Gemeinderat Walpertskirchen 

Frühwarnsysteme für Starkregen

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Mit einer Starkregengefahrenkarte können bestehende Risiken bei Bestandsbauten und künftigen Baugebieten erkannt werden. Das Projekt beschäftigte nun den Walpertskirchener Gemeinderat.

WalpertskirchenStraßen überflutet, Keller unter Wasser, Schlammmassen wälzen sich durch den Ort: Starkregenereignisse, wie sie im Sommer 2013 im Kreis Erding aufgetreten sind, werden immer häufiger. „Wir sind zwar bisher gut davon gekommen, aber das muss nicht für immer so bleiben“, sagte Bürgermeister Franz Hörmann (CSU) in der Sitzung des Walpertskirchener Gemeinderats. Daher wollte er wissen, ob es Maßnahmen gibt, um diesen Ereignissen vorzubeugen oder wenigstens deren Folgen abzumindern.

Zu dieser Frage hatte Hörmann den Experten Peter Helmprecht aus Erding eingeladen. Der Diplom-Ingenieur informierte das Gremium über Starkregenüberflutungsschutz in Kommunen. Während bei Dauerregen die Flüsse langsam ansteigen, über die Ufer treten und die angrenzenden Flächen überschwemmen, suche sich Starkregen den Weg in die Kanäle und sorge für Überstau. „Im Prinzip ist hier die Kommune zuständig, sie muss ihre Gewässer dritter Ordnung funktionstüchtig halten“, erklärte er. Inzwischen könnten durchaus auch Haftungsansprüche an Kommunen geltend gemacht werden, wenn dabei eine grobe Fahrlässigkeit nachgewiesen werde, warnte Helmprecht.

Detektoren und optische Signale

Während es für Hochwasser diverse Warndienste wie Katwarn gebe, sei so etwas für Flüsse und Bäche dritter Ordnung sowie Kanäle, Mulden und Senken noch nicht vorhanden. Hier wolle er den Gemeinden Hilfestellung durch Starkregengefahren- und -risikokarten geben. Sie zeigen an, wo größere Probleme auftreten können. Berücksichtigt werden dabei unter anderem Topografie, Kanalsystem und geologische Gegebenheiten im Untergrund. Auch eine Bestandsaufnahme vor Ort ist vorgesehen – einfließen sollen die Erfahrungen der Bürger.

„Durch die Gefahrenkarten hat die Gemeinde die Möglichkeit, Bebauungspläne zu überdenken und zu analysieren, wo Risikozonen auftauchen“, erklärte der Ingenieur. „Erkennen, Warnen, Schützen“ laute das Motto. Zwar könne dies nur sehr kurzfristig passieren, gab Helmprecht zu. Aber man könne noch reagieren, und auch für den Privatmann könne eine Stunde sehr viel bringen, um das Heim zumindest ein wenig zu schützen.

Daneben könne man auch Frühwarnsysteme installieren, „zum Beispiel Niederschlagsdetektoren an den Straßenlaternen, die miteinander vernetzt sind“, schlug der Experte vor. Oder bei Kläranlagen wären zusätzlich optische Signale denkbar.

Helmprecht erklärte, dass er jüngst in St. Wolfgang planerisch tätig geworden sei. Wie berichtet, gehört die Gemeinde zu den ersten Kommunen über den Landkreis hinaus, die sich zur Erstellung einer Starkregengefahrenkarte entschlossen hat.

Unter anderem sei es um die Kirchenstraße in Armstorf gegangen, die bei jüngsten Starkregen überflutet worden sei. „Doch solche Ereignisse kann man nicht mit punktuellen Maßnahmen erledigen, das muss man weitreichend betrachten“, sagte der Experte, dessen Ingenieurbüro zu einem Partnernetzwerk gehört, zu dem auch die Firma Spekter aus Herzogenaurach zählt. Sie habe in Bayern die ersten beiden Pilotprojekte in Sachen Starkregenmanagement betreut.

Derzeit würden solche Studien mit 40 ausgewählten Gemeinden in Zusammenarbeit mit dem Wasserwirtschaftsamt und dem Bayerischen Umweltministerium durchgeführt und mit 75 Prozent gefördert.

„Die Modellkarten zu erstellen, ist aufwändig, aber man hat damit ein hervorragendes Werkzeug an der Hand, mit dem man alle möglichen Situationen simulieren kann“, erklärte Helmprecht.

In einer der nächsten Sitzungen will die Gemeinde entscheiden, wie sie weiter verfährt. VG-Partner Wörth übrigens hat sich bereits entschlossen, sich als Pilotgemeinde zu bewerben.

Rubriklistenbild: © dpa

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