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Besuch in der „Krippenalm“: Das ganze Jahr Weihnachtsstimmung

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Von: Gerda Gebel

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Ein Dorado für große und kleine Kripperl-Fans ist die Ausstellung bei Christine und Zeno Hainzl in Maitenbeth im Landkreis Mühldorf.
Ein Dorado für große und kleine Kripperl-Fans ist die Ausstellung bei Christine und Zeno Hainzl in Maitenbeth im Landkreis Mühldorf. © Peter Gebel

In der Werkstatt mit Ausstellungsraum von Zeno Hainzl aus Hallnberg stehen Krippen nicht nur zur Weihnachtszeit. Die Heimatzeitung besuchte den Holzschnitzer.

Hallnberg – Wenn das Kripperl im Wohnzimmer aufgebaut wird, ist meist Weihnachten nicht mehr fern. Bei Zeno Hainzl aus Hallnberg dagegen beginnt die Kripperlzeit schon im Sommer. Wir haben den Holzschnitzer in seiner Werkstatt in Maitenbeth (Kreis Mühldorf) besucht.

Dass er mit Holz arbeiten wollte, war Hainzl immer schon klar: „Ich wusste schon als Kind, dass ich später Schreiner werden will“, erklärt der 53-jährige Hallnberger. Während seiner Lehrzeit in der Schreinerei Kellner in Walpertskirchen führte ihn ein Freund in die Holzschnitzerei ein, aus einem Rohling entstand schon bald eine Figur. Schnell sprach sich das Talent des gelernten Möbelschreiners auch bei den umliegenden Schreinereien herum, und Hainzl bekam Aufträge zum Schnitzen von Treppensäulen, Haustürfüllungen oder auch Schützenscheiben.

Nach dem Wechsel zur Schreinerei Lorenz in Wimpasing baute sich der talentierte Holzfachmann schon bald ein zweites Standbein mit der Schnitzerei auf. „Begonnen hat es mit einer kleinen Hobelbank im Keller, später habe ich das Zimmer vom Opa genutzt und dann erst einen leer stehenden Stall umgebaut zur Werkstatt mit Ausstellungsraum“, erzählt der fleißige Schreiner.

Mit Schnitzmesser und Holzhammer, auch Klöpfel genannt, bearbeitet Zeno Hainzl sein Rohmaterial.
Mit Schnitzmesser und Holzhammer, auch Klöpfel genannt, bearbeitet Zeno Hainzl sein Rohmaterial. © Peter Gebel

In seiner „Krippenalm“ in Maitenbeth, wo Ehefrau Christine daheim ist, herrscht nun das ganze Jahr über Weihnachtsstimmung. Von Hainzl selbst gefertigte Krippen aller Art und Größen sind hier liebevoll arrangiert mit den passenden Figuren, dazu Weihnachtsschmuck und andere Holzarbeiten.

Beim Verkauf der geschnitzten Figuren auf Hobby- und Christkindlmärkten hatte Hainzl dann schon einige Helfer. Mama Anneliese Hainzl unterstützte den Sohn tatkräftig beim Verkauf und managte daheim in Hallnberg den Ausstellungsraum. Voll miteingebunden war auch Christine Hainzl, die ihrem damaligen Freund bei seinem Hobby zur Seite stand. „Wir sind da zusammen reingewachsen, erst kamen die kleineren Weihnachtsmärkte und dann der große Wintermarkt am Flughafen“, erinnert sich die 48-jährige Gattin.

Selbst gefertigt hat der Schreiner meist die Krippen in verschiedenen Ausführungen, die zugehörigen Krippenfiguren wurden zugekauft. Die meisten kommen aus dem Grödnertal, wo die besten Holzbildhauer zuhause sind. „Das sind schon wahre Künstler“, zollt Zeno Hainzl den Berufskollegen Respekt. Er selbst hat sich auch schon am Bemalen der Figuren versucht. „Aber da braucht es schon lange Erfahrung, bis man die Schattierungen so hinbekommt“, weiß er.

Hainzl bleibt lieber bei der Holzbearbeitung. In seiner Werkstatt hat er für die Möbelschreinerei das komplette Schreiner-Equipment zur Hand, die Schnitzerei nimmt da nur wenig Platz ein. „Dafür braucht man nur ein paar gute Schnitzmesser“, erläutert der Fachmann. „Und natürlich braucht man auch Geduld, denn ganz so einfach, wie die Schnitzerei aussieht, ist sie dann doch nicht.“

Verarbeitet wird meist das geschmeidige Lindenholz für Wappen oder Schützenscheiben. Für Haustüren oder Treppen wird natürlich auch die gewünschte Schnitzerei aus Eichenholz gefertigt.

Handgeschnitzte Krippenfiguren, die meist aus Südtirol stammen, werden oft aus Zirbenholz geschnitzt, diese werden dann nicht bemalt. Die kleineren Krippenfiguren seien meist aus Ahornholz herausgefräst, diese werden dann mit Lack behandelt und mit Ölfarbe bemalt, erklärt der Fachmann.

Normalerweise ist die Familie in der Adventszeit pausenlos auf Achse bei den diversen Christkindlmärkten, dazu der Verkauf vor Ort. Doch dieses Jahr müssen auch die Hainzls mit dem coronabedingten Umsatzeinbruch leben. „Besonders durch den abgesagten Wintermarkt am Flughafen bricht uns schon ein wichtiger Markt weg“, erklärt Ehefrau Christine, die für den gesamten Einkauf und das Internet zuständig ist.

In ihrem 300 Quadratmeter großen Ausstellungsraum dürfen jetzt nur 30 Kunden gleichzeitig einkaufen, zur Einstimmung für die Wartenden hat Zeno Hainzl noch eine neue Hütte im Hof gebaut. Geplant war auch eine Renovierung des Ausstellungsraumes daheim in Hallnberg, doch leider kann Mama Anneliese diesen gesundheitsbedingt nicht mehr führen.

So arbeitet Familie Hainzl schon seit Monaten an der Präsentation der aktuellen Ausstellung zusammen mit einigen Aushilfskräften, die auch das viel begehrte Zubehör für die Kripperl herstellen. „Je mehr Schnickschnack an einer Krippe dran ist, umso besser gefällt es den Kunden“, berichtet Zeno Hainzl schmunzelnd. Und so werden kleine Ziehbrunnen, ein Lagerfeuer oder ein filigraner Besen angefertigt, die nicht nur bei den Kindern die Begeisterung wecken.

Seine Leidenschaft für die Arbeit hat der Holzschnitzer auch an Sohn Julian (13) weitergegeben, der später unbedingt Schreiner werden will. Zusammen wird dann auch vor Weihnachten im eigenen Wohnzimmer eine umfangreiche Krippenlandschaft aufgestellt. „Die Figuren sind immer die gleichen, aber von den Krippen suchen wir uns jedes Jahr eine andere aus unserem Vorrat aus“, berichtet Hainzl. „Allein schon der Geruch von frischem Holz tut mir gut“, erzählt er. Und wie schon früher beim gemeinsamen Arbeiten im Wald mit seinem Vater, zieht es ihn draußen auch heute noch am liebsten „ins Holz“.

Gerda und Peter Gebel

Infos und Öffnungszeiten

der Krippenalm gibt’s unter www.holzschnitzerei-hainzl.de oder Tel. (0 80 76) 8 89 17 12. Zeno Hainzl Holzschnitzerei, Oed 2, 83558 Maitenbeth

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