Wie der Bebauungsplan später aussehen könnte, zeigt der Entwurf. In der rechten Bildhälfte zu sehen sind die möglichen Reihen- und Mehrfamilienhäuser der beiden Investoren-Flächen.
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Wie der Bebauungsplan später aussehen könnte, zeigt der Entwurf. In der rechten Bildhälfte zu sehen sind die möglichen Reihen- und Mehrfamilienhäuser der beiden Investoren-Flächen.

Auch ein Mehrgenerationenhaus ist eingeplant

Am Kleinfeld wird groß gebaut: 130 Wohnungen verschiedenster Art in Wartenberg

  • Markus Schwarzkugler
    vonMarkus Schwarzkugler
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Es ist das größte Wohnentwicklungsprojekt der Wartenberger Wahlperiode: der Bebauungsplan Kleinfeld West. Mit einem Grundsatzbeschluss hat der Marktrat nun erstmals Nägel mit Köpfen gemacht. Herausgekommen ist ein Potpourri verschiedenster Wohnraumnutzungen. Über 90 Minuten lang wurde im Gremium am Mittwoch auch emotional diskutiert.

Wartenberg - Was die Räte vor sich auf dem Tisch hatten, ist noch lange kein fertiger Bebauungsplan, sondern ein erster städtebaulicher Entwurf. Ihn stellte der Wartenberger Ortsplaner des Vertrauens, Franz Pezold, vor. Er berichtete, dass es schon 2017 erstmals einen Bebauungsplanentwurf für das insgesamt gut 30 000 Quadratmeter umfassende und an die Thenner Straße angrenzende Areal gegeben habe. Der Plan sei sogar schon öffentlich ausgelegen, die Idee jedoch wieder zurückgestellt worden.

Der damalige Bürgermeister Manfred Ranft (FWG) wollte die Planungen dem neu gewählten Gemeinderat überlassen. Wie sein Amtsnachfolger Christian Pröbst (CSU) berichtete, war Kleinfeld West zuletzt großes Thema der Klausurtagung der Markträte und zudem immer wieder Teil der Debatte in den freiwilligen Online-Sitzungen des Gremiums.

Pezold zufolge sind nun insgesamt 130 und damit 20 Wohnungen mehr angedacht als noch vor vier Jahren. Zwei große Parzellen für je rund 40 Wohnungen sollen an verschiedene Bauträger gehen. Sie sind 5200 und 4500 Quadratmeter groß. Dort ist eine Mischung aus Mehrfamilienhäusern (Geschosswohnungsbau) und Reihenhäusern mit Tiefgarage vorgesehen.

Giftpfeile und ein Grundsatzbeschluss

Es ist nicht so, dass SPD-Rat Michael Gruber die Ideen von Planer Franz Pezold für das Baugebiet Kleinfeld West nicht gefallen hätten. Nur hatte er sich die Vorlage gleich mehrerer Varianten gewünscht. Als Bürgermeister Christian Pröbst (CSU) die lange Debatte allmählich zu einem Ende bringen wollte, bedauerte Gruber dieses „Abwürgen“. „Das kommt mir alles viel zu kurz und zu schnell“, erklärte Gruber dazu, weshalb er einen Grundsatzbeschluss in der Sitzung noch nicht fällen wollte.

Bürgermeister Pröbst reagierte überrascht, das Thema sei doch neben der Klausurtagung des Rats auch in den dessen freiwilligen Online-Sitzungen (Pröbst: „Sie sind Teil meiner Politik“) intensiv besprochen worden. „Wer nicht teilnimmt, der kann das auch nicht wissen“, stichelte er in Richtung Gruber. Die Transparenz sei immer gegeben gewesen, der ursprüngliche Plan 2017 schon einmal öffentlich ausgelegt worden.

Er habe an allen Pflichtveranstaltungen seines Mandats teilgenommen, entgegnete Gruber, der sagte, er fühle sich der Öffentlichkeit verpflichtet. „Wir haben das Konzept doch miteinander entwickelt“, meinte CSU-Fraktionschef Franz Gerstner zu ihm. Und Michael Pröbst gab sich Richtung Gruber „entsetzt“, sprach von Populismus und ging noch weiter – womit er Michael Paulini (SPD) auf die Palme brachte. Den Genossen hinsichtlich der Online-Sitzungen „keinen Bock“ vorzuwerfen, „finde ich absolut frech“, wetterte Paulini. Er habe schon mehrmals gesagt, dass er montags schlicht keine Zeit dafür habe.

Pezolds Entwurf wurde letztlich bei drei Gegenstimmen gebilligt.

In Pezolds neuem Entwurf kommt entsprechend der Marktratswünsche nun eine dritte große Parzelle hinzu, und zwar für Mehrgenerationenwohnen. Auf 3700 Quadratmetern rechnet Pezold hier mit 25 bis 30 Wohnungen. Hinzu kommen 21 kleinere Parzellen für Einzel- und Doppelhaushälften (540 bis 590 Quadratmeter), die die Gemeinde im Einheimischenmodell vergeben will.

