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Quo vadis, Marie-Pettenbeck-Schule? Fakt ist, es fehlen insgesamt 2000 Quadratmeter Raum.

Die Erweiterung ist kompliziert

Mammutaufgabe Marie-Pettenbeck-Schule

  • Markus Schwarzkugler
    vonMarkus Schwarzkugler
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Der Nebel um das künftige Gesicht der Marie-Pettenbeck-Schule in Wartenberg lichtet sich weiter nur ganz langsam. In der Marktratssitzung am Mittwoch war nun unter anderem von einem Schulcampus die Rede. Dennoch steht der Markt weiter ganz am Anfang. Unsere Zeitung erklärt, wie komplex das Thema Erweiterung ist.

Wartenberg – Der Markt fährt mit der Schule zweigleisig. Für die Grundschule ist er alleine zuständig, mit der Mittelschule sitzt er im Boot des Mittelschulverbands, zu dem noch die Gemeinden Berglern, Langenpreising und Fraunberg gehören. Baut der Markt die Grundschule selbst auf eigene Kosten oder übernimmt der Mittelschulverband einen Anbau für die fehlenden Flächen der Grundschule? Auch diese Frage will Bürgermeister Manfred Ranft (FW) demnächst mit Schulverbandsvorsitzendem Hans Wiesmaier besprechen. Klar ist: Sowohl der Grund- als auch der Mittelschule fehlen je 1000 Quadratmeter.

3. Bürgermeister Christian Pröbst (CSU) berichtete im Rat von einem Gespräch mit Oberbayerns Regierungspräsidentin Maria Els, an dem auch Schulleiter Michael Braun und Wiesmaier beteiligt waren. Daraus ging hervor, dass sowohl der Verband als auch der Markt Träger der Baumaßnahmen sein könnten. Es müsse eine Begründung erarbeitet werden, warum es in der Grundschule eine zwölfte Klasse brauche, so Pröbst. Dann wäre die Schule komplett dreizügig – derzeit gibt es in der dritten Jahrgangsstufe nur zwei Klassen. Bei einem offenen Ganztag sind Pröbst zufolge mehr Fördermittel möglich.

Baubeginn 2023?

Weiterhin würden wie bisher ein Schulleiter und ein Konrektor reichen, wenn auf dem Gelände die Grundschule neu oder angebaut werde. Dasselbe gelte für die gemeinsame Verwaltung. Die Grundschule als Neubau könne auch mit Hort errichtet werden, wofür es weitere Fördermittel gebe. Zudem sagte Pröbst, dass sich die Schulleitung eine Art gemeinsames Campusgelände vorstellt. Angestrebt werden etwa ein gemeinsamer Pausenhof und eine gemeinsame Mensa.

Nach dem Gespräch Ranfts mit Wiesmaier brauche es dann eine Machbarkeitsstudie – entweder von Verband oder Markt in Auftrag gegeben. Die Studie solle klären, „ob mit der neuen Grundschule dann im Haus der Marie-Pettenbeck-Schule genügend Platz frei wird für die Mittelschule“, so Pröbst, der schon einen groben Zeitplan vorlegte. Heuer sollen unter anderem Studie und Raumkonzept erstellt werden. Dem Plan zufolge könnte die neue Grundschule 2023/24 gebaut, ab 2025 das Bestandsgebäude umgebaut werden.

Getrennt bauen oder zusammen?

Bürgermeister Ranft lobte die vergangenen 25 Jahre mit dem Schulverband. „Wir und der Mittelschulverband würden verlieren, wenn wir getrennt bauen“, meinte er. Der Markt habe mit seinen Beiträgen das gesamte Schulgebäude mitfinanziert. „Wir stellen seit ungefähr 50 Jahren ein großes Gebäude zur Verfügung – und zwar kostenlos“, so Ranft, der sich deshalb ein Entgegenkommen des Verbands verspricht. Ranft sagte, dass Wiesmaier zu einer gemeinsamen Lösung tendiere.

