Wollte er die positiv Getesteten geheim halten?

Corona-Fälle totgeschwiegen? Chef von Metallbau-Firma droht Mitarbeitern - „Wer mir den Verräter liefert...“

  • Markus Schwarzkugler
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Eine Firma aus Wartenberg steht im Fokus schwerer Vorwürfe. Der Geschäftsführer gibt zu, Mitarbeitern, die sich auf Corona testen lassen wollten, gedroht zu haben.

Wartenberg – Schwere Vorwürfe erhebt eine Angestellte gegen die Geschäftsführung der Firma Metallbau Pröbst in Wartenberg. Diese wolle positive Corona-Fälle „totschweigen“. Zudem drohe das Unternehmen den Mitarbeitern mit Konsequenzen, sollten sie sich freiwillig testen lassen. Die Mitarbeiterin (Name der Redaktion bekannt), die im Landkreis Erding lebt, will Anzeige erstatten wegen Nötigung. Der Geschäftsführer bestreitet die Vorwürfe – vollumfänglich allerdings letztlich nicht mehr. „Hinsichtlich der haltlosen Anschuldigungen werden rechtliche Schritte geprüft“, erklärt seine Anwältin.

Die Firma läuft zwar noch unter dem Namen Pröbst, hat mit Bürgermeister Christian Pröbst jedoch nichts mehr zu tun. Wie mehrfach berichtet, hat er sie nach seiner Wahl zum Gemeindechef verkauft. Das Unternehmen läuft nun unter dem Dach der Stegerer GmbH Metallbau aus Regenstauf im Kreis Regensburg.

Corona: Wartenberger Firmenchef bedrohte testwillige Mitarbeiter - Angestellte packt aus

Die Schlosserin berichtet von vier positiven Corona-Fällen seit Dienstag, 16. Februar – alle von der gleichen Baustelle, auf der sie selbst nicht arbeitet. Von der Firma seien die weiteren Mitarbeiter – in Wartenberg seien es insgesamt rund 30 – nicht über die Fälle informiert worden. „Wir wollten uns freiwillig testen lassen. Doch dann hieß es: ,Wer sich testen lassen will, kriegt Ärger.´‘“ Von den Fällen hätten sie und ihre Kollegen erst von einer der infizierten Personen erfahren, beteuert die Mitarbeiterin. Sie habe den Geschäftsführer sogar gefragt, ob es Corona in der Firma gebe, er habe sich jedoch um eine Antwort gewunden. Seit zwei Wochen geht die Frau nicht mehr zur Arbeit. Sie sei in Probezeit und wolle für ein solches Unternehmen ohnehin nicht mehr arbeiten. „Die sollen mich rausschmeißen, das ist mir wurst.“

Corona: Keine Tests, keine Masken, kein Abstand - heftige Vorwürfe gegen Wartenberger Metallbaufirma

Die Schlosserin berichtet außerdem, dass mit bis zu sechs Personen in einem Siebensitzer auf Baustellen gefahren werde – und das ohne Maske. Unsere Zeitung hat ein Anruf eines weiteren Mitarbeiters erreicht, der den Vorwürfen seiner Kollegin vollumfänglich beipflichtet.

Andrea Wolf vom Gesundheitsamt Erding bestätigt die positiven Corona-Fälle, es gebe sogar fünf. Diese seien in Isolation geschickt worden. Am Dienstag fand eine Begehung des Unternehmens statt, bei der die anwesenden Mitarbeiter getestet wurden. Die Ergebnisse erwartete das Amt frühestens im Laufe des gestrigen Donnerstags. Die Schlosserin hat sich bereits vergangene Woche testen lassen – sie ist negativ.

