Das Training ist Spazierengehen: Der angehende Landwirtschaftsmeister Leonhard Huber (r.) betreut seine vier Rennochsen Franz, Seppi, Maxl und Moritz, unterstützt von seinem Vater, dem Walpertskirchener Metzgermeister Christian Huber (l.).
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Das Training ist Spazierengehen: Der angehende Landwirtschaftsmeister Leonhard Huber (r.) betreut seine vier Rennochsen Franz, Seppi, Maxl und Moritz, unterstützt von seinem Vater, dem Walpertskirchener Metzgermeister Christian Huber (l.).

Leonhard Huber und seine vier Rennochsen

Spazierengehen als Rennochsen-Training: „Wie ein Hund, der eine Tonne wiegt“

Leonhard Huber aus Walpertskirchen betreut vier Rennochsen, die maximal vier Rennen im Jahr laufen. „Das Training ist Spazierengehen – wie mit einem Hund Gassi gehen, bloß, dass der Hund eine Tonne wiegt“, sagt er. 

Walpertskirchen/Fleck– Zu Pfingsten erinnert man sich an den alten Brauch, mit einem schön geschmückten Ochsen durch den Ort zu ziehen. Im idyllischen Dörflein Fleck hinter Pemmering kann man den 25-jährigen Leonhard Huber aus Walpertskirchen wesentlich öfter mit einem seiner Ochsen spazierengehen sehen – auch das hat im weiteren Sinne mit Brauchtum zu tun. Der angehende Landwirtschaftsmeister trainiert dort seine Rennochsen.

Maxl, Franz, Moritz und Seppi heißen die Ochsen

Aus dem Anwesen in Fleck stammt seine Mutter Roswitha. Sohn Leonhard hat dort die Landwirtschaft als Nebenerwerbsbetrieb reaktiviert. Im Hauptberuf arbeitet Huber auf dem Lehr- und Versuchsgut der Ludwigs-Maximilians-Universität in Oberschleißheim, ist dort für den Rinderbereich und die Fütterung zuständig.

Der Walpertskirchener betreut in Fleck seine vier Ochsen Maxl, Franz, Moritz und Seppi, die einen Offenstall mit Stroh als Einstreu haben, jederzeit auf einer großen Weide grasen, im Schatten der Bäume liegen und auf der Wiese herumtollen können. Der gut viereinhalbjährige, milchkaffeebraune Franz ist sogar eine regionale Berühmtheit, weil er 2018 das Ochsenrennen in Walpertskirchen gewonnen hat, als der Schützenverein Freischütz und der Burschenverein ihr Vereinsdoppeljubiläum feierten (wir berichteten). Den etwas älteren Maxl kennt Huber von Geburt an. „Es macht große Freude, so ein Tier aufwachsen zu sehen“, erzählt er.

„Meine Ochsen haben schon das Doppelte an Leben bei mir verbracht“

In der Regel schlachte man Ochsen mit 24 oder 25 Monaten, berichtet Leonhard Huber, dessen Vater Christian Metzgermeister ist und in Walpertskirchen mit seiner Frau Roswitha einen Lebensmittelladen betreibt, zu dem eine hauseigene Schlachtung gehört. „Meine Ochsen haben schon das Doppelte an Leben bei mir verbracht“, sagt Leonhard Huber. Das gilt für Maxl und Franz. Der zweijährige Moritz und der einjährige Seppi sollen später auch Rennen laufen.

Und wie trainiert man Ochsen? „Das Training ist Spazierengehen – wie mit einem Hund Gassi gehen, bloß, dass der Hund eine Tonne wiegt“, sagt der Walpertskirchener schmunzelnd. Das Wichtigste sei, sich mit den Tieren zu beschäftigen, sie handzahm zu machen, sie langsam an Gewicht auf ihrem Rücken zu gewöhnen und sie dabei nicht zu überfordern. Man müsse sich mit viel Geduld auf jedes einzelne Tier einstellen.

Maximal vier Rennen im Jahr sollen die Ochsen laufen

„Der ganz der Große, das ist der Gemütlichste“, sagt Leonhard Huber. Maxl folge so gut, dass er keinen Nasenring habe. Die anderen drei Ochsen schon, aber nur als „Absicherung und Notbremse“, um die schweren Tiere jederzeit bändigen zu können. Beim Spaziergang werde ihnen ein großes Kaltblut-Halfter angelegt.

Maximal vier Rennen im Jahr sollen die Ochsen laufen, wobei die Corona-Krise diesen Plänen vorerst einen Strich durch die Rechnung gemacht hat. „Mir gehen dadurch ein paar tausend Euro ab“, bilanziert der Nebenerwerbslandwirt mit Blick auf die ausgefallenen Großveranstaltungen.

Doch Huber trainiert nicht nur seine Rennochsen, für die er bei einer Teilnahme Startgeld bekommt, sondern verkauft auch Heu. Viel bleibe bei diesen Tätigkeiten nicht hängen, aber die Arbeit mache ihm Spaß.

Strenge Auflagen und veterinärmedizinische Voruntersuchungen

Für die Rennen gebe es strenge Auflagen und veterinärmedizinische Voruntersuchungen, erzählt der 25-Jährige. Die Tiere müssten topfit sein, um an den Start gehen zu können, würden ausschließlich mit dem Belohnungsprinzip zum Laufen motiviert, bestens mit Futter und Wasser versorgt. Auch Pausen zwischen den einzelnen Starts würden gewissenhaft eingehalten.

Seine Ochsen seien eine „Herzensangelegenheit“, sagt Leonhard Huber. Sie hören auf ihn, wenn er sie ruft, lassen sich streicheln, betteln um begehrte Leckerlis – in diesem Fall altes Brot und Semmeln. Und wie lange dürfen die Ochsen leben? „Solange sie brav bleiben und Spaß am Rennen haben“, sagt Huber. Irgendwann werden allerdings auch sie den Weg des Fleisches gehen. Doch bis dahin sollen sie nach dem Willen ihres Besitzers ein schönes, freies und artgerechtes Leben haben.

Vroni Vogel

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