Diese Lösung bringt jedoch eine schwierige Frage mit sich: Wollen die Mitgliedsgemeinden Langenpreising, Berglern und Fraunberg eine Grundschule mitzahlen, die explizit nur die Wartenberger Kinder betrifft?

Ranft betonte jedenfalls: „Es wird immer eine Mittelschule mit einer Grundschule bleiben“ – also mit einer gemeinsamen Leitung.

„Pädagogischer Gedanke von 1968“

Jugendreferentin Isabell Haindl (CSU) wies darauf hin, dass es vor dem Raum- erst ein pädagogisches Konzept brauche. Ihr zufolge bringt es der Mittelschule wenig, wenn sie die elf Grundschulklassenzimmer übernimmt. Sie sprach dabei den unterschiedlichen Raumbedarf an. Stichwort: Nachmittagsbetreuung. Ähnlich sah es Schulleiter Braun, der im Marktrat zu Gast war. „Modernes Lernen – wie Lernlandschaften – ist was anderes als Klassenzimmer neben Klassenzimmer zu haben“, sagte er. Die jetzigen Räume entsprächen dem pädagogischen Gedanken von 1968. Auch der Altbau müsse ertüchtigt werden. „Von der Sanierung her muss einiges passieren“, so Braun, der auf neue Entspannungs- oder Bewegungsräume hinwies.

Die Grundschule ist für Jugendreferent Hermann Zoglauer (Neue Mitte) das anspruchsvollere Thema. „Diesen Block über den Mittelschulverband zu machen, ist schwierig“, meinte er. Pröbst gab zu bedenken, dass wenn der Verband baue, der Markt dann auch nur anteilig über Entscheidungskompetenz verfüge. Andererseits „fahren alle Gemeinden günstiger, wenn der Mittelschulverband baut“. Das hätten Berechnungen ergeben.

Zweiter Anlieferweg zur Schule?

Eduard Ertl (Neue Mitte) schlug vor, „der Klarheit wegen“ die Grundschule zum Markt zurückzuholen. „Personal wird sowieso nicht von uns bezahlt.“ Wie Ertl sprach sich auch Michael Paulini (SPD) für einen Campus aus. „Ich bin klar dafür, die Grundschule selber zu bauen“, meinte er außerdem. Zumal diese 50 Jahre oder mehr Bestand haben werde.

Bei einer CSU-Veranstaltung tags drauf kam die Idee von einem integrierten Lernhaus auf einem Schulcampus auf. „Wir möchten weiterhin die Mittelschule mit 9+2“, sagte Pröbst zu unserer Zeitung. „Wir möchten eine Grundschule schaffen mit Hort und Mittagsbetreuung. Das Allerwichtigste ist die Ferienbetreuung“, betonte er. Neben der Mittelschule müssen ihm zufolge auch die Außenanlagen sowie die Halle saniert werden. Zur Entlastung der Zustorfer Straße fordert Pröbst einen zweiten Anlieferweg, und zwar über die Bgm.-Stuhlberger-Straße.

Heizungsanlage spielt wichtige Rolle

Was das Thema noch komplexer macht, ist die Debatte um die neue Heizungsanlage für die Schule (wir berichteten mehrfach). Deren Kostenpaket sollte Pröbst zufolge dringend im Sanierungsantrag inkludiert sein. Sein Gedanke: Mit diesen zusätzlichen Kosten würde man sich leichter tun, mit einer Sanierung auf 25 Prozent der Gesamtkosten einer neuen Schule zu kommen. Das sei Voraussetzung für eine 60-prozentige Förderung.

Bislang stehen für die Schule Kosten von 10 bis 20 Millionen Euro im Raum. Nun braucht es aber erst die Machbarkeitsstudie, die nach dem Gespräch Ranfts mit Wiesmaier allmählich in Auftrag gegeben werden soll. „Mein Vorschlag: Die Studie macht der Mittelschulverband mit paritätischer Kostenbeteiligung“, sagte Ranft.

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