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Wartenberg: Bildung für Mamis

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Integrationskurse wie hier an einer Volkshochschule sollen Kindern und Müttern aus Nigeria in Wartenberg künftig das Ankommen erleichtern und Möglichkeiten aufzeigen.
Integrationskurse wie hier an einer Volkshochschule sollen Kindern und Müttern aus Nigeria in Wartenberg künftig das Ankommen erleichtern und Möglichkeiten aufzeigen. © Symbolfoto: Waltraud Grubitzsch/dpa

Erstmals im Landkreis Erding wird es in Wartenberg ein besonderes Bildungsprogramm für Familien mit Zuwanderungsgeschichte geben: Das Pilotprojekt „Griffbereit“. Nach zweijähriger Vorbereitungszeit fällt der Startschuss, sobald es die Corona-Pandemie erlaubt.

VON BERND HEINZINGER

Wartenberg – In Deutschland gab es durch solche Projekte vor allem in Nordrhein-Westfalen große Erfolge bei Familien, deren Kinder sich im ersten bis zum dritten Lebensjahr befinden. Dabei geht es einerseits um die Förderung der deutschen Sprache. So sollen zumeist die Mütter lernen, wie sie ihre Kinder beiläufig in Kommunikations- und Sprachspiele verwickeln können.

In Wartenberg beobachtete die zweite Bürgermeisterin Carla Marx, gleichzeitig auch Vorsitzende der Flüchtlingshilfe Wartenberg, dass einige Kinder mit Zuwanderungsgeschichte die Mitarbeiter der Kindergärten und Schulen vor große Herausforderungen stellen – nicht nur wegen der Verständigungsprobleme: „Sie haben keinen richtigen Zugang zum Bildungssystem und die Mütter können bei der Integration nicht helfen.“

Daher informierte sie sich über das ursprünglich aus den Niederlanden stammende Programm. In Wartenberg will man damit zunächst vor allem nigerianische Mütter mit kleinen Kindern ansprechen. Marx: „Bei ihnen haben wir die meisten Problemfälle, außerdem ziehen sie sich häufig zurück, wenn Syrer oder Afghanen dazukommen.“

Viele der Mütter seien Alleinerziehende ohne Bleibestatus, lediglich mit Duldung. Trotzdem befänden sich einige schon rund vier Jahre in Deutschland, ohne je einen Sprachkurs belegt zu haben. Carla Marx: „Die deutsche Sprache ist dabei aber nur ein Teil des Projekts. Wir wollen den Müttern auch unser Sozial- und Bildungssystem näherbringen und ihnen zeigen, was man unter Erziehung in Deutschland versteht.“ In der Heimat gebe es so etwas wie gemeinsames Spielen mit den Kindern kaum: „Dort kümmern sich vor allem die älteren Geschwister um die Kleinen“, betont Marx.

Carla Marx
Carla Marx © privat

Wissen über Bildung, Erziehung und Gesundheit sind wichtige Bausteine des Pilotprojekts „Griffbereit“. Man wolle den Familien dazu auch die verschiedenen Hilfsangebote wie das Jugendamt näherbringen, aber auch Zugang etwa zu den Sportvereinen erleichtern.

In Wartenberg kann die Initiatorin auf ein kompetentes Team zurückgreifen. Als Gruppenleiterin konnte man Stella Pinto-Lechner gewinnen, die bereits jahrelange Erfahrung aus Mutter-Kind-Gruppen besitzt und für ihren Einsatz bei „Griffbereit“ Fortbildungen besuchte. Unterstützt wird sie von Elisabeth Schrögmeier vom Familienstützpunkt Wartenberg, außerdem begleitet die Sozialpädagogin Claudia Maeß vom Landratsamt das Ganze.

Man wisse im Augenblick nicht genau, um wie viele nigerianische Familien es sich in Wartenberg handele, so Marx: „Wir können ja nicht wie gewohnt in die Unterkünfte, und vom Landratsamt gibt es nur spärliche Informationen.“ Sie schätzt, dass es knapp zehn Mütter mit Kindern im Alter von ein bis drei Jahren seien. Diese wurden bereits informiert.

Angelika Maier vom Helferkreis half bei der Übermittlung: „Sie hat einen guten Draht zu vielen der Mütter,“ betont Carla Marx. Ob alle dann auch zu den Stunden kommen, das könne man natürlich nicht wissen, sagt die Initiatorin: „Aber auch wenn wir nur mit zwei Müttern anfangen, dann ist es schon ein Erfolg. Hauptsache ist, dass sie sich wohlfühlen und wir helfen können.“ Die Treffen sollen zweimal die Woche stattfinden, wahrscheinlich im katholischen Pfarrsaal oder in Räumlichkeiten der Kindergärten.

Das Pilotprojekt ist in Wartenberg zunächst auf ein Jahr ausgelegt, eine Verlängerung im Erfolgsfall ist nicht ausgeschlossen. Die Personalkosten wären gering, sagt Carla Marx: „Landrat Martin Bayerstorfer hat uns bereits finanzielle Unterstützung zugesichert und wenn noch ein paar Spenden dazukommen, können wir das Ganze sicher stemmen.“

Bei Erfolg soll das Projekt auch auf Familien aus anderen Nationen ausgedehnt werden. Marx: „Zunächst sollen aber die Mütter aus Nigeria gefestigt werden, das Ganze muss sich erst einmal einpendeln.“ Langfristig will man „Griffbereit“ zudem auf andere Gemeinden im Landkreis transportieren, in Taufkirchen gebe es eine größere Anzahl an Familien, die dafür in Frage komme.

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