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Eine bayerisch-ghanaische Liebesgeschichte

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Glückliche Familie: Kwabena und Eva Ofori mit ihren Kindern (v. l.) Samuel (zehn Jahre), Alicia (vier Monate) und Emily (sechs Jahre) daheim in Walpertskirchen.
Glückliche Familie: Kwabena und Eva Ofori mit ihren Kindern (v. l.) Samuel (zehn Jahre), Alicia (vier Monate) und Emily (sechs Jahre) daheim in Walpertskirchen. f © Peter Gebel

In der Flughafen-Discothek Nightflight kreuzten sich vor 16 Jahren die Wege von Kwabena Ofori und Eva Lex. Aus der Disco-Bekanntschaft entstand eine fünfköpfige Familie, die nun dauerhaft in Walpertskirchen gelandet ist.

Walpertskirchen Als ältester von sechs Geschwistern wuchs Kwabena Ofori in Kumasi im westafrikanischen Ghana auf. Im Alter von 13 Jahren kam er mit seiner Familie nach Penzberg (Kreis Weilheim-Schongau), besuchte dort die Schule und lernte schnell die deutsche Sprache. „Wir haben zuhause von Anfang an versucht, nur Deutsch zu sprechen. Auch gekocht wurden eher deutsche Gerichte wie Rindsrouladen“, erzählt Ofori.

Die Familie zog nach Lenggries, wo der junge Mann eine Ausbildung zum Lithografen im väterlichen Geschäft begann. Schnell wurde ihm dies zu langweilig und er entsann sich seiner Vorliebe für gutes Essen, die er mit seinem Opa teilte. „Wenn du Koch wirst, hast du immer was Gutes zu essen“, hatte ihm der Großvater geraten. Mit dem Beginn seiner Kochlehre in Lenggries hatte der junge Mann seine Berufung gefunden.

Als Koch ein gutes Gedächtnis

Eva Lex ist die mittlere von drei Schwestern und stammt aus Walpertskirchen. Nach der Schule entschied sie sich für den Beruf der Schauwerbegestalterin. Sie bildete sich im Visual Merchandising weiter, bei dem die optimale Präsentation und Raumgestaltung für den Verkauf im Mittelpunkt steht.

Während seiner Kochausbildung hatte Ofori vor 16 Jahren einen miesen Tag, an dem er seinem Küchenchef gar nichts recht machen konnte. Zur Aufmunterung überredete ihn ein Freund, doch zusammen in die bayernweit bekannte Diskothek Nightflight am Münchner Flughafen zu fahren. Dort traf er morgens um fünf Uhr auf die blonde Eva aus Walpertskirchen.

„Meine Telefonnummer habe ich ihm da noch nicht verraten“, gesteht die heute 34-Jährige. Doch eine Woche später traf man sich zufällig in der Disco wieder. Ofori fragte wieder nach der Nummer – und seine spätere Gattin ließ sie sich entlocken. „Die Burschen hatten kein Handy, da dachte ich, die vergessen die Nummer sowieso“, schmunzelt Eva Ofori noch heute. Doch da hatte sie sich verrechnet: „Als Koch habe ich ein gutes Gedächtnis, und wir haben uns bei der Heimfahrt die Telefonnummer häufig vorgesagt, um sie nicht zu vergessen.“

Die Gedächtnisübung hat funktioniert, und so trafen sich die beiden häufiger. Doch Ofori wollte in seinem Beruf mehr erreichen und absolvierte nach der Ausbildung verschiedene Stationen in renommierten Restaurants, so auch in der Schweiz. „Da mussten wir eine Fernbeziehung führen“, erzählt die Walpertskirchenerin.

Eine gemeinsame Wohnung in ihrem Heimatort bezogen die beiden erst, als Ofori beruflich in die Münchner Gastronomie wechselte. Dort kochte er erst im Lenbach, dann zog es ihn zu Sternekoch Alfons Schuhbeck. „Wir haben oft 90 Stunden in der Woche gearbeitet“, erinnert sich der aufstrebende Koch an die harte Zeit.

Als ihn seine Freundin eines Abends mit den Worten „Hallo Papa“ empfing, war die Zeit reif für einen Wechsel in das Gourmet-Restaurant Gandl mit familienfreundlicheren Arbeitszeiten. Sohn Samuel kam 2007 zur Welt – und der stolze Vater rückte seinem Traum immer näher. „Ich habe mir immer eine Familie, Kinder, ein Haus und ein eigenes Restaurant gewünscht“, sagt Ofori.