Corona-Fälle bei Metallbaufirma: Chef drohte testwilligen Mitarbeitern mit „Ärger“

Der Geschäftsführer hat mit unserer Zeitung über seine Anwältin kommuniziert. Sie teilt mit, „dass sich das Unternehmen und die Geschäftsführung an alle Vorschriften (Gesetze, Verordnungen) zur Eindämmung des Coronavirus hält, insbesondere Abstand, Hygiene usw., und die Vorgaben des örtlich zuständigen Gesundheitsamtes umsetzt“. Es treffe nicht zu, dass über positiv Getestete nicht informiert werde. „Dies wäre im Übrigen auch die Aufgabe des Gesundheitsamtes, für Kontaktpersonen eines positiv Getesteten Quarantäne anzuordnen“, findet die Anwältin. Das Hygienekonzept der Firma sei bei der Begehung nicht beanstandet worden.

Sie widerspricht auch den Vorwürfen, es würden im Auto keine Masken getragen, und dass Testwilligen Ärger angedroht worden sei. „Die Mitarbeiter wurden lediglich über die Vorgaben des Gesundheitsamtes informiert, wann man sich testen lassen soll; im Krankheitsfalle oder bei Kontakt zu einem positiv Getesteten als Kontaktperson 1, nicht aber vollkommen grundlos“, so die Anwältin. Diese Auffassung vertrete auch das Gesundheitsamt Regensburg. „Nachdem es durchaus falsch-positive Tests gibt, würde dies zu unnötigen Quarantänemaßnahmen und folglich Problemen in den Arbeitsabläufen führen, die möglichst zu vermeiden sind“, teilt sie mit.

Überraschend erreichte die Redaktion des Erdinger Anzeigers, der in dieser Woche bereits seit einer Woche recherchierte, am Mittwoch (3. März) ein Anruf des Geschäftsführers, in dem er zugab, den Mitarbeitern Ärger angedroht zu haben – und zwar, „wenn man sich freiwillig, kontakt- und symptomfrei, testen lässt“. Sich dann testen zu lassen, würden auch die Gesundheitsämter in Regensburg und Erding nicht für sinnvoll erachten.

Corona-Tests bei Wartenberger Metallbaufirma: Unternehmen wohl kein Einzelfall

Das klingt aus der Erdinger Behörde allerdings anders: „Das Gesundheitsamt Erding hat keine Information herausgegeben, wonach freiwillige, anlasslose Tests zu vermeiden seien. Nach der Bayerischen Teststrategie steht es jedem Bürger frei, sich anlasslos testen zu lassen“, teilt Abteilungsleiterin Wolf mit. „Dieser Anspruch wird natürlich durch das Gesundheitsamt auch nicht eingeschränkt. Welche Informationen hier das Landratsamt Regensburg gibt, entzieht sich unserer Kenntnis.“ Das Erdinger Amt betont jedenfalls, es rate „niemandem ab, sich testen zu lassen, zumal wir auch rechtlich nicht in der Position sind, den Anspruch auf eine freiwillige Testung einzuschränken“.

Gibt es vergleichbare Vorgänge im Landkreis? „Vereinzelt gab es Fälle, in denen die Unternehmen oder Einrichtungen die benötigten Informationen erst zögerlich an das Gesundheitsamt weitergeleitet haben“, berichtet die Behörde. In allen Fällen seien die Betriebe schließlich aber kooperativ gewesen.

Die Mitarbeiterin hat in ihrer Familie Angehörige der Risikogruppe, einer davon ist schwer herzkrank. „Wir haben eine Verantwortung unseren Mitmenschen gegenüber“, sagt die Frau, die deswegen an die Öffentlichkeit geht. „Man kriegt die Pandemie nicht in den Griff, wenn man so etwas stillschweigend akzeptiert“, ist sie überzeugt.

Ihren Namen hätte der Geschäftsführer übrigens gerne in den vergangenen Tagen in Erfahrung gebracht. Dem Erdinger Anzeiger liegt ein Screenshot aus einem Chatverlauf der Firma vor. Darin schreibt der Chef: „Wer mir den Verräter liefert, bekommt von mir 1000 Euro Cash.“

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Rubriklistenbild: © Screenshot: Privat

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