Schwerer Unfall in Gmund - Rettungshubschrauber im Anflug - Einsatz läuft

Schwerer Unfall in Gmund - Rettungshubschrauber im Anflug - Einsatz läuft
+
Harald Gilbers hat mit dem jüdischen Kommissar Richard Oppenheimer eine Erfolgsfigur geschaffen. Jetzt ist Teil vier der Reihe erschienen.

Interview mit Autor Harald Gilbers über seinen neuen Roman „Totenliste“

„Bei einigen Quellen ist Skepsis angebracht“

  • schließen

Autor Harald Gilbers setzt seine Erfolgsreihe um den jüdischen Kommissar Richard Oppenheimer fort. Wir sprachen mit ihm über Teil vier - „Totenliste.“

Walpertskirchen– Vor fünf Jahren hat Autor Harald Gilbers (49) eine Romanfigur geschaffen, die nicht nur im deutschsprachigen Raum zum Verkaufsschlager geworden ist. In rund ein halbes Dutzend Sprachen wurden die Kriminalgeschichten um den jüdischen Kommissar Richard Oppenheimer, der zur NS-Zeit ermittelt, bereits übersetzt. Jetzt ist nach „Germania“, „Odins Söhne“ und „Endzeit“ der vierte Teil der Reihe erschienen. Wir sprachen mit dem Autor, der vor wenigen Wochen von Walpertskirchen nach Ostfriesland gezogen ist, über „Totenliste“, die Recherche für einen historischen Roman und darüber, wie es mit Oppenheimer weitergeht.

-Herr Gilbers, „Totenliste“ ist der vierte Teil Ihrer Oppenheimer-Reihe. Worum geht’s?

Harald Gilbers:Totenliste spielt im Berlin des Jahres 1946. Oppenheimer ist noch längst nicht bei der Polizei im Einsatz, sondern arbeitet für den Suchdienst, der im Auftrag von karitativen Organisationen nach den Verschollenen des vergangenen Weltkriegs sucht. Er wird vom russischen Oberst Aksakow rekrutiert, um einen kommunistischen Funktionär vom Mordverdacht an einem Flüchtling reinzuwaschen. Oppenheimer spielt mit, denn er ist froh, seine kargen Rationen auf diese Weise aufzubessern. Nach einer Weile stellt sich jedoch heraus, dass der Fall in Wirklichkeit zu einer Mordserie gehört. Der Täter hat es auf Altnazis abgesehen. Fast zu spät erkennt Oppenheimer auch das persönliche Motiv.

-Wie hat die Recherche zu diesem fiktiven Roman mit historischem Hintergrund ausgeschaut?

Gilbers:Auf der privaten Ebene konzentrierte ich mich vor allem auf die Rekonstruktion des berüchtigten Hungerwinters von 1946/47. Man findet dazu zahlreiche Quellen. Bei einigen Schilderungen der alltäglichen Katastrophen ist allerdings eine gesunde Skepsis angebracht, weil sie den Eindruck erwecken, dass sie nachträglich ausgeschmückt wurden. Im politischen Bereich war das wohl drängendste Problem die Migrationskrise unmittelbar nach Kriegsende. Die osteuropäischen Staaten sollten nach dem Beschluss der Potsdamer Konferenz ethnisch homogenisiert werden. Das Resultat war eine bis dahin nie erlebte Massenwanderung. Die Recherchen zu diesem Themenkomplex waren überraschend umfangreich, weil es sich nicht auf die deutschstämmigen Ostflüchtlinge reduzieren lässt. Nach Deutschland verschleppte Zwangsarbeiter versuchten, zurück in ihre Heimatländer zu kommen. Die ersten Kriegsgefangenen kehrten zurück, während im Osten zahlreiche Juden vor dem sich ausbreitenden Antisemitismus ausgerechnet in Richtung Deutschland flohen, um von dort aus nach Palästina oder in andere Regionen zu gelangen. Doch niemand wollte die Exil-Juden haben, und so wurden sie für unbestimmte Zeit in Auffanglager einquartiert.