Bestandteil des neuen Entwurfs ist ein Kreisverkehr mit Mittelinsel an der Einmündung zur Thenner Straße. Sie dient nicht zuletzt zur Tempo-Drosselung – an der Thenner Straße wird bekanntlich schon mal aufs Gaspedal gedrückt. Als Alternative hatte Pezold lediglich eine Verschwenkung der Straße inklusive Mittelinsel vorgeschlagen. Letztlich fiel das Votum bei drei Gegenstimmen jedoch auf den Kreisverkehr.

Auch an Grünflächen und einen rund 1000 Quadratmeter großen Spiel- und Quartiersplatz ist gedacht. Die 21 kleinen Parzellen werden über eine Ringstraße erschlossen. Denkbar wäre sie laut Pezold als verkehrsberuhigte beziehungsweise Spielstraße, an der Schrittgeschwindigkeit gilt.

Zwei wichtige Neuerungen weist der aktuelle Entwurf im Vergleich zur Planung aus dem Jahr 2017 auf. Wie in der Grafik zu sehen ist, kommt ein Kreisverkehr an die Einmündung zur Thenner Straße, und ein Mehrgenerationenhaus ist jetzt vorgesehen.

„Ein Kreislauf wäre ideal“, meinte Pezold außerdem. Seine Idee: Ältere Menschen könnten, wenn ihnen ihr Haus zu groß werde, in eine Wohnung wechseln und ihr Haus vermieten. Für die kleinen Parzellen, die die Gemeinde veräußert, schlug der Planer vor, einen Passus in den Kaufvertrag zu integrieren, der den Bau einer Einliegerwohnung vorschreibt. So könnte man die Nachfrage-Situation entschärfen. „Es ist jetzt schon klar, dass wir zehnfach überzeichnet sein werden“, erklärte Pröbst.

Für die beiden großen Investoren-Flächen schlug Pezold eine Konzeptvergabe vor. Sprich: Die Markträte stellen einen möglichst konkreten Kriterienkatalog auf und vergeben nicht unbedingt an den am meisten Geld bietenden Bauträger, sondern an den mit den überzeugendsten Ideen. Unter anderem Josef Sedlmaier (CSU) hatte Bedenken, dass die Gemeinde mit dem Investor Probleme bekommen könnte, wenn sie ihren Kriterienkatalog im Vorfeld nicht sorgsam genug aufgestellt haben sollte. Bei fünf Gegenstimmen sprachen sich die Räte am Ende dennoch für die Konzeptvergabe aus.

Michael Gruber (SPD) meinte in Bezug auf die kleinen Parzellen, man sollte eventuell nur den Rohbauzustand herstellen, um den Bauherren Möglichkeiten zur Eigenleistung und damit Einsparung zu bieten. Dieses Thema werde aber zu einem späteren Zeitpunkt besprochen, stellte Pröbst klar.

Für Pezolds Planung gab es durch die Bank viel Lob. 3. Bürgermeister Bernd Scheumaier (CSU) sprach von einem „klugen Entwurf. Ich denke, dass die Bezahlbarkeit hier sicher gegeben ist“, meinte er in Anspielung auf Sedlmaiers Appell, dass die Bezahlbarkeit oberste Priorität haben müsse – „damit die Leute in Wartenberg bleiben können“. Nina Hieronymus (CSU) sagte: „Das Mehrgenerationenhaus ist wirklich wichtig. Damit gehen wir in Wartenberg als gutes Beispiel voran und bringen die Menschen zusammen.“

Dominik Rutz (Grüne) sprach von einem „durchdachten Konzept mit viel Hirnschmalz“ und lobte Pezolds flächensparenden Ansatz. Nichtsdestotrotz befinde sich das neue Baugebiet auf der grünen Wiese. Rutz plädierte dafür, die Marke von einem Prozent Bevölkerungswachstum im Auge zu behalten. „Wir müssen schauen, dass wir die Ressourcen für Kindergarten etcetera nicht überstrapazieren“, pflichtete ihm Pröbst bei und betonte dahingehend, dass die Vergabe der Grundstücke über die gesamte Legislaturperiode angelegt werden sollte – also etappenweise, nicht alles auf einmal. Gegenüber den Investoren müsse man dann standhaft bleiben. „Ich glaube, das kriegen wir hin“, so Pröbst.

Wie er im Gespräch mit unserer Zeitung vergangenen November sagte, denkt er an ein Nahwärmenetz westlich der Strogen. Auch Kleinfeld West könnte daran angeschlossen werden. In der aktuellen Frühphase der Planung kam dieses Thema am Mittwoch noch nicht zur Sprache. Mit einer öffentlichen Auslegung des Plans rechnet Pezold im Sommer.

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