Feuerbeschau im Rathaus

Der Rauch ist die Gefahr

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„Erst vor der eigenen Haustür kehren“, rät Gutachter Richard Obermaier der Kommune. Dann seien auch Feuerbeschauen in Unternehmen an der Reihe.

Wartenberg – Brandmeldeanlage, Feuerwehreinsatzplan und freie Leiterstellfächen auf der Unteren Hauptstraße – all das fehlt nach den Worten von Richard Obermaier am Wartenberger Rathaus. Der Experte stellte der Gemeinschaftsversammlung der VG Wartenberg am Montagabend die Ergebnisse seiner Feuerbeschau vor.

„Die letzten Jahre wurde sehr wenig bis gar nix gemacht“, erklärte Obermaier. Für den Brandschutz sei es schon einmal ein grundlegendes Problem, dass das Haus nicht als Verwaltungsgebäude gebaut worden ist. 1989 an der Stelle eines früheren Gasthauses errichtet, war dort zwischenzeitlich ein Supermarkt untergebracht. Nach dem Kauf im Jahr 2000 hat es die Marktgemeinde zur Gemeindeverwaltung umgebaut. Das alte Rathaus nebenan wurde zum Medienzentrum.

„Bei 60 Prozent der Bayerischen Bauordnung geht es um Brandschutz“, sagte der Kreisbrandmeister und frühere Kommandant der Taufkirchener Feuerwehr. Entscheidende Punkte seien dabei Fluchtwege und dass diese nicht verraucht werden. „Man unterschätzt das. Wenn man ein- oder zweimal Rauch einatmet, dann ist es vorbei.“

Entsprechend sei es wichtig, dass die Fluchtwege frei von Brandlasten sind. „Das Flucht-Treppenhaus ist der wichtigste Raum im Gebäude“, sagte Obermaier und kritisierte große Pflanzen dort. Diese seien bereits entfernt, antwortete Bürgermeister und VG-Vorsitzender Manfred Ranft darauf.

Brandlasten im Gang des dritten Obergeschosses müssten auch weg, forderte Obermaier. Dort befinden sich Mietwohnungen, und es hängen viele Bilder an der Wand.

Im Hinblick auf Verrauchung sei auch eine jährliche Wartung der selbstschließenden Brandschutztüren wichtig und dass diese nicht mit Holzkeilen offen gehalten werden.

Ein Feuerwehreinsatzplan nach DIN spare im Notfall lebensrettende Zeit. „Wenn der Einsatzleiter keine Ahnung von dem Gebäude hat, vergehen gleich mal fünf bis zehn Minuten“, sagte der erfahrene Brandschützer. Zudem müsse die Feuerwehr die Möglichkeit haben, ihre gerade erst angeschaffte Drehleiter auch aufzustellen. Dafür müssten auf der Unteren Hauptstraße Flächen gekennzeichnet werden, die frei zu halten sind. Ein weiterer Gefahrenherd ist nach Obermaiers Worten die Tiefgarage mit 15 Stellplätzen. Hier sei es zunächst wichtig, dass die Feuerwehr von außen durch das Tor komme – auch hier meldete Ranft Vollzug. Zudem seien im Keller Installationslöcher in Brandwänden ein Problem, erläuterte der Gutachter.

„Erst muss die Gemeinde vor der eigenen Haustür kehren“, sagte Obermaier zu Feuerbeschauen auch in Unternehmen im Gemeindegebiet. Dennoch sei auch das wichtig – unter anderem in Biogasanlagen. Im Brandfall sei freilich der jeweilige Unternehmer haftbar. Wenn alerdings die Kommune beim vorbeugenden Brandschutz untätig gewesen sei, sei auch sie in der Verantwortung. Für eine Feuerbeschau sei zunächst die Gemeinde der Kostenträger, erläuterte der Gutachter. Verwaltungsleiter Maximilian Sertl bestätigte die Zuständigkeit mit Verweis auf die entsprechende Verordnung.

Timo Aichele

Rubriklistenbild: © Kreisfeuerwehrverband Plön

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