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Der Bagger ist da: Das Erdinger Unternehmen Linner ist mit den Abrissarbeiten beauftragt.
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Sternekoch: Jean-Luc Garnier und seine Frau Traudl führten den Bründlhof 1985 bis 2008.
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Die letzten Tage vor dem Abriss: die Bar im ersten Stock des Gebäudes.

Bründlhof wird nun abgerissen

Ein Stück Wartenberger Geschichte verschwindet

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Ein geschichtsträchtiges Gebäude verschwindet von der Wartenberger Bildfläche: Seit gestern wird der Bründlhof abgerissen. Er muss bekanntlich Platz machen für zwei neue Personalwohngebäude der Klinik.

VON MARKUS SCHWARZKUGLER

Wartenberg Ein bisserl Wehmut schwingt mit – Klinik-Sprecherin Irene Hilf macht keinen Hehl daraus. „Man macht’s sicher nicht leichten Herzens“, sagt sie. Aber da in dem Haus schon länger kein Gastronom mehr tätig gewesen ist und zudem Platz für Personalwohnungen benötigt wurde, sei der Schritt sinnvoll gewesen.

Den Abriss nimmt der Erdinger Fuhr- und Baggerbetrieb von Rudolf Linner vor. „Mit einem großen Bagger“, sagt er, wird der Bründlhof nun dem Erdboden gleich gemacht. In den vergangenen Tagen ist das Haus ausgeräumt worden, unter anderem hat sich der Skiclub Auerbach für seine Hütte das Deckengemälde in der Bar im ersten Stock gesichert (wir berichteten). Linner rechnet damit, dass die Arbeiten bis kommenden Dienstag oder Mittwoch abgeschlossen sein werden.

Dann wird eine Institution gänzlich aus Wartenberg verschwunden sein. Nach Auskunft der Klinik handelt es sich bei dem Gebäude ursprünglich um eine Ziegelei, die Mitte des 19. Jahrhunderts erbaut wurde. Das gesamte Bründlhof-Areal wurde 1905 von Anton Selmair gekauft. Er ist der Großvater von Prof. Dr. Hans Selmair, der das Haus früher ärztlich und geschäftlich geleitet hat und noch Vorstandsmitglied in der Klinik-Stiftung ist.

Anton Selmair kaufte das Areal 1905

Anton Selmair sicherte sich damals das Areal, um gemeinsam mit zwei weiteren Höfen die Versorgung des von ihm geplanten großen Kurzentrums sicherzustellen. Anfangs wurde das Gebäude als Quarantäne-Station, eine sogenannte „Dependance“, für die Klinik genutzt. Diese war damals eine Lungenheilstätte. Mit seinem plötzlichen Tod 1916 waren Anton Selmairs Planungen allerdings dahin. Sein Sohn Dr. Hans Selmair betrieb dann ab 1922 eine chirurgische Praxis. Während des Zweiten Weltkriegs wurden dort auch Verwundete nach Bombenangriffen versorgt, weil die Krankenhäuser in München völlig überlastet waren.

Nach dem Krieg wurde der Bründlhof zu dem, für das er bei vielen Wartenbergern bis heute in Erinnerung geblieben ist: zu einem Restaurant. Bekannteste Betreiber waren der französische Koch Jean-Luc Garnier und dessen Frau Traudel, die ihre Gäste von 1985 bis 2008 im Bründlhof verwöhnten. Von 1998 bis 2006 und 2008 wurde das Lokal jährlich mit einem Michelin-Stern ausgezeichnet. Ab 1995 durfte der Koch auch drei Gault-Millau-Hauben im Bründlhof-Wappen führen.

Doch nach Weihnachten 2008 war Schluss in Wartenberg. Aus freien Stücken: Das Paar verabschiedete sich nach Roanne, die Stadt, in der Jean-Luc Garnier seine Kindheit verbracht hatte.

Gastronomische Enttäuschungen

Er sollte große Fußstapfen hinterlassen. Zu große. Nach dem Weggang wurde der Bründlhof ab November 2010 an die Restaurantkette „Sakrisch Guat“ verpachtet. Mehrere verschiedene Restaurantchefs wirtschafteten zwei Jahre lang, ohne die Gäste überzeugen zu können.

„Danach übernahm ein Wiener mit serbischen Wurzeln“, blickt Klinik-Sprecherin Hilf zurück. Dieser habe sich jedoch als unzuverlässig erwiesen. „Zudem hatte er finanzielle Probleme und wurde überdies wegen Betrugs polizeilich gesucht. Danach, ab Ende 2014, wurde nicht mehr aktiv nach einem neuen Pächter gesucht.“

Nun sollen auf dem Gelände zwei Apartmenthäuser errichtet werden, um bei der Personalsuche für den 48 Patientenzimmer umfassenden Erweiterungsbau Wohnungen in Kliniknähe anbieten zu können. Der Bau soll in diesem Sommer beginnen und im Sommer 2020 fertig sein – zusammen mit der rund 20 Millionen Euro teuren Erweiterung der Klinik.

Übrigens: Schon beim ursprünglichen Kauf des Gebäudes 1905 war Prof. Dr. Selmair zufolge der Abriss des Gebäudes geplant. Warum es dann über ein Jahrhundert lang doch nicht dazu kam, ist aber nicht bekannt.

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