen. 

Das Haus um den Flügel gebaut

20 Jahre Knirschvogelhaus

Das Knirschvogelhaus in Walpertskirchen feiert 20-jähriges Bestehen. Seither fanden dort unter der Regie von Vroni Vogel und Dieter Knirsch 120 Veranstaltungen statt. Auf die begehrte Gästeliste zu kommen, ist gar nicht so einfach. Mit den Faschingskonzerten startet das Jubiläumsprogramm. Diese sind bereits ausgebucht.

WalpertskirchenAngefangen hat alles im Oktober 1998 mit einer Ausstellung der Künstler und Kulturpreisträger Erich Heuschneider und Johannes Vollrath im Knirschvogelhaus. Vroni Vogel (52) und Dieter Knirsch (65) organisierten dazu das musikalische Rahmenprogramm. Seit 2010 sind sie aufgrund ihres Engagements selbst Kulturpreisträger. Anlässlich des 20. Jubiläums blicken der Pianist und die Autorin zurück und lassen keinen Zweifel daran, dass ein Ende in weiter Ferne liegt.

-Wer von Ihnen beiden kam auf die Idee, das eigene Haus öffentlich zu machen?

Dieter Knirsch: Ich hatte schon immer den Traum von einem Privathaus mit einem Veranstaltungsraum. Die Vroni konnte das gut verstehen, da sie selbst aus einer „Bühnenfamilie“ kommt und schon als Kind viel vor Publikum aufgetreten ist.

Vroni Vogel: Und so wurde unser Haus um Dieters Flügel herumgebaut, wie mein Vater bei unserer Hochzeit 1997 in seiner Rede launig bemerkte. Das Haus stand zwar erst ein Jahr später, aber wir haben damals schon geplant.

-Wer ist bei den Veranstaltungen für was zuständig?

Vroni Vogel: Über die Jahre ist es zu unserem Markenzeichen geworden, eigene Programme mit eigenen Texten und eigener Musik zu schaffen. Dieter komponiert und spielt, ich texte. Inzwischen steuert auch schon unser Sohn Quirin Eigenkompositionen bei und sitzt bei Veranstaltungen am Flügel.

-Ach ja, wie findet das eigentlich Ihr Sohn, dass sich regelmäßig Scharen von Leuten im Knirschvogelhaus tummeln?

Dieter Knirsch:Quirin ist so groß geworden. Der kennt das gar nicht anders. Im Februar wird er 18. Er möchte Musik studieren. Vor sieben Jahren war sein erster musikalischer Auftritt im Knirschvogelhaus, aber er war schon als Grundschulkind szenisch mit von der Partie, beispielsweise als Peter in der Inszenierung „Peter und der Wolf“ vor zehn Jahren. Da haben auch einige befreundete Kinder mitgewirkt.

Quirin Vogel (kommt gerade herein): Das stimmt, es hat mich wirklich nie genervt. Ich kann mich auch noch an meine erste Rolle als Hausgeist erinnern. Da gab es eine Nebelmaschine, und dabei ist mir schlecht geworden.

-Was macht das Knirschvogelhaus aus?

Vroni Vogel:Im Laufe der Jahre sind über das Knirschvogelhaus viele Künstlerfreundschaften entstanden, und unser Haus ist so etwas wie eine kulturelle Drehscheibe geworden – auch für andere Kulturveranstaltungen. Denn es haben sich bei uns viele Kulturschaffende näher kennengelernt. Sie haben das erste Mal in einem Knirschvogelhaus-Programm zusammengearbeitet und dann beschlossen, weiterhin etwas zusammen zu machen.

-Haben Sie nie Probleme, Künstler für Ihre Veranstaltungen zu gewinnen?

Dieter Knirsch: Nein, im Gegenteil.Wenn wir eine Veranstaltung planen, sind die Musikerfreunde und -kollegen immer gerne dabei – das freut uns sehr, zumal wir keinen Eintritt verlangen. Wir können keine Gage bezahlen, lediglich eine Aufwandsentschädigung.

-Was glauben Sie, woran es liegt, dass die Künstler so gerne im Knirschvogelhaus auftreten?

Vroni Vogel: Unser Publikum ist auf unserer Seite und sehr wohlwollend. Das schätzen alle sehr.

-Wie kommt man in den Genuss, bei einer Veranstaltung einen der begehrten Plätze in Ihrem Wohnzimmer zu bekommen?

