Isa Mohammadi werkelt an einem Fahrrad
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„Um jeden Preis neu anfangen“, wollte Isa Mohammadi, wie sein Betreuer Egon Weiß beschreibt. Der junge Afghane lebt mittlerweile zusammen mit seiner Familie in Wartenberg und montiert Fahrräder in Langengeisling.

Isa Mohammadi hat im Landkreis eine neue Heimat gefunden

Flucht ins Paradies: Wie ein Afghane zum Wartenberger wurde

2012 stellte eine Bombe Isa Mohammadis Leben auf den Kopf. Er floh mit seiner Familie nach Deutschland. In Wartenberg ist er nun integriert und glücklich.

Wartenberg/Langengeisling – „Ich bin dieser Regierung unendlich dankbar. Denn sie hat mir ein Leben ohne Angst möglich gemacht. Ich darf ohne Bedrohung arbeiten, meine Familie lebt endlich in Sicherheit.“ Isa Mohammadis Augen strahlen, wenn er von seiner neuen Heimat Wartenberg und seiner Arbeit in einem Radgeschäft in Langengeisling spricht. Das war nicht immer so im Leben des jungen Afghanen, der nicht nur viel mitgemacht hat, sondern auch ein hartes Schicksal erlebt hat. Wenn er jetzt Fahrräder montiert und sie fertig zum Verkauf macht, in einem kleinen Team, das sich liebevoll um ihn kümmert, erinnert fast nichts mehr an seine schicksalhafte Vergangenheit. Nur ein paar Verbrennungen an den Armen lassen erahnen, welchem Schrecken er glücklich entronnen ist.

Isa, was so viel wie Jesus heißt, ist im Iran aufgewachsen, hatte zusammen mit seinen Eltern einen kleinen Lebensmittelladen in der westafghanischen Grenzstadt Herat. „Herumstreunende Milizen der Taliban ließen uns nicht in Ruhe. Sie forderten Schutzgeld von uns, wollten, dass wir einen bestimmten Dialekt sprachen, machten uns täglich Angst“, erzählt der heute 25-Jährige. Als dann 2012 noch eine Bombe seine Wohnung komplett zerstörte, als Eltern und andere Verwandte dabei ums Leben kamen, entschloss er sich zur Flucht.

Zusammen mit seiner Frau Quamargol verließ er Afghanistan, kam über den Iran, die Türkei, Bulgarien, Serbien, Ungarn und Österreich schließlich im Februar 2014 nach München ins dortige Camp Kieferngarten. Von hier wurde seine kleine Familie – in der Türkei war Sohn Rasin geboren – in die Gemeinde Grucking verlegt, wo auch Tochter Sadaf das Licht der freien Welt erblickte. Für Isa bedeutet diese Station auf seinem langen Weg sehr viel: „Hier lernte ich meinen mittlerweile besten Freund kennen, Egon Weiß aus Maria Thalheim. Er gab uns 2015 Sprachunterricht und hilft uns bis heute in allen Notlagen.“

Sehr zufrieden mit Mohammadis Arbeit ist sein Chef Karl Pfeiffer, der während dem Fahrrad-Boom in der Corona-Pandemie auf die Hilfe des 25-Jährigen zählen konnte. Mohammadi arbeite „sehr fleißig und gewissenhaft“, sagt er.

Schließlich hatte ihn der Aufenthalt in Grucking und die liebevolle Aufnahme zur Konversion vom Islam zum Christentum bewogen – er ließ sich spontan taufen. Zwar erlebt er deswegen immer noch Anfeindungen von Landsleuten, doch sein Glaube an das Gute überwiegt. Mittlerweile, nach einigem Hin und Her zwischen der Agentur für Arbeit, die ihn zu einigen Praktika brachte und dem Landratsamt, das ihm wegen fehlender Personalien das Arbeiten lange verwehren wollte, kam er zu Radsport Pfeiffer nach Langengeisling.

„Isa ist sehr fleißig, arbeitet gewissenhaft und ist immer freundlich zu den Kunden, wir sind sehr zufrieden mit ihm“, lobt ihn sein Chef Karl Pfeiffer, der angesichts des Rad-Booms momentan froh ist über Mohammadis große Hilfe. Dabei hat der junge Afghane, der mittlerweile mit seiner Frau und inzwischen sechs Kindern in einer Dreizimmer-Wohnung in Wartenberg lebt, schon einige Jobs erledigt – er arbeitete neben der Berufsschule Erding als Baumgärtner, in einem Seniorenheim und in einem Autohaus, hat aber jetzt seinen wahren Beruf als Monteur für Fahrräder gefunden.

„Was mir an ihm sofort aufgefallen ist“, verrät sein Betreuer Egon Weiß, „ist seine Offenheit. Schon damals in Grucking hat er sehr schnell Deutsch gelernt, war immer pünktlich zur Sprachstunde da, wollte um jeden Preis neu anfangen.“ Auch Mohammadi versucht, seine Landsleute diesbezüglich zu motivieren: „Uns geht es hier so gut, wir sollten froh sein, endlich arbeiten zu können, nicht alle Menschen haben dieses Glück.“ Er jedenfalls genießt jeden Tag in Freiheit und hat vor allem den Wunsch, hier auch bleiben zu dürfen. Wer ihn und seine positive Einstellung erlebt hat, wird wohl keinen Grund dagegen finden können.

Friedbert Holz

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