250 Marienverehrer und mittendrin der Seher: Salvatore Caputa erwartet an der Privatkapelle in Kolbing die Erscheinung der Muttergottes. screenshot: gloria.tv

Ansturm auf angebliche Marienerscheinung

Gut 250 Gläubige sind am Karsamstag zur Privatkapelle eines Ehepaars in Kolbing gepilgert. Der Grund: eine angebliche Marienerscheinung eines italienischen Sehers. Die Erzdiözese ist von der Veranstaltung nicht begeistert. Doch im September soll das Ganze nochmal passieren.

italienischer Seher in Kolbing

Ansturm auf angebliche Marienerscheinung

Gut 250 Gläubige sind am Karsamstag zur Privatkapelle eines Ehepaars in Kolbing gepilgert. Der Grund: eine angebliche Marienerscheinung eines italienischen Sehers. Die Erzdiözese ist von der Veranstaltung nicht begeistert. Doch im September soll das Ganze nochmal passieren.

von Michael Luxenburger und Ramona Weise

Walpertskirchen – Ein in Kirchenkreisen zumindest umstrittener italienischer Seher, eine angebliche Marienerscheinung und Kleinbusse, die Gläubige ankarren: Der Marienkult treibt bisweilen erstaunliche Blüten. Rund 250 Katholiken wollten die angebliche Botschaft der Mutter Gottes durch Salvatore Caputa aus Südtirol live erleben. Der hatte die Erscheinung der Gottesmutter für 16 Uhr angekündigt. Gekommen sei sie dann aber schon um 15.20 Uhr. Gesehen hat sie aber nur Salvatore.

Die Erzdiözese München und Freising ist von dieser Veranstaltung nicht angetan. „Die angeblichen Marienerscheinungen von Salvatore Caputa wurden im italienischen Bistum Mantua untersucht“, sagt Sprecherin Bettina Göbner. Und: „Sie sind von der katholischen Kirche nicht anerkannt.“

Verwaltungsbeamtin Maria Gaigl war von Berufs wegen mit dem Auftritt des Sehers beschäftigt und deshalb auch persönlich anwesend. Sie sagt, dass es vor dem Besuch des Südtirolers einen Brief der Diözese an das Ehepaar gegeben hat – mit dem Wunsch, die Veranstaltung abzusagen. Denn am Karsamstag sei eine derartige Veranstaltung sowieso nicht genehmigt. Auch ein katholischer Priester aus Innsbruck wollte kommen. Dem hatte das aber sein Bischof verboten.

Doch die Autos und Busse rollten trotzdem an. Nicht zum ersten Mal: Bereits im September 2015 hatte es eine angebliche Marienerscheinung auf dem Hof gegeben. Und auch eine dritte Erscheinung ist schon angekündigt. Salvatore, der sich übrigens über Spenden finanziert, habe von der Jungfrau Maria selbst erfahren, dass sie sich im September wieder in Kolbing zumindest ihm gegenüber spirituell materialisiere.

Die jetzige Veranstaltung sei privater Natur gewesen, heißt es auf Anfrage von Seiten des Ehepaares, dessen Sohn den Hof in Kolbing führt. Weiter will es sich nicht äußern, Informationen seien im Internet zu finden. Dort gibt es ein Einladungsschreiben zur Marienerscheinung in Kolbing, der radikal-klerikale Internetsender www. gloria.tv hat ein Video vom Samstagnachmitag veröffentlicht. Ab der neunten Minute hört man da angeblich „die Botschaft der Gottesmutter“.

„Nun gut“, sagt Maria Gaigl, „für die Leute ist das eine Erfüllung. Und direkt zu Schaden ist ja keiner gekommen. Wir hatten von der Verwaltungsgemeinschaft Hörlkofen aus den Veranstaltern Auflagen gemacht, hinsichtlich Rettungswegen et cetera. Aber es sind weniger Leute als erwartet gekommen. Und die Familie hat das dort gut geregelt. Die Kinder und auch Nachbarn haben bei der Organisation geholfen.“

Es gibt aber noch einen anderen Grund, warum man sich seitens der VG erst vor Kurzem mit der Wallfahrtsstätte in spe beschäftigt hat – in einer ebenfalls kuriosen Angelegenheit: Die Behörde ließ angebliches Heilwasser aus einem alten Brunnen auf dem Hof untersuchen. „Wir haben den Brunnen eigentlich gesperrt. Denn sauber ist das Wasser nicht. Jetzt hängt dort ein großes Schild Kein Trinkwasser“, sagt Gaigl.

Eine heilende Wirkung könne sowieso nicht nachgewiesen werden, meint dazu Walpertskirchens Bürgermeister Franz Hörmann. Es sei um die Verkeimung des Wassers gegangen. Das allerdings haben die Gläubigen auch am Karsamstag wieder gerne getrunken.

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