An Leinwänden für eine Soloausstellung im Frauenkircherl arbeitet Mr. Woodland derzeit.
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An Leinwänden für eine Soloausstellung im Frauenkircherl arbeitet Mr. Woodland derzeit. 

Interview mit dem Künstl

Street Artist Mr. Woodland: „Ich versuche, diese Zeit als Chance zu sehen“

  • Veronika Macht
    vonVeronika Macht
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Wie geht es den bildenden Künstlern in Zeiten der Corona-Ausgangsbeschränkungen? Darüber sprachen wir mit Daniel Westermeier (38) alias Mr. Woodland - Street Artist, Künstler und zweifacher Familienvater aus Walpertskirchen.

Walpertskirchen– Das Corona-Virus hat auch die Kulturwelt fest im Griff. Immer mehr Musiker nutzen das Internet als Plattform, um ihre Fans mit Live-Konzerten bei Laune zu halten. Aber was machen bildende Künstler in Zeiten der Ausgangsbeschränkungen? Darüber sprachen wir mit Daniel Westermeier (38) alias Mr. Woodland, Street Artist, Künstler und zweifacher Familienvater aus Walpertskirchen.

Herr Westermeier, was machen Sie zur Zeit?

Momentan male ich zuhause in meinem Atelier viele Leinwände, weil ich Anfang November im Frauenkircherl im Erding eine Soloausstellung geplant habe. Darauf freue ich mich schon sehr, das wird super. Jetzt lasse ich mir enorm viel Zeit für die Leinwände, man kann sich auf schöne Sachen freuen. Die Ausstellung wird „Broken Promises“ heißen. Ich wollte sie eigentlich schon voriges Jahr machen, aber das ging mir zeitlich leider nicht raus.

Als Street Artist, wie der Name schon sagt, sind sie aber eigentlich mit ihrer Kunst draußen unterwegs.

Das stimmt, eigentlich wäre ich in den kommenden Monaten für einige internationale Festivals fest eingeplant gewesen, aber die wurden alle abgesagt. Ein Festival in der Schweiz zum Beispiel wäre recht lukrativ gewesen. Doch auch die Kunstkurse, die ich gebe, sind ausgefallen Und ein großer Auftrag am Flughafen wurde auf unbestimmte Zeit verschoben.

Aber Arbeit ist ja erlaubt – und Sie arbeiten ohnehin alleine.

Das stimmt zwar, aber bei meinen Aufträgen habe ich dennoch viel Kundenkontakt, denn ich muss die Entwürfe ja durchsprechen. Außerdem ist sehr schwierig momentan, an Material zu kommen. Und ich habe leider einen Wünsch-dir-was-Job, keinen Brauch-ich-Job – sprich die Leute sparen natürlich eher an einem Gemälde als an anderen Dingen. Das geht derzeit vielen Freunden so, die auch Künstler sind. Wir alle hoffen, dass wir bald wieder durchstarten können und dass eine große Sturmflut an Aufträgen hereinbricht, wenn diese Krise vorbei ist.

Dann wird aus einer Neuauflage des Artding-Festivals heuer auch nichts, was viele Fans gehofft hatten?

Nein, daraus wird heuer definitiv nichts. Eigentlich sollte es nach den Kommunalwahlen ein Gespräch mit Oberbürgermeister Max Gotz geben, aber das kam logischerweise nicht mehr zustande. Sagen wir es so: Selbst wenn ab nächster Woche wieder alles seinen gewohnten Gang gehen würde, würde die Zeit nicht mehr reichen, um etwas zu organisieren. Insofern bin ich eigentlich ganz froh, dass bisher noch nichts geplant war – denn sonst hätte das Festival abgesagt werden müssen.

Wie sieht es finanziell für Sie aus, wenn Sie keine Aufträge ausführen können?

Ich bin aktuell einfach zum Nichtstun verdammt, was Geldverdienen angeht. Ich habe zwar die Soforthilfe für Selbstständige beantragt, bisher aber noch nichts bekommen, und ich befürchte auch, dass ich darauf vergeblich warten werde. Trotzdem versuche ich, diese Zeit auch als Chance zu sehen.

Als Chance wofür?

Ich verbringe sehr viel Zeit mit meiner Familie, bin viel draußen, mache wieder mehr Sport. Ich versuche, die Zeit sinnvoll zu nutzen und sie nicht einfach mit Fernsehen oder so verstreichen zu lassen. Ich will nicht die Flinte ins Korn werfen. Auf die sozialen Kontakt zu verzichten, fällt mir nicht so schwer. Aber unsere Kinder vermissen ihre Freunde schon sehr, für sie sind soziale Kontakte enorm wichtig. Da wird auch schon mal über den Gartenzaun hinweg kommuniziert.

Was ist das erste, das Sie machen, wenn die Krise vorbei ist?

Mal wieder draußen eine große Wand malen. Das geht mir sehr ab. Leinwände malen ist cool, aber es befriedigt mich nicht so wie eine Fassade.

Das Gespräch führte Vroni Macht.

Alle Nachrichen zur Corona-Krise im Landkreis Erding finden Sie in unserem Newsticker.

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