-Im dritten Teil „Endzeit“ stand die Charakterentwicklung Oppenheimers im Vordergrund. Geht’s jetzt wieder mehr um Kriminalfälle?

Gilbers: Im neuen Roman steht der Kriminalfall wieder stärker im Zentrum als bei den letzten beiden Vorgängern. Natürlich ist auch dies eingebettet in einen historischen Hintergrund, doch die tagesaktuellen Entwicklungen sind nicht ganz so dramatisch wie zu Kriegsende. Mittlerweile sind nach der Roten Armee auch die Westalliierten in Berlin eingetroffen, und vorerst herrscht zwischen den Lagern ein angespannter Status Quo. Aber auch in diesem Roman macht Oppenheimer eine persönliche Entwicklung durch. Er erkennt, dass er seiner Bestimmung nicht entkommen kann.

-Dürfen sich die Fans auf eine Fortsetzung der Reihe freuen?

Gilbers:Der fünfte Roman ist bereits unter Vertrag, für die nachfolgenden Oppenheimer-Romane stehen die Verhandlungen noch aus.

-Können Sie verraten, worum es in Teil fünf gehen wird?

Gilbers: Die Plotkonstruktion für den fünften Oppenheimer-Roman läuft gerade auf Hochtouren. Es ist 1947, und für nationalsozialistische Kriegsverbrecher wie zum Beispiel Josef Mengele gibt es jetzt die Möglichkeit, über die so genannten Rattenlinien nach Südamerika zu entkommen. Aber auch die US-Nachrichtendienste sind an den Diensten ehemaliger Nazis interessiert, denn die Konfrontation mit Stalins Sowjetunion lässt sich nicht mehr länger aufschieben. Gleichzeitig wurde die Berliner Polizei von zwielichtigen Ganoven und untergetauchten Altnazis infiltriert. Und der unbestechliche Oppenheimer eckt überall an.

-Wie könnte es danach mit ihm weitergehen?

Gilbers: Gerade 1948/49 war in Berlin eine stürmische Phase: Zuerst kam die Währungsreform in West und Ost, wenig später erfolgte dann die Blockade der Stadt durch die Sojwetunion, und auch die Berliner Polizei spaltete sich auf. Am Schluss stand sogar die Gründung zweier deutscher Staaten. Da die Krimihandlung natürlich nicht zu kurz kommen soll, spiele ich gerade mehrere Optionen durch, wie sich dies erzählen ließe.

-Wird es Oppenheimer & Co. irgendwann auch auf der Leinwand oder im TV zu sehen geben?

Gilbers:Wir befinden uns immer noch in der sprichwörtlichen „Development hell“. Mittlerweile kristallisiert sich heraus, dass es wohl auf eine TV-Mini-Serie hinausläuft, die auf dem ersten Roman basiert. Weitere Details sind mir selbst noch nicht bekannt.

„Totenliste“

ist erschienen bei Knaur TB und umfasst 512 Seiten. ISBN: 978-3-426-45040-6. Das Taschenbuch kostet 9,99 Euro.

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

„Für eine gute Geschichte ist man nie zu alt“
Am heutigen Vorlesetag finden landkreisweit Lesungen statt, unter anderem im Seniorenheim.
„Für eine gute Geschichte ist man nie zu alt“
Hundert Prozent für „Haddo“
Mitte der Neunziger Jahre fühlten sich die Reisener im Gemeinderat von Eitting zahlenmäßig unterrepräsentiert. Also stampften sie ihre eigene Ortsliste aus dem Boden. 24 …
Hundert Prozent für „Haddo“
Flughafen München: Pläne für Expresszug begraben - Politiker wütend
Eine Expressbahn zum Münchner Flughafen wird es vorerst nicht geben. Der Airport hat entsprechende Pläne nun begraben. Politiker machen ihrem Ärger Luft.
Flughafen München: Pläne für Expresszug begraben - Politiker wütend
Breitbandausbau erhitzt die Gemüter
Der angekündigte Breitbandausbau entfachte eine lautstarke Diskussion.
Breitbandausbau erhitzt die Gemüter

Kommentare