Die Teilnehmer der Diskussionsrunde sitzen an den Bahngleisen in Walpertskirchen, ein Zug fährt vorbei
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Diskussionsrunde mit Zug: Sonnen- und Schattenseiten zum Thema Bahn kamen beim lockeren Gespräch mit dem Landtagsabgeordneten der Grünen, Johannes Becher (4. v. r.), zur Sprache. Karl Bürger von Pro Bahn (stehend) steuerte fachkundige Informationen bei.

Besuch von MdL Becher: Anlieger und Gemeinde kritisieren die schwierige Kommunikation

Das lange Warten auf die Bahn

Angst, beim Thema Schallschutz allein gelassen zu werden; hohe Finanzlast für die Kommunen; mangelhafte Kommunikation der Bahn: Beim Besuch von MdL Johannes Becher in Walpertskirchen gab es viel Kritik.

Walpertskirchen – Spannende Begegnungen mit Menschen, die für ihre Projekte und Themen brennen. Intensive Gespräche, unterschiedliche Blickwinkel und die besondere Erfahrung, einen Teil des Landkreises zu Fuß zu durchwandern: Das alles erlebt derzeit der Landtagsabgeordnete der Grünen, Johannes Becher, der mit seinem Wanderfreund Bernhard Hrodek noch bis Samstag im Erdinger Gäu unterwegs ist.

In Walpertskirchen hatte Gemeinde- und Kreisrat Stephan Glaubitz (Grüne) einen kleinen Biergarten auf dem Bahnhof mit Unterstützung aus dem Dorf und vom Pro-Bahn-Vorsitzenden Karl Bürger für Bechers Besuch aufgebaut – passend zum Schwerpunktthema öffentlicher Schienenverkehr.

Die Diskussionsrunde war bunt gemischt. CSU-Gemeindechef Franz Hörmann, Vize-Bürgermeister Josef Renner (CSU), 3. Bürgermeisterin Beate Aust (SPD), FW-Rat Josef Glockshuber, Cristina Gräfin von Stackelberg und Hans Handel von der Bürgerinitiative Walpertskirchener Spange sowie einige weitere Zuhörer nahmen daran teil.

Der von Bürger und seiner Frau Anna-Maria liebevoll gepflegte Bahnhaltepunkt präsentierte sich als Dreh- und Angelpunkt öffentlicher Mobilität. Auch das vom Pro-Bahn-Chef eingerichtete Bahnmuseum wurde besichtigt.

Doch es wurden auch die Schattenseiten angesprochen, etwa die schwierige Kommunikation der Bahn mit der Gemeinde, um sich bei Projekten, die beide Seiten betreffen und kommunale Planungen tangieren, verlässlich abzustimmen. Glaubitz vermisste jeglichen Willen seitens der Bahn, die Akzeptanz für derartige Großprojekte zu fördern.

Auch die Finanzlast für die Kommunen war Thema: „Das Eisenbahnkreuzungsgesetz ruiniert die kleinen Gemeinden“, sagte Hörmann. Der Bürgermeister verwies auf die Brücke in Schwarzhölzl über die Bahn, für die Walpertskirchen wegen der Gemeindeverbindungsstraße die Straßenbaulast habe. Hörmann befürchtete immense Kosten für die Kommune bei einer Brückensanierung oder einem Neubau. „Das Thema nehme ich gerne mit“, versprach Becher. Eine Brücke müsse nicht groß sein, um teuer zu werden, sagte er dazu und bot auch an, sich wegen der Kommunikationsproblematik persönlich einzuschalten, um den Kontakt zu verbessern.

Ein zentrales Thema war der Schallschutz im Falle eines Streckenausbaus. Hier wurde befürchtet, dass die Anwohner ähnlich wie bei der A 94 mit den Lärmbelastungen allein gelassen würden. Glockshuber war für einen effektiven Lärmschutz, der auch eine bestimmte Höhe haben müsse. Bürger verwies auf eine niedrige Variante mit Holzbauelementen, die derzeit in der Erprobung und erfolgversprechend sei.

„Wir sind keine Bahngegner, aber es muss neben der Bahn das Leben noch möglich sein“, betonte Hans Handel, dessen Haus in Schwarzhölzl nah beim Gleiskörper steht. Trotz vieler Bemühungen, mit den Bahnverantwortlichen in Kontakt zu kommen, um zu erfahren, in welche Richtung der Schallschutz gehe, „kriegt man keine Antwort“. Handel befürchtete, dass falsche Berechnungen zu falschen Schlüssen führen würden. Ein sinnvoller Schallschutz sei entscheidend und nicht eine Minimallösung, „dass es grad noch langt“, griff Becher die Bedenken der Bahnanlieger auf.

Die Bahn benutzerfreundlicher und großflächig barrierefrei zu gestalten, war ein weiteres Anliegen.

Im Verlauf der Debatte kamen zudem bahnferne Themen zur Sprache. Bürgermeister Hörmann etwa wünschte sich grundsätzlich verlässliche Förderprogramme für die Kommunen, um Planungssicherheit zu erhalten – lieber weniger und dafür langfristig tragfähige Fördermodelle. Vize-Bürgermeister Renner meinte, dass der „Schutzstatus“ für ökologische Maßnahmen auf dem eigenen Grund kontraproduktiv sei und umweltgerechte Entwicklungen eher verhindere. Seine Forderung: „Das Eigentum soll beim Landwirt bleiben.“

Vroni Vogel

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