Der PoC-Schnelltest: Apotheker Philipp Nötel nimmt bei Dr. Heinz Görblich (Bild r.) mit einem langen Wattestäbchen ein Abstrich im vorderen Nasenbereich.
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Der PoC-Schnelltest: Apotheker Philipp Nötel nimmt bei Dr. Heinz Görblich (Bild r.) mit einem langen Wattestäbchen ein Abstrich im vorderen Nasenbereich.

Öffnungszeiten bereits verdoppelt – Ein bis zwei positive Corona-Fälle pro Tag

Ansturm aufs Wartenberger Testzentrum

  • vonOlaf Heid
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Seit vier Wochen wird in Wartenberg fleißig und schnell aufs Coronavirus getestet. Das Testzentrum an der Thenner Straße 5 hat sich bewährt. „Wir sind voll ausgelastet. Die Nachfrage ist da“, erklärt Apotheker Philipp Nötel, einer der Organisatoren des Zentrums.

Wartenberg - Man könne gar nicht alle Terminwünsche der Bürger erfüllen und habe bereits auf den Ansturm reagiert: „Wir haben die Termin-Kapazitäten verdoppelt und können jetzt alle zweieinhalb Minuten jemanden dran nehmen.“

Auch die Öffnungszeiten wurden – aufgrund der starken Nachfrage – bereits zum zweiten Mal erweitert, um mehr Menschen ein Testangebot zu ermöglichen. Nun kann an drei Tagen die Woche sogar vor- und nachmittags getestet werden. Waren es beim Start im März an vier Tagen neun Stunden, sind es inzwischen bereits 19 Stunden an sechs Tagen.

In der Marktgemeinde haben sich die Weltrich’sche Apotheke (Inhaberin Stephanie Weltrich-Streit) und die Nikolai-Apotheke (Nötel) zusammengetan und dieses Zentrum – mit Hilfe der Kommune, die die Räumlichkeiten zur Verfügung stellt – aufgebaut. Das Testangebot ist kostenfrei für alle, die ihren überwiegenden Aufenthalt in Deutschland haben oder Deutsche sind. Pro Woche kann sich jeder einmal kostenfrei testen lassen.

Die Auswertung erfolgt anschließend. Im Bild ist Lilly Heitmann bei der Arbeit. Binnen 30 Minuten nach dem Abstrich bekommen die getesteten Bürger ihr Ergebnis.

Die Resonanz sei generell positiv, sagt Nötel. „Die Leute sind dankbar, dass sie sich vor Ort testen lassen können und nicht nach Erding, Landshut oder Moosburg fahren müssen.“ Dass nicht alles „eitel Sonnenschein ist, ist auch klar“, so der Inhaber der Nikolai Apotheke. „Wir können nicht jeden Wunsch erfüllen, versuchen aber alle Fragen zu beantworten und Vorgänge zu erklären.“ Weltrich-Streit ergänzt: „Wir versuchen zu sensibilisieren.“ Die Menschen sollten sich mit der besonderen Situation vertraut machen, um planen und rechtzeitig Termine ausmachen zu können.

„Vergangene Woche ist zudem alles neu, alles anders gewesen“, betont Weltrich-Streit und verweist – nach Inkraftreten der Bundes-Notbremse – auf die Notwendigkeit eines PoC-Tests („Point of Care“) vor dem Besuch der Fußpflege oder des Friseursalons. Nötel: „Etwa 50 Prozent der Gespräche drehen sich derzeit darum: Ich habe einen Friseurtermin.“ Das Thema Haare schneiden mit Testpflicht sorge für viele Unsicherheiten bei den Bürgern. „Aber auch da versuchen wir erklärend zu helfen.“

Auch deswegen sei die Nachfrage derzeit sehr hoch. Weltricht-Streit empfiehlt eine rechtzeitige Anmeldung. Am liebsten, und darauf weisen beide Apotheker explizit hin, soll der Termin über die Internetseite (www.testzentrum-wartenberg.de) gebucht werden. „Alles Digitale erleichtert uns die Arbeit“, bittet Nötel, vor allem diese Möglichkeit zu nutzen. „Wir machen das ja alles neben der Arbeit. Unsere Hauptaufgabe ist es ja weiterhin, die Versorgung mit Arzneimitteln zu gewährleisten.“

Natürlich gibt es auch Einwohner, die über kein Smartphone oder Internet verfügen, oft ältere Mitmenschen: „Für diese stehen wir telefonisch als Apotheke zur Verfügung“, so die Organisatoren. „Wir verstehen deren Verunsicherung und versuchen übers Telefon zu helfen.“ Manche werden vom Gesundheitsamt geschickt, wenn beispielsweise die Quarantäne zu Ende geht, um einen Kontrolltest zu erhalten. „Das gilt aber auch für Jugendliche, die wieder in die Schule oder zurück an ihren Ausbildungsplatz möchten“, betont die Apothekerin. „Auch da versuchen wir zu helfen und bemühen uns nach Kräften, alle unterzubringen – und das mit Ausnutzung aller Kapazitäten.“

