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Einen Orthopäden dürfte es bald in Wartenberg geben.

Erster Schritt zum Medizinischen Versorgungszentrum?

Ein Orthopäde für Wartenberg

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Die medizinische Versorgung im Markt Wartenberg hat Luft nach oben, vor allem die Hausärzte sind überlastet. In der Vergangenheit hat es bei der Suche nach Ärzten Rückschläge gegeben, schon länger herrscht aber der Wunsch nach einem Medizinischen Versorgungszentrum (MVZ) vor. Jetzt gibt es Licht am Ende des Tunnels: Ein Orthopäde will sich in Wartenberg niederlassen. Trotz dieser an sich positiven Nachricht gab es am Mittwoch im Marktrat auch kritische Stimmen.

Wartenberg – 3. Bürgermeister Christian Pröbst (CSU) berichtete, dass ein Orthopäde, der namentlich nicht genannt werden wolle, eine Filiale in Wartenberg genehmigt bekommen habe und diese zügig eröffnen wolle. „Um die medizinische Versorgung im Markt zu fördern, sollten wir schnellstmöglich in Vorleistung gehen und die vor zwei Jahren geplante Containerlösung zur Verfügung stellen“, betonte Pröbst.

Zum Hintergrund: Vor zwei Jahren war der Marktrat an zwei neuen Ärzten dran gewesen, über eine Beratungsfirma sollte ein MVZ gegründet werden. Am Ende dauerte alles ein bisserl zu lange, Namen sickerten durch, die Ärzte sprangen wieder ab, weshalb auch die Containerlösung bis heute nicht umgesetzt worden ist.

Wie Pröbst berichtete, hat der Orthopäde im Moment noch keine eigenen Räume. „Er würde circa die Hälfte des Platzes benötigen, und wir hätten noch Platz für weitere Ärzte, denen wir mit einem moderaten Mietpreis einen Start bei uns ermöglichen könnten. Wir könnten dann aktiv Ärzte ansprechen“, sagte Pröbst und verwies auf einen Artikel im Erdinger/Dorfener Anzeiger über kürzlich zugesagte 12,5 neue Stellen für Kassenärzte im Landkreis.

Landrat Martin Bayerstorfer habe ihm bestätigt, „dass der Landkreis auch gerne bei uns mit im Boot wäre und eine Portalpraxis in unseren Räumlichkeiten einrichten würde“, berichtete der 3. Bürgermeister. Wenn genügend Ärzte dann im Boot seien, könne ein MVZ gegründet werden, „oder man lässt es als Ärztehaus laufen“. Das müsse man je nach Resonanz abwarten. Pröbsts Vorschlag: Der Markt solle sich das Projekt zwei Jahre lang anschauen und dann über weitere Schritte beraten.

Im Markt herrscht vor allem in Sachen Hausarzt Handlungsbedarf. Neben der Praxis Schober am Marktplatz gibt es noch den Sonnenhof mit mehreren Allgemeinärzten. Eine große Lücke gerissen hat der Tod von Hausarzt Theodor Pösl. Es herrscht Handlungsbedarf.

Carla Marx (Neue Mitte) bezweifelte allerdings, dass ein Orthopäde Sinn macht. Ein solcher habe sich in der Klinik nicht lange gehalten. Zur Klinik sei es ein weiter Fußweg, gab Pröbst zu bedenken.

Zudem störte sich Marx daran, dass der Arzt zunächst mit eineinhalb bis zweieinhalb Tagen die Woche loslegen will. „Das ist für den Anfang zu wenig“, meinte sie. Gerade bei einem Orthopäden müsse vieles „im Fluss bleiben“, sagte Marx und fing sich damit einen Konter von Pröbst ein. Die eineinhalb Wochentage seien ja nur für die Anfangszeit gedacht, der Arzt könne sich zunächst nicht alleine ohne Patienten die ganze Woche „reinsitzen“. Das Ziel des Orthopäden sei, möglichst schnell die ganze Woche vor Ort zu sein. Auch Josef Sedlmaier (CSU) gefiel Marx’ Kritik nicht. Ziel sei, mit dem Orthopäden einen Anfang zu machen, dann über eine Portalpraxis einen Hausarzt und auch einen Kinderarzt zu bekommen.

„Wir können in Vorleistung gehen, werden aber über Jahre aus der Gemeindekasse zahlen“, so Michael Grubers (SPD) Bedenken. Und das, während die anderen Ärzte – ohne eine solche Unterstützung vom Markt – der Konkurrenz ausgesetzt seien. Der Marktrat könne jetzt schon diverse Punkte auf seiner Prioritätenliste nicht realisieren, also sollte er das nicht auch noch anpacken. Grubers Vorschlag: Mit dem Landkreis müsse gesprochen werden, inwieweit ein MVZ gestaltet werden kann, und zwar nicht nur mit zwei, sondern gleich vier oder fünf Ärzten.

Markus Straßberger sah es „diametral anders“ als Gruber. „Wenn sich’s trägt, dann wird das einer machen. Wenn nicht, wird’s nie einer machen. Meiner Meinung nach sollte man jetzt die Möglichkeit festhalten“ – anders als eben vor zwei Jahren.

Heike Kronseder (FW) sagte, sie habe Bauchgrummeln beim Gedanken an eine Filiale. So könnten Gelder in die Hauptpraxis des Arztes fließen. Ihre Bedenken seien unbegründet, betonte Pröbst, er musste aber auf die nichtöffentliche Sitzung verweisen.

„Das ist die große Chance, einen Arzt herzukriegen. Sämtliche Praxen sind komplett überlastet. Und wir diskutieren hier. Mir fehlen fast die Worte“, sagte Franz Gerstner (CSU), was Gruber nicht gefiel. Es brauche eben vernünftige Überlegungen für ein gescheites MVZ. Der Landkreis könne Räume anmieten und sei ein verlässlicher Partner. Man dürfe keinen Schnellschuss machen. „Das ist ein seit einem halben Jahr lange vorbereiteter Tagesordnungspunkt und ein hochsensibles Thema, bei dem keiner seinen Namen hören will“, entgegnete Pröbst.

Letztlich stimmte der Marktrat dafür, sein Arztprojekt weiter zu verfolgen – und zwar „zeitnah“, wie Gerstner ergänzt hatte.

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