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Gespaltene Meinungen gibt es nach wie vor zur geplanten Ruftaxilinie im südlichen Landkreis.

Vor allem die Kosten sind ein Knackpunkt

Beim Ruftaxi gibt’s noch viel Klärungsbedarf

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Gespaltene Meinungen gibt es nach wie vor zur geplanten Ruftaxilinie im südlichen Landkreis.

Südlicher Landkreis – Wie berichtet, könnte die Linie die Gemeinde Buch an Erding anbinden und für Forstern, Pastetten, Walpertskirchen und Wörth ein zusätzliches Angebot schaffen. Mehrere Gemeinden hatten das Thema bereits auf der Agenda und teilweise ablehnend reagiert. Jetzt wurde nachberaten.

Mindestens eine Stunde vor Abfahrt muss man sich anmelden

Das Konzept wurde als zu wenig ausgereift, die Kosten als verhältnismäßig hoch kritisiert und die Praktikabilität bezweifelt – mit Verweis auf die Länge der Fahrzeiten und die Fahrgastanmeldung eine Stunde vor Abfahrt. Dem gegenüber steht der Wunsch nach Ausbau der bestehenden Busverbindungen mit Taktverdichtung. Dennoch ist in das Thema Bewegung gekommen.

Buch hat als hauptbetroffene Gemeinde ohne öffentliches Nahverkehrsnetz von Anfang an eine Kostenbeteiligung in Aussicht gestellt – unter der Bedingung, dass alle fünf Gemeinden mitzahlen. Man würde sich eine Kombination zweier Varianten wünschen: wochentags im 90-Minuten-Takt ab etwa 6.30 Uhr (erste Hinfahrt) bis gegen 21 Uhr (letzte Rückfahrt) sowie am Wochenende und an Feiertagen im Zwei-Stunden-Takt.

Pastetten hat nach zweiter Beratung zugestimmt - mit Kostendeckelung

In Pastetten wurde das Ruftaxi zunächst abgelehnt, in einer späteren Sitzung stimmte der Gemeinderat nach Aufklärung durch eine Landratsamtsvertreterin doch dafür – mit Kostendeckelung von 25 000 Euro.

In Wörth sieht man die Linie eher als Zusatzangebot fürs Wochenende

In Wörth sah man sich zunächst wegen fehlender Informationen außerstande, einen Beschluss zu fassen, und forderte ein schlüssiges Gesamtkonzept. Zudem wurde dem Landratsamt mitgeteilt, dass man eine Taktverdichtung der bestehenden Buslinie favorisiere. Das Ruftaxi wurde lediglich als Zusatzangebot fürs Wochenende gesehen. Jetzt kam das Thema erneut zur Sprache, wobei per einstimmigem Beschluss die grundsätzliche Haltung bekräftigt wurde, das Ruftaxi nur am Wochenende und für Randzeiten mit Abendfahrten bis 23.30 Uhr als sinnvoll zu erachten. Man wolle keine Konkurrenz zur Buslinie 445 aufbauen, sondern eine „maximale Taktverdichtung“ auch bei bestehenden Verträgen erreichen, forderte Bürgermeister Thomas Gneißl (ÜPWG). Monika Wenger (Grüne) unterstrich: „Nur wenn die Taktung besser ist, wird der ÖPNV genutzt.“

In der Diskussion wurde vollstes Verständnis für Buch geäußert. Es sei Pflicht des Landratsamts, die Kommune anzubinden, meinte Wolfgang Behn (SPD). Bedauert wurde, dass die fünf betroffenen Gemeinden nicht an einen Tisch geholt worden seien. Schließlich gelte es, deren Interessen „unter einen Hut zu bringen“, so Anton Erl (CSU). Immerhin gehe es auch um die Frage: „Was passiert, wenn sich die Gemeinden nicht über die Varianten einigen können?“

Für Jugendliche sei das Ruftaxi keine Lösung, wurde angeführt. Die Anmeldung mindestens eine Stunde vor Abfahrt sei eine zu große Schwelle und zu umständlich. Josef Stimmer (CSU) glaubte mit Blick auf die Fahrtzeiten grundsätzlich, dass bei kürzeren Strecken das Auto den Vorrang vor dem ÖPNV behalten werde.

Walpertskirchen würde eine Taktverdichtung der Buslinie 567 präferieren

Rudi Riepl (SPD/Parteifreie) sagte zum Ruftaxi: „Die Kosten schrecken mich ab.“ Da könne man auch Taxifahrten finanzieren – ein Argument, das in Walpertskirchen auch Sebastian Widl (CSU) anführte. Hier vertagte man den Beschluss. Es zeichnete sich aber ab, dass die Taktverdichtung der Buslinie 567 als Priorität gesehen wird. „Da wäre uns wesentlich mehr geholfen“, so Bürgermeister Franz Hörmann (CSU). Man wolle vor einem Beschluss Infos zum Vertragsablauf einholen und sich mit den Nachbargemeinden abstimmen. Das Ruftaxi wurde, wie in Wörth, eher als Zusatzangebot am Wochenende gesehen.

Forstern sieht‘s jetzt positiv, will aber alle Infos noch mal schriftlich

Auch in Forstern hat der Gemeinderat die Linie zunächst abgelehnt (wir berichteten). Kritisiert wurden auch hier unter anderem Kosten und Route. Dass es hierbei wohl zu Missverständnissen gekommen ist, wurde schon im November in der Sitzung des Kreis-Verkehrsausschusses vermutet. Katrin Neueder vom Landratsamt konnte jetzt zumindest einige Unsicherheiten ausräumen. Zum Beispiel, dass der Rufbus nicht bei jeder Fahrt sämtliche Haltestellen an- beziehungsweise die komplette Route abfährt: „Es wird nur der schnellste Linienweg bedient.“ Eine gute halbe Stunde dauere es von Forstern nach Erding.

Obwohl das Thema bereits ausführlich besprochen worden war, fühlten sich einige Räte „etwas überfahren“, wie es Peter Feckl (AWG) ausdrückte. Mehrfach wurde gewünscht, nochmals sämtliche Unterlagen – von der Route bis zur Kostenberechnung – zu bekommen. Das soll passieren, bevor in der nächsten Sitzung eine Entscheidung fällt. Grundsätzlich aber stehe man der Linie jetzt positiv gegenüber.

Welche Gemeinde zahlt wie viel?

Und auch danach besteht noch Klärungsbedarf, etwa über die Kostenaufteilung. Wie berichtet, übernimmt der Landkreis 70 Prozent, die Gemeinden teilen sich den Rest. Wie sie das machen, bleibt ihnen überlassen. Da wurde befürchtet, dass Forstern als Startgemeinde der Linie wohl mehr zahlen müssen werde als etwa Wörth, das näher an Erding liegt. Die Große Kreisstadt indes hat eine Beteiligung schon abgelehnt. Ebenso müsse man einen Konsens finden, welche Taktung – 60 oder 90 Minuten wochentags, Fahrten am Wochenende oder eine Kombination – für alle Gemeinden in Frage kommt.

Franz-Josef Obermaier (AWG) appellierte an die Gemeinderäte der betroffenen Kommunen: „Wir fordern seit Jahren eine bessere Anbindung, jetzt sollten wir diese Chance ergreifen.“ Und Bürgermeister Georg Els (AWG) meinte, es sei vielleicht nicht die optimalste Lösung, aber doch eine Möglichkeit, den ÖPNV zu stärken.

Vroni Vogel & Vroni Macht

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