Bei der Begehung eines Waldstücks der Familie Grimm verwies Robert Grimm (3. v. r.) auf die Folgen von Verbiss-Schäden: Nur im eingezäunten Bereich komme der Mischwald hoch. Die kleinen, ungeschützten Fichten vor dem Zaun seien in etwa gleich alt.
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Bei der Begehung eines Waldstücks der Familie Grimm verwies Robert Grimm (3. v. r.) auf die Folgen von Verbiss-Schäden: Nur im eingezäunten Bereich komme der Mischwald hoch. Die kleinen, ungeschützten Fichten vor dem Zaun seien in etwa gleich alt.

Verbiss, Bejagung, Freizeitdruck, Klimawandel

Die Sorgen der Waldbesitzer

Wie sieht der Wald der Zukunft in Zeiten des Klimawandels aus? Das war eine zentrale Frage bei einer Waldbegehung im Walpertskirchener Ortsteil Neufahrn. Dabei kamen auch die Themen Wildverbiss, Bejagung und Freizeitdruck zur Sprache.

Neufahrn/Walpertskirchen – Wie kann ein standortgerechter, stabiler und möglichst naturnaher Wald in Zeiten des Klimawandels hergestellt und bewahrt werden? Das war eine zentrale Frage bei einer Waldbegehung, an der Fachleute aus der Jägerschaft, der Försterei und der Waldbewirtschaftung teilnahmen. Besichtigt wurde ein Waldstück der Familie Grimm im Walpertskirchener Ortsteil Neufahrn.a

Der Grundsatz „Wald vor Wild“, den Förster Heinz Knörr anführte, kam in der Diskussion immer wieder zur Sprache. Waldbesitzer Robert Grimm betonte, man müsse ein Interesse daran haben, „dass der Wald bunt wird“ und verwies auf „zu hohe Rehwildbestände“. Seine Forderung: „Es muss mehr bejagt werden.“ Knörr bekräftigte: „Die Mischung ist ganz, ganz wichtig.“

Auch Fritz Gruber von der Arbeitsgemeinschaft der Jagdgenossenschaften und Eigenjagdbesitzer (ARGE Jagd) betonte: „Der Abschuss muss geregelt werden.“ Es gebe viele Jäger, die einen Jagdpächter gerne bei seiner Arbeit unterstützen würden. Die Pächter hätten dafür zu sorgen, „dass die Waldverjüngung aufkommt“. Gruber verwies in diesem Zusammenhang auf den geringen Waldanteil im Landkreis Erding von 14 Prozent.

Beim Ortstermin hielt die Gruppe vor einem von Grimm eingezäunten Bereich an. Auf diesem Areal sah man einen Mischwaldbestand. Die wesentlich kleineren, ungeschützten Fichten vor dem Zaun seien laut Grimm ungefähr genauso alt, würden aber aufgrund des Wildverbisses nicht hochkommen. In Handarbeit hatte Grimms Ehefrau Katharina Schafwolle um die zaunlosen Fichten gewickelt, weil der Geruch die Rehe eine gewisse Zeit abhalte. Laubbäume hätten außerhalb des Zauns überhaupt keine Chance, weiß Grimm.

Landrat Martin Bayerstorfer betonte, dass man mit Waldgutachten „verantwortungsvoll umgehen“ müsse und immer auch den Blick fürs Detail brauche. Wichtige Ansprechpartner seien heimische Jäger. Die Jägerschaft habe sich weitgehend an den Abschussplan gehalten, lobte der Landrat.

Jäger und Landwirt Hans Haslberger berichtete aus seiner Jagdpraxis: „Die Bejagung wird jedes Jahr schwieriger, weil die Rehe nur noch gestört werden.“ Sogar mitten in der Nacht sei ihm einmal im Wald ein Jogger mit Stirnlampe begegnet. Tag und Nacht seien Spaziergänger unterwegs und Hunde meist nicht angeleint. Corona habe die Waldbesuche noch verstärkt.

Auch Bayerstorfer sagte, neben den Landwirten, Waldbesitzern und Jägern gebe es eine dritte Kraft, die Anspruch auf den Wald erhebe: Die Freizeitgesellschaft, die sich auf das freie Betretungsrecht berufe und im Wald Erholung suche. Der Landrat unterstrich hier die unterschiedlichen Interessen. „Freizeitnutzung ist zulässig“, sagte Bayerstorfer, führte aber gleichzeitig die „Störung der Waldruhe“ als Kehrseite der Medaille an.

Robert Grimm hatte Verständnis für das Freizeitbedürfnis und nichts gegen Waldspaziergänge in einem angemessenen Rahmen. Allerdings zeichne sich für ihn eine Negativtendenz ab: „Den Respekt vor Eigentum haben viele verloren.“ Der Gemeinschaftsgedanke wurde beim Treffen als wichtiges Ziel angeführt, um mit allen beteiligten Interessenvertretungen einen zukunftsfähigen Mischwald zu schaffen und zu bewahren.

Auf eine Sorge der Eigentümer geht Michael Hamburger, Vize-Kreisobmann des Bayerischen Bauernverbands, in einer Pressemitteilung ein. „Viele Waldbesitzer finden es höchst beängstigend, dass neuerdings bayerische Jagdverbandsvertreter völlig grundlos behaupten, der Waldbesitz fordere die Ausrottung der Rehe, und das bewährte Verfahren der Verbiss-Aufnahme sei als Maßstab für die Abschussplanung völlig ungeeignet.“

Es werde seitens der Waldbesitzer befürchtet, „dass die in Bayern bewährten Regelungen gekippt werden, da die Jägerlobby im Landtag als übermächtig gilt“. Aktuell wird die Novelle des Bundesjagdgesetzes im Bundestag beraten.

Vroni Vogel

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