Digitales lernen

Wlan in allen Klassenzimmern

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Künftig könnten Tablet-Computer Schulbücher ablösen. Dafür müssen die Schulen mit drahtlosen Internet ausgestattet werden. Der Landkreis startet damit 2018.

Erding– Wlan in allen Klasenzimmern – dieses Ziel verfolgt der Landkreis Erding für die Schulen in seiner Trägerschaft. Los geht es am Korbinian-Aigner-Gymnasium (KAG), dem Gymnasium Dorfen sowie an der Fach- und Berufsoberschule. Die geschätzte halbe Million Euro für diese drei Schulen soll im Haushalt 2018 eingeplant werden. Bei den Gesamtkosten geht die Kreisverwaltung von 1,65 Millionen Euro aus. Dafür hat der Ausschuss für Bildung und Kultur nun Grünes Licht gegeben.

In den Kosten seien Hardware wie die Wlan-Zugangspunkte und deren Verkabelung enthalten, erklärte Landratsmitarbeiter Harald Wirth – Tablet-Computer allerdings nicht. Das heißt, in der Regel müssen die Kinder eigene Tablets benutzen. Das sei pädagogisch sogar gewünscht, erläuterte Sebastian Pfanzelt, Systembetreuer am KAG, den Kreisräten. „Wir wollen die Kinder dazu erziehen, dass sie ihre Geräte auch zuhause sinnvoll nutzen können“, sagte der Lehrer.

„Es gibt immer noch einen wissenschaftlichen Diskurs über die Strahlenbelastung“, erklärte Christina Treffler (ÖDP). Sie stimmte am Ende als einzige dagegen. Voraussetzung für die Wlan-Installation ist – neben einem Antrag und einem Medienkonzept der Schule – ohnehin die einstimmige Zustimmung des Schulforums.

Zu Elektrosmog habe er bisher noch keine Bedenken gehört, erklärte Pfanzelt. Er leitet die neue Pilotklasse am KAG, eine Fünfte. Er habe die Eltern erst bei einem Infoabend mit dem Plan konfrontiert. „Das Feedback war umwerfend“, sagte er. Niemand habe auch das von ihm ausdrücklich gemachte Angebot genutzt, später per E-Mail Kritik anzubringen.

„Es darf nicht sein, dass Kinder abgehängt werden“, mahnte Thomas Schreder (CSU) hinsichtlich der Anschaffungskosten für Tablets. Auch da habe es keine Klagen gegeben, berichtete Pfanzelt. „Aber wir könnten hier mit dem Förderverein helfen.“ Es reiche absolut ein Tablet für 200 Euro, die Hälfte könne der Förderverein übernehmen. „Wir haben auch explizit gesagt: Wir wollen keine iPads für 800 Euro sehen“, erzählte der Lehrer. Erstens dürfe kein Markendruck entstehen. Zweitens „kann so was auch mal runterfallen“.

Über kurz oder lang könne man mit dieser Technologie auf Bücher verzichten, meinte Landrat Martin Bayerstorfer (CSU). Tablets könnten zum „Hauptlerninstrument“ werden. „Das wäre eine echte Erleichterung“, sagte er über schwere Schulranzen.

Pfanzelt bestätigte diese Zukunftsvision. „Wir haben dann keine physischen Bücher mehr, sondern digitale Bücher.“ Die Technik biete Vorteile. Zum Beispiel können Schüler bei einer Englisch-Vokabel eine Audio-Datei abspielen, auf der die richtige Aussprache zu hören ist. Mit einem Vokabel-Trainer oder einem Mathe-Übungsprogramm könnten die Schüler auch im Unterricht mehr üben – und dann im Bedarfsfall den Lehrer um Rat fragen. Die Wissensaneignung könne dagegen teilweise daheim stattfinden.

Er sei beim Kultusministerium auch Berater für die Digitale Schule 2020 und in dieser Funktion im ganzen Freistaat unterwegs, erzählte Pfanzelt. „Ganz wenige Landkreise in Bayern sind mit Whiteboards so gut ausgestattet wie Erding“, berichtete er. Bei diesen Tafeln gehe es um „digitales Lehren“. „Der nächste Schritt“, so Pfanzelt, „ist jetzt digitales Lernen“.

Timo Aichele

Rubriklistenbild: © Jens Kalaene

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