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Der neue Vorstand (v. l.): Franz Ganslmaier, Robert Hegenauer, Heike Kronseder und Manfred Ranft.

Freie Wähler Wartenberg

Neuformierung nach einem turbulenten Jahr

  • Markus Schwarzkugler
    vonMarkus Schwarzkugler
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Was hat ein chinesisches Schriftzeichen mit den Freien Wählern aus Wartenberg zu tun? 2019 jedenfalls mehr als sonst. Robert Hegenauer, der in der Hauptversammlung am Dienstag im Reiterbräu zum neuen Ortsvorsitzenden gewählt wurde, deutete auf jenes Zeichen an der Leinwand. „Es steht für Krise und Gefahr, aber bedeutet gleichzeitig auch Chancen“, erklärte er. Mit den Erkrankungen der beiden Bürgermeister Manfred Ranft und Peter Schickinger hätten die Freien Wähler einige Krisen zu meistern gehabt, „wir haben das aber gemeistert und ein starkes Jahr gehabt“.

Wartenberg – Hegenauer, der als Bürgermeisterkandidat in die Kommunalwahl am 15. März geht, zählte zu den Errungenschaften des Jahres unter anderem den modernisierten Internetauftritt der FW. In Wartenberg, sagte er zudem, werde teils auf hohem Niveau gejammert. „Aber uns geht’s verhältnismäßig gut.“ Gerade jetzt im Wahlkampf werde „die Apokalypse prophezeit“, meinte er und sagte, man solle auch die positiven Seiten sehen.

Seit seinem sechsten Lebensjahr lebe er in Wartenberg. Während sich früher stets gegrüßt wurde, sei mittlerweile wegen des Zuzugs Vieles unpersönlicher geworden. Am Miteinander zu arbeiten sei ihm ein großes Anliegen. In Sachen Zusammenhalt sprach Hegenauer auch die FW-Kreistagsliste mit fünf Kandidaten aus Wartenberg, drei aus Berglern und einem aus Langenpreising an. „Das zeigt, dass wir uns gemeinsam starkmachen können für den Erdinger Norden.“ Dazu zählt für Hegenauer weiter das Nein zu einer dritten Startbahn am Flughafen.

„Zwei schwere Hypotheken“

Tiefer in die Politik im Markt stieg derweil Ranft ein. Er erhielt von den rund 20 Zuhörern Applaus, als Hegenauer an dessen Rückkehr ins Amt am 27. Dezember erinnerte. Ranft war von April an wegen seiner Krebserkrankung krankgeschrieben gewesen. Der scheidende Bürgermeister blickte auf seine zwölf Amtsjahre zurück („Die Zeit ist verflogen. Ich kann’s kaum glauben.“) und nannte das Medienzentrum und die Alte Schule als „zwei schwere Hypotheken“, die er zum Start 2008 übernommen hatte. Das Alte Schulhaus bezeichnete er als „einen der größten Erfolge dieser Wahlperiode“.

Er blickte aber vor allem in die Zukunft. Der Rossmann-Drogeriemarkt sei bis auf den Bau an sich in trockenen Tüchern. Ranft schilderte, wie schwierig die Verhandlungen waren, um einen solchen nach dem Schlecker-Aus nach Wartenberg zu holen. Nach der Eisdiele „geht ein weiterer großer Wunsch aus der Bevölkerung in Erfüllung“, meinte er. Als Aufgaben für den kommenden Marktrat nannte Ranft den Recyclinghof, die Hartlbrücke, deren Bau im Oktober beginnen soll („Weil dann die Sperre der Brücke am kürzesten ist“), die Renovierung des Kindergartens („Das Dach ist vollkommen fertig“), die Erweiterung der Schule und das „ganz heiße Thema“ Medizinisches Versorungszentrum beziehungsweise Ärztehaus. „Wir sind hart dran“, versprach Ranft dazu.

„Es ist notwendig zu wachsen, zumindest im Verhältnis zur Umgebung“, betonte er. Kleinfeld West sei das nächste Baugebiet, das ausgewiesen werde. Er gönne Berglern zwar einen Supermarkt, aber Wartenberg müsse mit seinen nun knapp 6000 Einwohnern mit gesundem Wachstum Schritt halten. „Auf Dauer ist sonst unsere Vorreiterrolle gefährdet.“

Franz Ganslmaier ist neuer Vize

Der dritte Bauabschnitt im Gewerbegebiet Thenn gestaltet sich Ranft zufolge schwierig. Aber auch hier liefen bereits Gespräche über die Erweiterung eines Betriebs. Zum Hochwasserschutz für Pesenlern meinte er: „Wir hätten schneller sein können.“ Das sei wegen des Widerstands von Anliegern jedoch nicht gelungen. „Jetzt müssen wir durch alle Instanzen“, so der Bürgermeister, der auch auf die Umsetzung der Sanierungssatzung und das aus allen Nähten platzende Rathaus hinwies. Sollten die Wohnungen im oberen Bereich des Gebäudes einmal frei werden, könne man auf eine weitere Vermietung verzichten. Wenn der Markt als Eigentümer diese Räume dann an sich selbst vermietet, könnte das eine spannende Frage werden für das künftige Gremium, meinte Ranft.

Er bleibt den Freien Wählern als Schatzmeister erhalten und beerbt die aus beruflichen Gründen abgetretene Andrea Schöngruber. „Meine Frau ist froh, dass ich dann nach dem 1. Mai auch noch was zu tun habe“, meinte Ranft unter dem Lachen seiner Mitstreiter. Wichtigste Änderung im Vorstand ist jedoch Hegenauer, der vom Stellvertreter zum Vorsitzenden aufstieg und auf Walter Gebhart folgt. „Ich werde wie im Marktrat aus privaten und beruflichen Gründen nicht mehr antreten. Ich habe das gerne gemacht“, sagte Gebhart vor der von Altbürgermeister Gustav Weltrich humorvoll geleiteten Neuwahl. Neuer Vize ist Franz Ganslmaier und Heike Kronseder neue Schriftführerin anstelle von Schickinger, der von ihr seine Grüße ausrichten ließ. Revisoren sind Andrea Gumberger-Strobl und Marcella Troll-Dworzak.

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