Daumen hoch: Steffi Groß war selbst beim Flug überhaupt nicht angespannt.
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Daumen hoch: Steffi Groß war selbst beim Flug überhaupt nicht angespannt.

Die Wartenbergerin Steffi Groß „weiß gar nicht, was nervös ist“ – Am liebsten gleich nochmal

Fallschirmsprung am 86. Geburtstag

  • Markus Schwarzkugler
    VonMarkus Schwarzkugler
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86 Jahre alt und Fallschirmspringen? Das passt wunderbar zusammen, findet Steffi Groß aus Wartenberg. Pünktlich an ihrem Geburtstag ist sie aus 4000 Metern Höhe gesprungen.

Wartenberg – Na, wie würden Sie ihren 86. Geburtstag feiern? Am besten bei guter Gesundheit, logisch. Im Kreise der Familie, bei Speis und Trank in einem guten Wirtshaus – auch darauf kann man sich einigen. Aber wie wär’s mit einem Fallschirmsprung? So hat es jedenfalls die Wartenbergerin Steffi Groß an ihrem Ehrentag gemacht, und zwar am Flugplatz Zainach in Eggenfelden. Dort hat sich laut der Fallschirmsportschule Skydive-Exit noch nie jemand Älteres an den Sprung aus vier Kilometern Höhe gewagt.

„Am liebsten wäre sie nach der Landung gleich nochmal gesprungen“, erzählt ihr Sohn Helmut Groß (64) schmunzelnd, und seine Mutter muss lachen. „Ich hab’ das mal im Fernsehen gesehen, da ist auch eine ältere Frau gesprungen“, erzählt die ebenso rüstige wie mutige Seniorin. „Des dad i mi a no trauen“, habe sie gleich gesagt. Das bekam letztlich auch der Sohnemann zu hören. Mehrfach habe er sich bei ihr versichert, dass sie das auch wirklich ernst meine. Doch die Mutter sagte das wirklich nicht bloß so daher.

Also machte sich der Sohn auf die Suche nach einem Anbieter und wurde in Eggenfelden fündig. Mit ein paar Familienmitgliedern ging es am Geburtstagsvormittag dorthin. Darunter zwei weitere Mutige, die sich den Sprung zutrauten: Sohn Helmut und Olga (27), die Freundin seines Sohnes Tobias (35). „Bei der Anmeldung haben sie im Büro erst mal ein bisschen geschaut“, erzählt Helmut Groß, und seine Mutter muss schmunzeln. Sie ließ aber keine Zweifel daran aufkommen, dass sie es ernst meinte. „Du weißt ja gar nicht, was nervös ist“, sagt ihr Sohn lachend. Und seine Mutter meint nur: „Ich habe vier Söhne großgezogen, ein Haus gebaut, in der Näherei gearbeitet.“ Was ist da schon ein Fallschirmsprung dagegen?

„Wie ein Blitz“: So beschreibt Steffi Groß (l.) den Sprung aus dem Flugzeug. Ein Skymaster passt gut auf sie auf.

Einen medizinischen Check wegen ihres Alters brauchte sie nicht, also ging es mit einer kleinen Passagiermaschine hoch auf 4000 Meter. „Den Flug kenne ich ja“, sagt die siebenfache Oma und Uroma, die früher mit ihrem vor ein paar Jahren verstorbenen Mann Horst in die USA gereist ist und Kreuzfahrten unternommen hat. Doch dann, kurz vorm Sprung aus dem Flugzeug, war da die Aufregung nicht groß? „Koa bisserl ned“, sagt die 86-Jährige und winkt lachend ab. „Angst hat sie vor nichts“, sagt Sohn Helmut.

Freilich ist Steffi Groß, genauso wie alle anderen Wagemutigen, nicht alleine gesprungen, sondern im Tandem mit einem Experten der Flugschule, einem sogenannten Skymaster. Mit dem wurde die 86-Jährige regelrecht zusammengegurtet.

Kein bisschen nervös: Steffi Groß mit der Freundin ihres Enkels.

Und dann war es soweit: Sprung aus der Maschine, 45 Sekunden freier Fall, dann sechs bis acht Minuten Schwebephase hinunter mit geöffnetem Schirm. „Den freien Fall spürt man nicht, das fühlt sich an wie nur fünf Sekunden. Das ist ein wahnsinniges Gefühl der Freiheit“, schwärmt Sohn Helmut, während sich seine Mutter freudig daran erinnert, dass sie sich zu Beginn mit ihrem Skymaster ein paar mal überschlagen hat. „Wenn man sieht, wie der Flieger nach oben wegschießt, ist das ein traumhaft toller Moment“, sagt Helmut Groß, und seine Mutter stimmt ihm zu: „Das ist ein Wahnsinn. Der Sprung raus ist wie ein Blitz!“

Sicherheit wird beim Tandem-Sprung groß geschrieben. Die Einweisung ins richtige Verhalten wird mehrmals wiederholt. Nur während der Flugphase „habe ich nichts verstanden“, erzählt die Seniorin, da rief ihr der Skymaster vergebens was zu. Steffi Groß hatte nämlich sicherheitshalber ihre Hörgeräte herausgenommen, denn wenn man die in luftigen Höhen verliert, könnte die Suche schwierig werden. Letztlich ging aber trotz der akustischen Probleme alles gut – und auch die Füße hob sie bei der Landung brav in die Höhe, wie vorab besprochen und während der Schwebephase zweimal geübt. Für die Skymaster hat die mutige Jubilarin ein dickes Lob übrig: „Die sind wahnsinnig nett.“

Sichere Landung: Steffi Groß wäre danach am liebsten gleich nochmal gesprungen.

Ganz ohne Corona kommen wir übrigens auch in dieser Geschichte nicht aus: Die Schutzmaske muss man offiziell auch während des Flugs auflassen, wobei sie in den meisten Fällen wegfliegt. Doch auch davon ließ sich Steffi Groß nicht beirren. „Am schönsten ist es, wenn man durch die Wolken fliegt und die Welt unten langsam klarer wird“, schwärmt sie.

Nach dem Sprung ging’s zur Feier beim Rauch in Grucking. Dorthin trauten sich dann alle Familienmitglieder. Bleibt nur noch die Frage, was sie dann an ihrem 87. Geburtstag vorhat. „Vielleicht geht’s ja auf den Mond“, scherzt Groß. „Aber na, das lieber nicht. Nicht, dass sie mich da oben vergessen.“

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