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Ein gut ausgebautes ÖPNV-Netz ist laut Alfred Schreiber (stehend) „finanzierbar, machbar, realistisch“. Der VCD-Kreisvorsitzende hielt auf Einladung der rot-grünen Liste Walpertskirchen im Gasthaus Lex einen Vortrag. 

„Mehr Busse!“: Themenabend der rot-grünen Liste Walpertskirchen

VCD-Fachmann setzt beim ÖPNV auf den Ausbau bestehender Buslinien

Klare Worte und eine rege Zuhörerdebatte: Bei der gut besuchten Veranstaltung zum öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV), zu der die rot-grüne Liste von Walpertskirchen ins Gasthaus Lex eingeladen hatte, war der Titel „Mehr Busse!“ Programm.

Walpertskirchen – Der Umstieg auf den ÖPNV funktioniere nur, wenn ein entsprechend gutes Angebot vorhanden sei, betonte Fachmann Alfred Schreiber in seinem Vortrag. Der Kreisvorsitzende des Verkehrsclubs Deutschland (VCD) skizzierte den Ausbau des ÖPNV als zentrale Notwendigkeit. Seinem Vortrag schloss sich eine lebhafte Diskussion an, die Grünen-Kreisrat Stephan Glaubitz koordinierte.

VCD-Mann Schreiber sieht im Landkreis Erding großen Nachholbedarf beim ÖPNV

Die Hälfte der Bevölkerung habe kein Auto. Ein schlechter ÖPNV sei ein „Hemmschuh für die Wirtschaft“, so Schreiber. Kinder, Jugendliche, ältere und gehandicapte Personen seien auf öffentliche Verkehrsmittel angewiesen. Auch hinsichtlich des Klimawandels handle es sich um „kein Luxusthema“, denn rückgängig sei diese Negativentwicklung nicht zu machen. „Es geht um Schadensbegrenzung“, so Schreiber.

Im Landkreis Erding sieht er großen Nachholbedarf beim ÖPNV. Hier seien finanzielle „Nullrunden“ gefahren worden – ein falscher Ansatz. Auch die Landkreis-Regelung, beim ÖPNV-Ausbau mehrere betroffene Gemeinden mit 30 Prozent an den Kosten zu beteiligen (Landkreis: 70 Prozent), gehöre abgeschafft. Denn so könne eine Kommune alle ausbremsen. Gerecht wäre, gerade hinsichtlich kleiner Gemeinden, wenn der Landkreis die Kosten übernehmen würde. Altbürgermeister Georg Heilmeier (CSU) wandte ein, dass auch bei einer anderen Finanzierung die Kommunen über die Kreisumlage beteiligt seien. Ideal wäre es, wenn sich die Linien selbst finanzieren würden, wünschte er sich.

“Lieber eine Linie funktionierende Linie als zwei schlechte“

Amtsinhaber Franz Hörmann (CSU) sah es als entscheidend an, beim Ausbau den Fokus auf bestehende Linien zu legen. „Da bin ich ganz bei Ihnen. Lieber eine funktionierende Linie als zwei schlechte“, erwiderte Schreiber und gab zu bedenken: „Das Teuerste ist ein schlechter ÖPNV.“ Das Angebot regle die Nachfrage. In den Landkreisen München, Fürstenfeldbruck und Ebersberg würde man verstärkt einen 20-Minuten-Takt einführen. Das System müsse wachsen und werde auch angenommen, wenn es praktikabel sei. Dazu gehöre, unter der Woche mindestens einen Ein-Stunden-Takt anzubieten. Auf Nachfrage unserer Zeitung, wie es denn bei bereits vergebenen Buskonzessionen aussehe, antwortete Schreiber: „Auch bei bestehenden Verträgen ist eine Erweiterung von Fahrten üblicherweise kein Problem.“

„Man sollte es unbedingt probieren“

Ein Zuhörer berichtete, dass er mit dem Bus von Erding nach Garching in die Arbeit gefahren sei – wesentlich „entspannter“ als mit dem Auto. Es gehe um eine „grundlegende Bewusstseinsänderung“, sagte er. Von anderer Seite wurde bezweifelt, ohne Auto auskommen zu können – oder zu wollen. Ein junger Zuhörer meinte pragmatisch, es gehe nicht um eine moralische Frage, bei der Autofahrer und ÖPNV-Nutzer gegeneinander ausgespielt würden, sondern darum, die nötige Infrastruktur zu schaffen.

Vize-Bürgermeister Christian Büchlmann (FW) verwies auf die hohen Kosten und fragte zweifelnd in die Runde: „Wird das Angebot genutzt, wenn es da ist?“ SPD-Gemeinderat Peter Kazmierczak konterte: „Man sollte es unbedingt probieren.“ Es gelte, über einen längeren Zeitraum „ordentlich“ für den ÖPNV zu zahlen, um den Ausbau in Gang zu setzen. Denn das derzeitige Angebot sei unzureichend. Man leiste es sich ja auch, selbst kleine Straßen zu teeren, argumentierte Kazmierczak.

In eine ähnliche Richtung ging Glaubitz’ Redebeitrag. Beim Geldausgeben sei vorausschauend zu überlegen, „was wir als Gesellschaft wollen“. Schreiber war sich mit Blick auf funktionierende ÖPNV-Modelle sicher: „Ein gut ausgebautes Netz ist finanzierbar, machbar, realistisch.“

Vroni Vogel

Die Bürgermeisterkandidaten aller Gemeinden aus dem Landkreis Erding, haben wir für Sie in unserem Überblicksartikel zu den Kommunalwahlen 2020 aufgelistet. Alle weiteren Hintergrundberichte finden sie auch auf unserer Themenseite zu den Kommunalwahlen 2020 im Landkreis Erding.

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