Das eigene Restaurant konnte er 2010 in Erding eröffnen. Das Aubergine am Schönen Turm in Erding wurde von Gästen und Kritikern von Anfang an gut angenommen und schon bald mit Lob überhäuft. Drei Jahre lang kochte Ofori auf Sterne-Niveau in der Herzogstadt und wurde dafür vom Restaurantführer Gusto mit fünf Pfannen belohnt. „Das war schon toll, wenn man dann selber in dem Führer unter den besten Restaurants steht“, freut sich der kreative Koch noch heute.

Der Traum vom eigenen Restaurant

Doch nach drei Jahren musste das Aubergine seine Pforten schließen. Für die junge Familie eine harte Zeit. Inzwischen war Tochter Emily geboren und für das Paar der Zeitpunkt gekommen, den Bund fürs Leben zu schließen. „Meine Eltern haben schon immer gefragt, wann wir denn endlich heiraten“, erzählt Ofori.

Bei Familie Lex war der gebürtige Ghanaer schon bestens bekannt. Eine Location für die Hochzeit war schnell gefunden, führt doch Evas Onkel in Walpertskirchen das bekannte Gasthaus Lex. Viel Arbeit hatte der gelernte Koch mit der Zubereitung des Hochzeitsbuffets. Gefeiert wurde dann mit Familie, vielen Freunden und Verwandten, ehemaligen Chefs, Kollegen und auch Stammgästen bis in die Morgenstunden.

Auch Emily (heute 6) und Samuel (10) waren dabei: „Ich habe sogar noch mein kleines Hochzeitskleid“, erzählt Emily strahlend. Mittlerweile hat sich die Familie mit Töchterchen Alicia (vier Monate) vergrößert.

Platz ist genug im Eigenheim, das die Familie vor drei Jahren mit viel Eigenleistung in Walpertskirchen gebaut hat. „Als der Verputzer wegen Krankheit plötzlich ausgefallen ist, hat er mir das Wichtigste erklärt, und ich habe mit angepackt“, erinnert sich der 39-jährige Ofori, der sich für keine Arbeit zu schade ist.

Seit zwei Jahren kocht er in Schweiger’s Landgasthof in Manhartsdorf, wo er seinen Dienst mittags antritt. „Wir genießen die knappe Zeit zusammen, frühstücken ausgiebig und gehen auch mal gemeinsam joggen“, erzählen die Oforis. Den Traum vom eigenen Lokal hat der Koch immer noch im Kopf, doch die passende Location hat er noch nicht gefunden. „Es soll nicht zu groß sein, denn ich will die Qualität halten und mich nicht verstellen“, sagt der dreifache Vater.

Zuhause schwingt eher Eva Ofori den Kochlöffel, doch ihr Mann erleichtert ihr die Arbeit mit vorgekochten Soßen. Besonders die spezielle Tomatensoße à la Ofori findet Anklang in der Familie, sodass der Küchenchef diese Soße schon bald in den Verkauf bringen möchte. „Oforis Tomatensoße ist super für Mamas mit wenig Zeit, weil sie damit schnell etwas Frisches für die Kinder kochen können, und dazu sehr verträglich“, sagt der kreative Koch.

Leibgericht Schnitzel

Gesprochen wird im Hause Ofori Deutsch und Bairisch, denn der 39-Jährige bekennt: „I bin a Bayer, der auch gerne bayerisch kocht und isst.“ Einzelne Worte in der Muttersprache ihres Vaters haben die Kinder schon gelernt, doch in Ghana kommt man bestens mit Englisch und Französisch durch. Was Ofori nicht kann: Afrikanisch kochen. Sein Leibgericht ist immer noch das Schnitzel.

Für ein harmonisches Zusammenleben ist für Ofori wichtig, sich gegenseitig zu respektieren. Dass seine Gattin seine Arbeitszeiten klaglos akzeptiert, findet er auch sehr hilfreich. Einig ist sich das Paar, dass „jeder dem Partner seine Freiheit lassen sollte“.

Eva Ofori genießt derzeit den Erziehungsurlaub und ist froh, dass sie mit ihren Lieben im heimatlichen Walpertskirchen wohnen kann. Auch ihr Mann ist im Lexschen Familienclan angekommen: „Hier fühle ich mich voll und ganz zuhause“, sagt er.

Gerda und Peter Gebel

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