Jugendsozialarbeit an der Grundschule

„Die Kinder sind heute gehaltvoller“

Walpertskirchen – Die sich rasant verändernde Gesellschaft mit Berufstätigkeit beider Eltern, den sozialen Medien, mit Schulstress und vielen Terminen hat Auswirkungen auf die Kinder. Dieses Fazit ergab sich, als die zuständige Sozialpädagogin Waldtraud Baumeister in der Walpertskirchener Gemeinderatssitzung den Jahresbericht 2015 zur Jugendsozialarbeit an der örtlichen Grundschule mit 83 Kindern vorstellte. Mit ihr besuchten Konrektorin Birgit Hipper und die Geschäftsleiterin der „Brücke“ Erding, Barbara Huber als Vertreterin des Trägers die Sitzung.

„Wir haben tolle Kinder“ betonte Baumeister, doch die Aufgaben in der schulischen Erziehungsarbeit seien gestiegen, weil man inzwischen sehr viele Individualisten in den Klassen habe, die besondere Zuwendung bräuchten. Konrektorin Birgit Hipper ergänzte: „Die Anforderungen haben sich sehr verändert. Es sind sehr nette Kinder, aber gehaltvoller.“

Nächstes Jahr werden es zehn Jahre, seit die Schulsozialarbeit in Walpertskirchen eingeführt wurde. Bürgermeister Franz Hörmann unterstrich, dass es sich um ein hilfreiches Angebot handle, gab aber auch zu bedenken, dass das zweite Auge der Gemeinde immer auf das Geld schiele und man in der Kostenentwicklung eine kontinuierliche Steigerung feststelle. Huber begrüßte es, „dass man die Dinge transparent und von allen Seiten anschaut.“ Sie wies daraufhin, dass das Mitarbeiterteam der „Brücke“ tariflich beschäftigt werde. Bisher ist Baumeister einmal die Woche, immer donnerstags für sechs Stunden an der Grundschule.

Gemeinderat Peter Kazmierczak fragte nach: „Reicht ein Tag an der Schule aus?“ Die Sozialpädagogin erwiderte, dass es „das Minimum“ sei, um den guten Kontakt zu den Kindern zu halten. „Die Verbindung ist wichtig.“ Baumeister ist sowohl in den Klassen als auch in der Einzelbetreuung tätig. „Da ist ein Vertrauensverhältnis da“, meinte die Sozialpädagogin grundsätzlich. Zudem steht sie für Elterngespräche zur Verfügung. Hipper bestätigte, dass das Angebot von den Erziehungsberechtigten sehr gerne angenommen werde und sagte: „Jede Zeit und jedes Geld, die in die Kinder investiert werden, sind gut angelegt.“

In der Diskussion machte man sich Gedanken, weshalb sich der Schulalltag im Vergleich zu früher stark gewandelt habe. „Ich mache die Beobachtung, dass die Kinder ganz schön gestresst sind“, sagte Huber mit Blick auf den Übertritt in der vierten Klasse. Auch die sozialen Medien wurden angeführt. „Es haben sehr viel mehr Kinder Konzentrationsstörungen“, stellte Baumeister fest. „Die Zeiten haben sich verändert. Das Leben ist dynamischer.“ Hörmann stimmte dem zu: „Das Schnelllebige, der Stress überträgt sich auf die Kinder“, die häufig schon im Grundschulalter einen „Terminkalender“ hätten. Kazmierczak, der als pensionierter Lehrer seine Erfahrungen einbrachte, sagte: „Es ist sehr gut, wenn man präventiv arbeitet.“

Die Selbstwahrnehmung, der Umgang mit Gefühlen und Konflikten, das Streitschlichterprojekt und der einfühlsame, persönliche Kontakt zu den Schülerinnen und Schülern sind Schwerpunkte der Arbeit. „Mich kennt jedes Kind“, so Baumeister.

Vroni Vogel

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