Martin Pröbst ist im Alter von 74 Jahren verstorben.
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Martin Pröbst ist im Alter von 74 Jahren verstorben.

Er baute trotz vieler Skeptiker seine eigene Firma auf – Corona war sein letzter Kampf

„Er hat alle eines Besseren belehrt“: Trauer um den Wartenberger Martin Pröbst

  • Markus Schwarzkugler
    vonMarkus Schwarzkugler
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Als Schweißer und Schlosser braucht es Kraft, man muss zupacken. Das konnte Martin Pröbst. Ohne Durchsetzungsvermögen hätte er sich sicher nicht seine eigene Firma aufbauen können. Und er hätte vor 14 Jahren auch nicht den Kampf gegen den Krebs gewonnen. Doch nun ist auch ihm die Kraft ausgegangen. Der nicht nur in Wartenberg bekannte Familienvater und Großvater ist im Alter von 74 Jahren dem Coronavirus erlegen.

Wartenberg - „Er war schon ein Hundling“, erzählt sein Sohn Christian Pröbst. Nicht nur beim Fußball, sagt er, sondern auch beim Stammtisch. „Er hat immer über die Politiker geschimpft“, erinnert sich der Wartenberger Bürgermeister schmunzelnd. Auch sein Bruder Michael sitzt bekanntlich seit knapp einem Jahr für die CSU im Marktgemeinderat. Mit seiner Meinung hielt Martin Pröbst nie hinter dem Berg, dafür war er bekannt – auch wenn die eigenen Söhne eben selbst in der Politik aktiv sind.

Martin Pröbst, der selbst nicht in die Politik gegangen ist, wurde im Mai 1946 als ältester von vier Brüdern in Wartenberg geboren. Nach der Volksschule absolvierte er eine Mechanikerlehre in Velden. „Das hat er immer erzählt, dass er da bei Wind und Wetter mit dem Radl am Montag hin- und am Freitag wieder zurückgefahren ist“, erinnert sich Michael Pröbst.

Bei der Firma Gutbrod arbeitete Martin Pröbst als Betriebsschlosser, bis er 1967 für eineinhalb Jahre zum Bund musste – eine Zeit, die ihm gefiel. Danach ging es für ihn als Schweißer und Werksachverständiger zur Firma ABP. Für Pröbst war das nicht genug: Er machte seinen Meister und Schweißfachmann in Straubing.

1972 heiratete Pröbst seine Hildegard, das Ehepaar wohnte zunächst in Kronwinkl. Sein größtes Glück waren die beiden Söhne Christian (geboren 1976) und Michael (1979). Ihr Papa wechselte als Werkstattmeister zur Firma Nau in Pfrombach. „Das hat ihm richtig Spaß gemacht dort. Bis zum Schluss hatte er zu vielen Kollegen von damals Kontakt“, erzählen die Söhne. 1981 machte sich Pröbst mit seiner Schlosserei selbstständig – damals noch in Kronwinkl. „Des schaffst du ned“, das habe er immer wieder gehört, erzählte Martin Pröbst oft. „Er hat sie allen eines Besseren belehrt“, so seine beiden Söhne.

1983 ging es für die Familie schließlich zurück nach Wartenberg, mit Haus und Werkstatt an der Strogenstraße. Schnell war er aus dem gesellschaftlichen Leben in Wartenberg nicht mehr wegzudenken. Egal, ob beim TSV, der Narhalla, beim Förderverein der Fußballer, beim Skiclub oder der Feuerwehr. Er unterstützte die Vereine, wo es nur möglich war.

Martin Pröbst war besonders stolz darauf, dass seine beiden Söhne das Interesse fürs Handwerk von ihm geerbt hatten. Beide lernten in der eigenen Firma, 2011 übergab er den Betrieb an Sohn Christian. Dieser verkaufte die Firma Metallbau Pröbst bekanntlich vergangenes Jahr nach seiner Wahl zum Bürgermeister.

2007 erhielt Martin Pröbst die niederschmetternde Diagnose Darmkrebs. „Als alter Kämpfer hat er sich gedacht: ,Du kriagst mi ned kloa!´ Ein Jahr später war er wieder gesund“, erinnert sich Sohn Michael. Sogar mit dem Rauchen habe sein Vater aufgehört. Seine Söhne berichten gerne aus der Zeit, als es bei ihnen mit dem Ausgehen losging. Wenn sie danach noch mit Spezln in der Küche beisammen hockten, sei ihr Vater um 3 Uhr in der Nacht aufgestanden und habe sich zum Ratschen dazugesetzt – „das war einfach schön“.

Stolz war Martin Pröbst auch auf seine vier Enkelkinder Maxi, Bene, Johanna und Rebecca, und er mochte auch seine Schwiegertöchter Nina und Eva sehr gerne. Für seine Familie war er immer da.

Im Ruhestand radelte Martin Pröbst fast täglich 60 Kilometer, er genoss auch das Reisen. Ihm und seiner Hildegard hatten es die Kreuzfahrten angetan. Und er liebte Obstbäume und Bienen.

Doch Corona hat nun gnadenlos zugeschlagen. In der Familie gab es mehrere positive Fälle, darunter bekanntlich auch Sohn Christian. Für alle sollte es gut ausgehen – nur nicht für Martin Pröbst. Von Anfang an sah es schlecht aus für ihn, doch er kämpfte sich nochmal zurück, machte seinen Angehörigen Hoffnung. Am Ende war das Virus – die britische Mutante – jedoch stärker.

Wenn das Wetter mal nicht mitspielte, ließ Martin Pröbst das Radeln übrigens nicht sein. Er schwang sich einfach auf den Heimtrainer – und schaute dabei James Bond oder Bud Spencer. Auch zwei so Kämpferpersönlichkeiten. Das passte gut zu ihm.

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