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Wie sieht die Finanzierung aus? Wer ist zuständig? Und was ist mit einem konkreten Konzept? Die Gemeinden Wörth und Walpertskirchen sehen bezüglich eines Pflegekrisendienstes großen Klärungsbedarf (Symbolbild).

Finanzierung? Zuständigkeit? Konkretes Konzept? 

Pflegekrisendienst für den Landkreis: Gemeinden sehen viele offene Fragen

Wie sieht die Finanzierung aus? Wer ist zuständig? Und was ist mit einem konkreten Konzept? Die Gemeinden Wörth und Walpertskirchen sehen bezüglich eines Pflegekrisendienstes großen Klärungsbedarf.

Wörth/Walpertskirchen– Zurückhaltend reagierten die Gemeinderäte von Wörth und Walpertskirchen in ihren Sitzungen am Montag beziehungsweise Donnerstags auf den erneuten Vorstoß von Landrat Martin Bayerstorfer (CSU), einen „Pflegekrisendienst“ einzuführen. Er soll vor allem alleinstehende Menschen nach einem stationären Krankenhausaufenthalt „kurzfristig und niederschwellig“ zuhause unterstützen, bis andere Hilfsangebote greifen.

Gemeinderäte sehen Notwendigkeit, aber auch Klärungsbedarf

In beiden Kommunen wurde die Frage nach der Finanzierung, der Zuständigkeit, nach Zahlenmaterial und einem konkreten Konzept gestellt und kritisch hinterfragt. Einerseits hat man durchaus die Notwendigkeit gesehen, Versorgungslücken zu schließen. Andererseits meldeten die Ratsmitglieder auch großen Klärungsbedarf an.

Das Projekt war bereits in zwei Bürgermeisterdienstbesprechungen vorgestellt worden. Im Kreisausschuss habe man sich laut Bayerstorfers Schreiben jetzt einstimmig dafür ausgesprochen, die Bürgermeister der Landkreiskommunen wegen einer Beteiligung zu kontaktieren. Die Ankündigung des Landrats, „dieses wichtige Projekt“ mit 40 000 Euro zu unterstützen, sah man mit Blick auf das große Versorgungsgebiet im Landkreis in beiden Gremien als „Tropfen auf den heißen Stein“, wie es Walpertskirchens Bürgermeister Franz Hörmann (CSU) formulierte. 

Finanzierung? „Das ist Sache der Sozialkassen“

Für ihn war es vorstellbar, seitens der Gemeinde den organisatorischen Aufbau zu unterstützen. Kritisch hinterfragt wurde indes, weshalb die Kommunen mitfinanzieren sollten. „Das ist Sache der Sozialkassen“, meinte zum Beispiel der Walpertskirchener Rat Balthasar Lex (FW). Die SPD-Rätin und Einsatzleiterin der Nachbarschaftshilfe Walpertskirchen, Beate Aust, berichtete, dass sie bei der zuständigen Stelle im Landratsamt nachgefragt habe. Auf die Frage, wer bei diesem Modell denn der Arbeitgeber sei, gebe es noch keine Antwort; auch nicht darauf, ob die Unterstützung auch dann greife, wenn man nicht aus dem Erdinger Klinikum, sondern aus einem anderen Krankenhaus entlassen werde. „Da ist einiges noch unausgegoren“, so Aust.

Beide Gemeinden plädieren für eine dezentrale Struktur

Auch im Wörther Gremium war man der Meinung, dass Alternativen zur Kostenbeteiligung gesucht werden müssten, da diese Aufgabe nicht primär bei den Gemeinden liege. Sowohl in Wörth wie auch in Walpertskirchen plädierte man für eine dezentrale Struktur. Hier fiel der Begriff der „Gemeindeschwester“, die mit gemeinnützigen Vereinen vor Ort wie den Nachbarschaftshilfen kooperiere – ein Modell, das nicht neu ist und seit längerem in der öffentlichen Diskussion steht. Eine zentrale Stelle wurde als nicht praktikabel angesehen. Man benötige keine Theoretiker, sagte die Walpertskirchener Rätin Rita Reichwein (SPD), zugleich Vorsitzende der örtlichen Nachbarschaftshilfe: „Was tatsächlich gebraucht wird, ist eine Krankenschwester.“ Da würde aber eine Stelle für den Landkreis nicht reichen. Reichwein verwies hinsichtlich des Konzepts auf das Palliativ Team, das zu diesem Thema bereits einen Vorschlag entwickelt habe, und auch auf die bestehende Klinikstruktur der Pflegeüberleitung.

Wörths Bürgermeister Thomas Gneißl (ÜPWG): „aus der Hüfte geschossen“

Der Walpertskirchener Gemeinderat Josef Renner (CSU) meinte, dass der Pflegekrisendienst nicht dazu da sein sollte, die Liegezeiten in der Klinik weiter zu verkürzen, und dass es eine gute Übergangsabstimmung brauche.

Wörths Bürgermeister Thomas Gneißl (ÜPWG) meinte, dass hier „aus der Hüfte geschossen“ worden sei. Der Wörther Gemeinderat Rudolf Riepl (SPD/Parteifreie), der am Klinikum Erding als Arzt tätig ist, erläuterte, dass sechs Tage Liegezeit in der Klinik im Schnitt oft nicht ausreichten und man eine Anschluss- stelle brauche, die Patienten übernehme, um sie in ein heimatnahes Umfeld zu entlassen und das Krankenhaus zu entlasten.

Beide Gemeinden bekundeten bei allen Vorbehalten in ihren Beschlüssen grundsätzliches Interesse an einer Unterstützung.

Vroni Vogel

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