„Adele meets Jazz“: Autorin Vroni Vogel (M.) präsentiert ihre Kurzgeschichte „Abgesang des Sommers“ im Knirschvogelhaus. Unterstützt wird sie von der Band Tenor Steps. Foto: and

Musikalische Lesung

Adeles aufregender Sommer

Walpertskirchen – Das Wohnzimmer des Knirschvogelhauses hatte sich gut gefüllt, als die Hausherrin die Treppe herabschritt.

Alle, an denen sie vorbeikam, begrüßte Vroni Vogel persönlich. Bevor sie sich auf den bunten Sessel vor ihrem kleinen Schreibtisch setzte, fragte sie besorgt: „Sitzen alle gut?“

So geht es immer zu bei Veranstaltungen im Knirschvogelhaus, da ist der Gast kein Fremder. Und so war den meisten auch die Hauptperson des Abends – Adele – bekannt. Am vergangenen Wochenende präsentierte Vogel die vierte Geschichte von Adele, der Protagonistin ihrer beliebten Kurzgeschichten. Mit ihr hatte sie schon „viele schöne Stunden“ im Herbst, Frühjahr und Winter verlebt. Jetzt fehlte nur noch der Sommer. Und in den gingen die Autorin und ihr Publikum bei „Abgesang des Sommers“ zurück. Mit dabei – wie immer – die Band Tenor Steps, die für die passende musikalische Untermalung sorgte, denn Laut Vogel ist Adele „ohne Musik nicht zu denken“.

Bevor die Autorin in die Sommer-Geschichte eintauchte, jazzten die Tenor Steps mit einer bluesigen Eigenkomposition los, bei der Saxophonist Michael Außerbauer wieder einmal zeigte, dass er auch gut singen kann.

Dieses Mal hat Adele mit der quälenden Hitze des Sommers, den Launen ihres Mannes und den Wirrungen ihrer eigenen Gefühle zu kämpfen. Die Musiker unterstrichen die Situationen sehr treffend mit ihren Instrumenten. So imitierte Stephan Glaubitz an seinem Kontrabass gemeinsam mit Ralph Außerbauer am Schlagwerk den Zeiger an der Uhr, der sich mühsam vorwärts bewegt. Für den passenden Partysong spielten sie alle zusammen „All Of Me“, einen Jazz-Standard. Die Sehnsucht Adeles nach dem Meer besang Sara Gallitz, eigentlich am Saxophon, aber auch sehr überzeugend als leidenschaftliche Sängerin mit dem bittersüßen Lied „Fado“, das sie in ihrer portugiesischen Muttersprache intonierte.

Den Part des talentierten jungen Pianisten auf einem Sommerfest hatte Vogel ihrem Sohn Quirin auf den Leib geschrieben. Mit einer Improvisation am Klavier stellte der 17-Jährige wieder einmal sein außergewöhnliches Talent unter Beweis. Für die widerstreitenden Gefühle Adeles war Dieter Knirsch zuständig. Am Flügel erzeugte der Hausherr voller Leidenschaft die passenden Töne. In den Gewittersturm über Adeles Landhaus stimmten alle zusammen mit ein.

So sehr die Musik auch zu Adele passt, genauso freut man sich als Zuhörer auch wieder auf den Text. Denn Vogel versteht es sowohl mit ihrer malerischen und bildhaften Sprache als auch mit ihrem ausdrucksstarken Vortrag, einen Film im Kopf entstehen zu lassen.

Die sorgfältig ausgewählten Pausen, die mit Musik gefüllt sind, erzeugten Spannung und ließen den Abend sehr kurzweilig werden. So wippten alle vergnügt mit, als zum Schluss die Tenor Steps mit ihrer Komposition „Life Can Be So“ den unbeschwerten Schluss der Geschichte symbolisierten.

Das Publikum dankte mit einem nicht enden wollenden Applaus und setzte den Abend bei Suppe und Getränken im Wohnzimmer der Gastgeber fort.  

A. anderka

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