Stilecht in Tracht: Rupert Egger aus Wartenberg.
+
Stilecht in Tracht: Rupert Egger aus Wartenberg.

Er hat für den VTV einen Meilenstein gesetzt und war 30 Jahre meinungsstarker SPD-Marktrat

Er holte die Volkstracht nach Wartenberg: Trauer um Rupert Egger

  • Markus Schwarzkugler
    vonMarkus Schwarzkugler
    schließen

Er hat für die Volkstrachtler einen Meilenstein gesetzt und war zudem 30 Jahre meinungsstarker SPD-Marktrat. In Wartenberg herrscht nun Trauer um Rupert Egger.

Wartenberg – Als Postbote war Rupert Egger in Wartenberg allein beruflich bedingt schon bestens bekannt. Doch vor allem als meinungsstarker SPD-Genosse im Marktrat sowie als Mitglied in diversen Vereinen bleibt das Wartenberger Urgestein in Erinnerung. So ist Egger beispielsweise dafür verantwortlich, dass die Volkstrachtler die Tracht anhaben, die sie heute tragen. Nun herrscht Trauer in der Marktgemeinde, denn der Träger der Bürgermedaille ist im Alter von 89 Jahren verstorben.

Über 20 Jahre lang war Egger Vorsitzender des Volkstrachtenvereins (VTV). Dieser war im Zweiten Weltkrieg und danach in der Versenkung verschwunden, doch unter seiner Führung ging es ab 1961 steil bergauf. Historisch für den Verein war das Isargaufest 1963, das 7000 Zuschauer nach Wartenberg lockte. Aber vor allem im Hinblick auf die Kleidung setzte Egger einen Meilenstein. „Es wurde von der Gebirgstracht auf unsere bodenständige Volkstracht umgestellt. Jetzt sind wir der einzige Verein in Bayern, der Ringelstiefel trägt. Seitdem wurde auch das Schuhplatteln eingestellt, es wurde nun nämlich getanzt“, erinnerte sich Eggers Nachfolger als Vorsitzender, Leo Melerowitz sen., vor ein paar Jahren anlässlich des 90. Geburtstags des VTV. Eggers maßgebliche Entscheidung „war auch richtig so, denn die Volkstracht gehört hierher und die Gebirgstracht ins Gebirge“, sagte damals der heutige VTV-Chef Sepp Korber.

Unter Egger war der Verein auch überregional immer gefragter, seit 1970 ist er alle zwei Jahre beim Oktoberfestzug dabei. 1972 tanzten Vereinsmitglieder bei der Schlusfeier der Olympischen Spiele in München.

Für die SPD war der „Rupp“ von 1966 bis 1996 im Marktgemeinderat. „Er hat sich nie unterbuttern lassen, war ein aufrechter Sozialdemokrat“, erzählt sein Parteikollege August Groh. Und Michael Paulini, der noch zusammen mit dem Verstorbenen im Gremium die SPD vertrat, sagt: „Er war ein harter Fechter für die kleinen Leute.“ Egger hatte für diese immer ein Ohr, dabei war ihm sein Beruf als Postbote freilich behilflich.

Jetzt seid’s weg vom Fenster!

Legendärer Spruch Eggers in Richtung CSU nach deren Wahlniederlage 1984 (in Bezug auf die neue Sitzordnung im Marktrat)

„Er hat deutliche Worte für den politischen Gegner gefunden, danach ist man trotzdem zum Bier trinken gegangen – wenn auch vielleicht nicht mit allen“, erzählt Paulini schmunzelnd. Lachen muss er, als er sich an einen flotten Spruch Eggers aus dem Jahr 1984 erinnert. Damals hatte die CSU nach einem unerbittlichen Wahlkampf den Bürgermeisterposten eingebüßt, die Freien Wähler und die SPD saßen nun anstelle der CSU-Räte zur Linken des neuen Bürgermeisters Gustav Weltrich – und damit an der Fensterseite des Sitzungsraums in der heutigen Grundschule. „Jetzt seid’s weg vom Fenster!“, spöttelte Egger in Richtung der Schwarzen.

„Er hat Parteipolitik aber nie in seine Vereine getragen“, betont Groh. Egger war nicht nur Trachtler, sondern auch Imker. Die Liebe zu den Bienen hatte er von seinem Vater geerbt. Wissenswertes zu den Insekten erhielten die Kindergartenkinder, wenn sie Egger besuchten. Aber auch jungen Imkern, die mit ihrem Hobby gerade angefangen hatten, half der Wartenberger gerne. „Es war ihm ein Anliegen, dass die Natur erhalten wird“, erzählt seine Tochter Elisabeth Voringer.

Ihr Vater war auch Bergsteiger, mit 50 bestieg er zum Beispiel den Kilimandscharo, das höchste Bergmassiv Afrikas. Auch beim Skiclub war er dabei, und er sammelte Münzen und Briefmarken. „Als Postbote war er da ganz nah dran“, sagt Voringer.

Egger war zuletzt gesundheitlich eingeschränkt, seine letzten Monate verbrachte er im Seniorenzentrum. „Es war ein Segen, dass es das in Wartenberg gibt“, erzählt seine Tochter. Denn so musste der Vater seinen geliebten Heimatort nicht verlassen, und im Seniorenheim kannte er zudem einige Mitbewohner und Personal.

Wenige Tage vor seinem 90. Geburtstag ist Egger nun verstorben. Er hinterlässt unter anderem seine Frau Franziska, Tochter Elisabeth, die Enkel Peter und Rupert sowie die Urenkel Erik und Benny. Den runden Geburtstag am Montag will die Familie trotzdem feiern, sagt Eggers Tochter.

Auch interessant

Kommentare