Dieter Knirsch: Eingeladen wird über unsere interne Gästeliste. Inzwischen sind die Veranstaltungen meist zwei Wochen vor Beginn bereits voll, so auch beim diesjährigen Faschingskonzert „Ozeanische Gefühle“ mit Martina Eisenreich und Wolfgang Lohmeier – also bitte nicht mehr anmelden.

Vroni Vogel: Das ist meine größte Herausforderung: Jeder soll einen guten Platz bekommen. Mit den 20 Jahren sind ja auch unsere Gäste älter geworden, und da möchte ich schon, dass jeder gut sitzt.

-Was waren die Highlights in all den Jahren?

Vroni Vogel:Diese Frage ist schwer zu beantworten, weil es wirklich so viele schöne Erlebnisse gab und hoffentlich weiter gibt. Unsere Themenkonzerte wie „Licht und Schatten“, „Musik zur Blauen Stunde“, „Mondsüchtig“ und „Die Sprache der Blumen“ tragen sehr stark unsere eigene Handschrift und wurden auch durch die Mitwirkenden, die Vorschläge eingebracht haben, inspiriert und gestaltet. Die Freundschaft zu Ulli Büsel ist im Knirschvogelhaus besiegelt worden. Und es finden sich Freunde wie Michael Außerbauer und Stephan Glaubitz immer wieder ein, mit denen Dieter schon in der Jugend Musik gemacht hat.

-Welche Veranstaltungen sind am schnellsten „ausgebucht“?

Dieter Knirsch:Unsere Faschingskonzerte erfreuen sich schon viele Jahre großer Beliebtheit. Dem Ursprungs-team, zu dem Ingrid und Werner Rottler, Bärbel und Franz Mayrhofer gehören, sind wir freundschaftlich verbunden. Nach Werners Tod im Januar 2012 waren die Konzerte für uns in der Form nicht mehr machbar – ohne Werner, der neben mir die hauptsächlich von Vroni getexteten Lieder komponiert hatte. So haben wir die musikalischen Revuen anders weiterentwickelt, mit immer größeren Ensembles und dem Schwerpunkt auf Instrumentalmusik. Beim „Fest der Instrumente“ 2014 standen zehn Mitwirkende auf der nicht vorhandenen Bühne. Vroni schreibt sich immer eigene Rollen und führt durchs Programm. Manchmal singt sie auch. Die Bühnenbilder, Plakate und Einladungskarten gestaltet Vronis Zwillingsschwester, die Grafikerin Steffi Vogel.

Vroni Vogel:Ein Fest der Sprache war für uns die Autorenlesung mit Albert Sigl in der Reihe „Begegnungen“ im Jahr 2007. Sigl war damals frisch gekürter Gewinner des Ernst-Hoferichter-Preises.

-Was ist der Anspruch der Veranstaltungen im Knirschvogelhaus?

Dieter Knirsch:Unser Haus soll die Generationen verbinden. Bei der jährlichen musikalischen Lesung für die Walpertskirchener Nachbarschaftshilfe lesen Vronis Eltern, Franziska und Hans Jörg Vogel, beide inzwischen 78 Jahre alt, vergnügliche Texte, teils aus eigener Feder, und es musizieren immer junge Leute aus der Region, meist meine Musikschüler.

Vroni Vogel:Für mich als Ehefrau gibt es schon noch ein Highlight: Die Piano solo Konzerte von Dieter – wunderbare Musik aus dem Augenblick. Über seine Musik haben wir uns bei der Einweihung der Kreismusikschule 1995 kennengelernt. Im Jubiläumsjahr wird unser Sohn mit seiner eigenen Jazz-Band spielen, aber auch alte Hasen kommen dazu. Weiter stehen ein Piano solo Konzert von Dieter und ein Themenkonzert mit Kammermusik auf dem Jubiläumsprogramm.

-Ist Ihnen die Mühe nie zuviel geworden?

Vroni Vogel schüttelt den Kopf und lacht: Nein nie!

Dieter Knirsch hält kurz inne: Manchmal denke ich mir so kurz vorher: Warum tue ich mir das alles an? Aber wenn die Aufführungen im Gange sind, bin ich jedes mal froh.

-Es ist also kein Ende in Sicht?

Jetzt schütteln beide den Kopf.

Das Gespräch führteA. Anderka

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