Selbst eine barrierefreie oder rollstuhlgerechte Durchführung der Testabnahme ist möglich. „Da kann sich jeder gerne bei uns melden, am besten telefonisch schon im Vorfeld“, bittet die Inhaberin der Weltrich’schen Apotheke. „Dann führen wir den Test gerne an gesonderter Stelle durch.“

Sechs Tage die Woche steht das Testzentrum zur Verfügung, nur samstags hat es geschlossen. Den Großteil des Personals stellen die beiden Wartenberger Apotheken, die sich dabei mit den Dienstzeiten in den gemeindlichen Räumen, die die Johanniter, die DLRG und die Flüchtlingshilfe für gewöhnlich nutzen, abwechseln. Sonntag bis Dienstag ist das Team der Nikolai-Apotheke vor Ort und Mittwoch bis Freitag das der Weltrich’schen Apotheke – mit je drei Mitarbeitern. „Wir sind immer eine halbe Stunde vorher da, um uns vorzubereiten. Alle Mitarbeiter werden davor selber getestet. Niemand wird von uns ungetestet in den Räumlichkeiten stehen“, so der Apotheker.

Für die Besucher herrscht FFP2-Maskenpflicht ab einem Alter von 15 Jahren (zwischen 6 und 14 Jahren reicht eine Alltagsmaske). Vor dem Eingang gibt es keine große Menschenansammlung, „es funktioniert, alle sind sehr diszipliniert und halten die Abstände ein“, lobt Nötel. In der Regel gebe es keine langen Wartezeiten, „wenn sich jeder an seinen Termin hält“.

Am Eingang muss man sich anmelden. Das Personal steht parat, um die Daten abzugleichen, ob zum Beispiel die E-Mail-Adresse für die Übermittlung des Testergebnisses stimmt. Es wird „symptomlos“ getestet. Nur wer ohne Krankheitssymptome wie Atemnot, Husten oder Fieber erscheint, kommt auch dran. Ansonsten wird man an die Screeningstellen des Landkreises nach Erding oder Dorfen verwiesen.

Beim PoC-Schnelltest selbst wird mit einem langen Wattestäbchen ein Abstrich im vorderen Nasenbereich genommen und anschließend ausgewertet. Ist ein Abstrich in der Nase nicht möglich, wird ein tiefer Rachenabstrich genommen. Die Mitarbeiterinnen führen das unter Vollschutz durch. „Es sind alle geschult. Den Abstrich nimmt nur zertifiziertes Apothekenpersonal vor“, so Nötel. Und nach dem Abstrich? „Die meisten Getesteten gehen nach Hause, manche warten vor Ort auf das Ergebnis“, sagt Nötel. In diesem Fall würden sie sich am Ausgang in einem Wartebereich aufhalten, bis sie die zertifizierte Bescheinigung an einem Fenster ausgehändigt bekommen. Binnen 30 Minuten liegt diese vor.

Der Antigen-Schnelltest „ist immer eine Momentaufnahme“, erklärt Nötel. 100-prozentige Sicherheit gebe es keine. Der überwiegende Großteil der Getesteten sei bislang negativ gewesen, erläutert Nötel. Nur bei zwei bis drei Prozent fiel das Ergebnis positiv aus. Dies wären bei 60 bis 80 Tests pro Tag also ein oder zwei Betroffene. Sie werden zur nächsten Screening-stelle geschickt. Das positive Ergebnis wird zudem dem Gesundheitsamt gemeldet.

Die beiden Wartenberger Apotheken erledigen den Dienst an der Bevölkerung gerne. Und sie werden dafür auch auf nette Art belohnt: „Manche bringen Schokolade mit, andere haben einfach ein Lächeln im Gesicht“, freuen sich Weltrich-Streit, Nötel und ihre Mitarbeiter über solche Aufmerksamkeiten. „Es gibt uns allen das Gefühl, dass wir unseren Beitrag dazu leisten, gemeinsam durch die Pandemie zu kommen.“

Die neuen Öffnungszeiten

Montag: 8 -10 Uhr, Dienstag: 8 - 10 und 17 - 19 Uhr, Mittwoch: 8 - 10 Uhr und 17 - 18.30 Uhr, Donnerstag: 8 - 10 Uhr und 17 - 18.30 Uhr, Freitag: 15 - 18 Uhr und Sonntag: 16 - 19 Uhr.

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