Durchtrennten das Band (v. l.): Anton Dworzak (Ingenieurbüro Schelzke), Constanze Roselt (Bauleiterin, Büro Brandl+Eltschig), Altbürgermeister Manfred Ranft, Bürgermeister Christian Pröbst, Vizelandrat Franz Hofstetter, Tobias Knauer (Wadle Bauunternehmung, Generalübernehmerin), Christian Eltschig (Geschäftsführer Brandl+Eltschig) und Stefan Homilius (Wasserwirtschaftsamt München).
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Durchtrennten das Band (v. l.): Anton Dworzak (Ingenieurbüro Schelzke), Constanze Roselt (Bauleiterin, Büro Brandl+Eltschig), Altbürgermeister Manfred Ranft, Bürgermeister Christian Pröbst, Vizelandrat Franz Hofstetter, Tobias Knauer (Wadle Bauunternehmung, Generalübernehmerin), Christian Eltschig (Geschäftsführer Brandl+Eltschig) und Stefan Homilius (Wasserwirtschaftsamt München).

Ersatzneubau hat sich bereits bezahlt gemacht

Wartenberger Hartlbrücke eingeweiht: Das erste Hochwasser hat sie schon überstanden

  • Markus Schwarzkugler
    VonMarkus Schwarzkugler
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Kaum war die neue Hartlbrücke in Wartenberg fertig, hatte sie schon das erste Hochwasser zu meistern. Aber alles kein Problem, wie bei der offiziellen Einweihung deutlich wurde.

Wartenberg – Seit gut einem Monat rollt wieder der Verkehr über die Wartenberger Hartlbrücke. Am Freitagvormittag war aber erneut Zeit für eine Sperrung. Das hatte nicht etwa was mit dem Dauerregen und Hochwasser von Anfang der Woche zu tun. Nein, diese erste Bewährungsprobe, wie es Bürgermeister Christian Pröbst sagte, hat die Brücke locker überstanden.

Anlass für die kurzzeitige Sperrung war ein erfreulicher, nämlich die offizielle Einweihung des Ersatzneubaus, zu der sich unter anderem Vertreter der Gemeinde sowie von beteiligten Büros und Firmen eingefunden hatten. Neben zahlreichen Gemeinderäten war unter anderem auch Altbürgermeister Manfred Ranft vor Ort, der das Projekt in seiner Amtszeit begleitet hatte. Die Einweihung fiel genau auf seinen Geburtstag.

„Nach rund zwei Jahren Planung mit dem Büro Brandl+Eltschig sowie rund zehn Monaten Bauzeit ist sie nun fertig, unsere neue Hartlbrücke“, sagte Pröbst in seinem Grußwort. Die Hartlbrücke führt die Aufhamer Straße zwischen Strogenstraße und Zustorfer Straße über die Strogen. Die Fahrbahn ist mit sechs Metern nun so breit, dass im Gegensatz zu früher Begegnungsverkehr von Lkw möglich ist. Auf der Nordseite ist der Gehweg 1,50 Meter breit, auf der Südseite 2,50 Meter. 40 Tonnen Gewicht hält das neue Stahlbeton-Bauwerk aus. Pröbst betonte die höhere Sicherheit für Kinder und Radler.

Kommt ohne Mittelpfeiler aus: Damit ist die neue Hartlbrücke besser für Hochwasser gewappnet als ihr 1927 erbautes Vorgängerbauwerk.

Die alte Brücke – sie wurde im November vergangenen Jahres abgerissen, einen Monat zuvor war die Straße gesperrt worden – war bekanntlich arg in die Jahre gekommen und längst ein Kandidat für die Abrissbirne. Schon 2012 stand nach einer Hauptprüfung fest, dass ihr Zustand nicht mehr tragbar war. Deshalb wurde eine Tonnagebeschränkung auf 5,5 Tonnen beschlossen, die Fahrbahn verengt und die Geschwindigkeit auf zehn km/h beschränkt. Damals gab es nur einen äußerst schmalen Gehweg. Den Beschluss über den Ersatzneubau fasste der Marktgemeinderat letztlich im August 2019.

In zehn Monaten Bauzeit habe man kein Hochwasser gehabt, so Pröbst. „Kaum ist die Brücke aber fertig, hatten wir eines, das bis auf 50 Zentimeter an den Unterzug gereicht hat.“ Ein Durchfluss von 36 000 Litern Wasser sei nun die erste Bewährungsprobe gewesen. Damit war Pröbst auch schon bei einem hochwassertechnisch großen Vorteil: Die Brücke kommt ohne Mittelpfeiler aus. Beim Vorgängerbauwerk habe dieser das Wasser noch gebremst und so auch zu Verklausungen beigetragen. „Jetzt kann das Wasser wieder fließen, und wir hatten im Ort keinen Schaden.“ Nur der Volksfestplatz sei evakuiert worden (wir berichteten).

Beim Bau blieb die Gemeinde nicht nur im Zeitplan, sondern landete sogar unter dem Kostenansatz. 1,01 Millionen Euro waren zunächst berechnet worden, am Ende werden es aller Voraussicht nach nur 850 000 Euro und damit 15 Prozent weniger, wie Pröbst vorrechnete. „Das ist Balsam für unseren Haushalt.“ Denn: Geld habe die Gemeinde ja eigentlich keins, meinte er einmal mehr mit Galgenhumor.

Pröbst lobte die Zusammenarbeit sämtlicher Sparten und sprach von einem „optischen Highlight – sauber betonierte Flächen, geschwungene Unterzüge, anthrazitfarbenes Geländer“. Hinzu kämen die beiden Ruhebänke. Am besten gefalle ihm aber das Gemeindewappen, auf beiden Seiten mittig im Geländer eingearbeitet.

Letzteres beeindruckte auch Vizelandrat Franz Hofstetter. Die Wartenberger könnten nun mit Fug und Recht behaupten: „Wir schaffen Verbindungen.“ In Deutschland sei vergessen worden, in bestehende Strukturen zu investieren, kritisierte Hofstetter bei der Gelegenheit und meinte auch den Breitbandausbau. 58 Brücken gebe es im Landkreis.

Ingenieur Christian Eltschig versprach, dass die neue Brücke nachhaltig und robust sei, zollte aber auch der alten Brücke seinen Respekt. Die sei nämlich 1927 erbaut und damit fast 100 Jahre alt geworden. Und das trotz viel weniger Normen, die es damals im Gegensatz zu heute gegeben habe.

Für Musik sorgten 3. Bürgermeister Bernd Scheumaier und Kurt Müller von der Kreismusikschule. Den kirchlichen Segen erteilten die evangelische Pfarrerin Elisabeth Schulz und ihr katholischer Kollege Gregor Bartkowski. Er erinnerte sich an das Hochwasser von 2013, mit dem er nie gerechnet hätte, wie er gestand. Damals sei er förmlich aus dem Bett gespült worden. Schulz, erst seit gut vier Monaten im Amt, blickte derweil auf eine Erkundungstour im April durch ihren neuen Arbeitsort zurück. Kurz vor der Brücke sei sie plötzlich vor einem Bauzaun gestanden und habe umkehren müssen. Wie berichtet, hatte es fast ein komplettes Schuljahr lang Umleitungen gegeben, die Schüler mussten zu Fuß teils einen Umweg von einem Kilometer zurücklegen. Doch das ist nun Geschichte.

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