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Versetzten das Publikum in einen Rausch der Klänge (v. l.):  Martina Eisenreich, Dieter Knirsch, Sara Gallitz, Michael Außerbauer und Stephan Glaubitz.  

Faschingsrevue im Knirschvogelhaus

Berauschende Klangwelten

An drei Abenden musizierte die Band Tenor Steps zusammen mit der Geigerin Martina Eisenreich, dem Schlagzeuger Wolfgang Lohmeier und Quirin Vogel am Flügel im Knirschvogelhaus. Unter dem Motto „Im Rausch der Klänge“ boten sie ein etwas anderes Faschingskonzert.

Walpertskirchen – Quirliges Treiben herrschte am Faschingswochenende im Knirschvogelhaus, mittendrin schwirrt Gastgeberin Vroni Vogel, stets bemüht, jedem Gast einen guten Platz in ihrem Wohnzimmer anzubieten. Das ist gar nicht so einfach, denn im Nu waren die drei Faschingsrevues „Im Rausch der Klänge“ ausgebucht.

Musikalisch eröffnet Gastgeber Dieter Knirsch mit einem Solo am Flügel den Abend. Robert Schumanns „Préambule“ aus Carneval lässt das Stimmengewirr verstummen und einen wunderbaren Abend erahnen. Vroni Vogel erklärt, was Schumann mit Fasching zu tun hatte: „Wenn man Fasching als eine Zeit wahrnimmt, die dazu einlädt, mit Identitäten zu spielen und verschiedene Seiten seiner Persönlichkeit zu zeigen, dann haben wir schon eine Verbindung zu ihm.“ Denn der Komponist habe in seiner Person zwei Pole ausgemacht, den grüblerischen und den lebensfrohen.

Gleich zu Beginn stellt die Moderatorin die Musiker vor: Neben ihrem Mann, dem „Maestro am Flügel“, zeigt auch Sohn Quirin wieder sein Talent als Pianist. Der 17-Jährige verblüfft immer wieder aufs Neue mit seinem Können, dieses Mal mit einer Improvisation und mit Robert Schumanns „Aufschwung“. Dabei sind außerdem die beiden Saxophonisten Sara Gallitz und Michael Außerbauer, Stephan Glaubitz am Kontrabass und Ralf Außerbauer am Schlagzeug, die zusammen die Band Tenor Steps bilden.

Special Guests sind die weit über den Landkreis hinaus bekannte Geigerin Martina Eisenreich und ihr Mann Wolfgang Lohmeier, ein Künstler an seinem außergewöhnlichen Schlagwerk. Die Gastgeberin warnt auch sogleich die Gäste: „Halten Sie alles fest, was klingen könnte, denn Wolfgang baut sein Schlagzeug ständig um und verwendet alles, was ihm in die Finger kommt.“

Der ganze Abend besteht im Grunde aus Improvisation, aus Stücken, die die Musiker teilweise selbst komponiert, im eigenen Repertoire oder in anderen Besetzungen gespielt haben. Eisenreich bringt es auf den Punkt: „Wir spielen nur Töne, die freiwillig aus den Instrumenten kommen. Wir wissen noch nicht, was passieren wird. Wir wünschen Ihnen viel Glück.“ Und das Publikum hat mehr als Glück, denn Profis sind hier am Werk, die ihr Instrument perfekt beherrschen. Sie verständigen sich mit kurzem Kopfnicken und bringen die Stücke im Zusammenspiel auf ihren Höhepunkt.

Und so passiert es, dass das Publikum am Anfang des Stücks „Miserlou“ den Atem anhält. Es ist mucksmäuschenstill im Raum, als Lohmeier mystische Klangwelten ertönen lässt, nach und nach steigen die Musiker ein, und das Publikum wird mitgerissen in eine entrückte, geheimnisvolle und erfüllende Stimmung. Ebenso berauschend, obwohl ganz anders, ist das Stück „All So Simple“ von Tenor Steps. Es lässt einen alles vergessen und in eine melancholische, beruhigende Welt eintauchen. Immer wieder ein Hit: „Tante Käthe“ von Stephan Glaubitz, unwillkürlich wippen die Köpfe der Zuhörer im Takt. Jeder Musiker für sich ist eine Persönlichkeit, die ihr ganz eigenes Ding macht. Nur so lässt sich auch erklären, wie zwei Schlagzeuger nebeneinander harmonieren können.

Das Erfolgsgeheimnis der Faschingsrevue ist neben den wunderbaren Musikern auch die Programmzusammenstellung. Denn großen Spaß gibt es mit zwei Couplets, verfasst von Vroni Vogels Großvater Oskar Weber, aufgeführt von der Enkelin zusammen mit Glaubitz. In grünen Perücken und bunten Schürzen geben sie „Ohne Protektion, da kann der Mensch nicht leben“ und die „Ballade vom traurigen Fallobst“ zum Besten und sorgen für Heiterkeit.

Mit einem coolen Blues, gesungen von Michael Außerbauer mit rauchiger Stimme, geht das besondere Faschingskonzert zu Ende. Doch nach Hause gehen längst noch nicht alle, bei kleinen Speisen und Getränken feiern die Musiker und ihre Gäste in den nächsten Tag hinein. (Alexandra Anderka)

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