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Achtung, Glosse! Heiraten auf dem Nikolaiberg, „dem schönsten Ort Bayerns“

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Von: Markus Schwarzkugler

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Also für Konzerte ist er auf jeden Fall geeignet, der Nikolaiberg – hier beim Kultursommer 2020.
Also für Konzerte ist er auf jeden Fall geeignet, der Nikolaiberg – hier beim Kultursommer 2020. © Fabian Holzner

Ach Gott, wo könnte man nicht überall schön heiraten? Auf einer traumhaften Südsee-Insel, klar. Wer’s etwas „Hangover“-mäßiger haben möchte: vielleicht ja des durchzechten Nächtens in einer Kapelle in Las Vegas? Oder wie wär’s, nicht ganz so dramatisch, mit dem Chiemsee? Den hat sich jedenfalls CSU-Mann Josef Sedlmaier in der jüngsten Marktratssitzung als Anschauungsbeispiel herausgepickt.

Wartenberg - Es wurde mal wieder eifrig diskutiert, diesmal um die Widmung des Wartenberger Nikolaibergs zum Trauungsort. „Also wenn man am Chiemsee heiraten darf, dann auch am schönsten Ort Bayerns“, meinte Sedlmaier felsenfest.

Verflixt, dachte sich unserer Berichterstatter und griff nun doch zum Kugelschreiber. Nachdem die Gemeinschaftsversammlung der VG das Thema schon durchgewunken hatte und wir schon ausführlich berichtet haben, meinte er eigentlich, nicht mehr groß was schreiben zu müssen. Doch schon legte FWG-Rat Franz Ganslmaier nach: „Ich halte den Nikolaiberg nicht für passend“, befand er unter Hinweis darauf, dass die Trauungsörtlichkeit möglichst nicht mit Störungen verbunden sein solle. Nur führen hoch droben an der Kapelle Wanderwege vorbei. Na sauber. Ganslmaiers Fraktionskollegin Heike Kronseder brachte zudem den Aufwand für Aufbau und Organisation – und Umplanung, sollte es regnen, ins Spiel: „Ich habe lang mit mir gerungen, aber ich werde dagegen stimmen.“

Also doch nix mit Heiraten auf dem Nikolaiberg? Keine Sorge, liebe Hochzeiter, die gerne am schönsten Ort Bayerns heiraten würden: Die insgesamt fünf Stimmen gegen die Widmung waren letztlich zu wenig, um die Traumhochzeit aller Bajuwaren zu verhindern.

In Berglern und Langenpreising gebe es auch geeignete Räume, schlug Ganslmaier noch vor, fing sich aber gleich die verbale Retourkutsche von CSU-Frau Isabell Haindl ein: „Wir brauchen hier nicht zu entscheiden, für wen welcher Ort geeignet ist. Am Chiemsee kann man auch schön heiraten, und auch da gehen Leute vorbei“, schimpfte sie. Ihr Fraktionsmitstreiter Markus Straßberger, der selbst nicht mehr heiraten muss, wie er versicherte, sah es ähnlich von der romantischen Seite: „Es wäre schön, wenn wir ermöglichen könnten, dass da oben wer heiratet.“

Die Debatte ging in der Folge aber noch viel tiefer. Genauer gesagt bis zum, ähm, Klopapier. Denn wer kommt letztlich für ein gewisses Grundangebot – eben auch für menschliche Erleichterungen – auf? Naja, wenn man das schon selbst anbiete, dann eben die Marktgemeinde, meinte VG-Geschäftsleiter Werner Christofori, was Michael Gruber von der SPD so gar nicht gefallen wollte. Schließlich habe der Wasserzweckverband Berglerner Gruppe eben auch erst die Gebühren erhöht, einen Aufwand also dem Bürger in Rechnung gestellt. Da musste Christofori aber den Kopf schütteln, denn was die Trauung angeht, sei das ein Sonderaufwand, der nicht umgelegt werden dürfe. Na sauber.

Letztlich stimmten dann aber doch die meisten für den Nikolaiberg, genauso übrigens auch für den Wittelsbacher Saal im Alten Schulhaus als Trauungsraum. Der bekam sogar nur zwei Gegenstimmen. Ja, ist der vielleicht sogar noch romantischer als der Nikolaiberg? Eingangs erwähnter Sedlmaier freut sich jedenfalls: „Das ist mal ein echter Bürgerservice!“ Und das ohne Steuererhöhung oder Gebühren.

Heieiei, bei so viel Angebot, da wird doch nicht noch wer auf den Thenner See kommen? Den Gedanken äußerte jedenfalls Martina Scheyhing von den Grünen. Nein, beruhigte CSU-Bürgermeister Christian Pröbst, die vielen Anfragen aus der Bevölkerung kämen „zu 99 Prozent zum Nikolaiberg“. Und wenn die Widmung dann vielleicht doch irgendwann zur Abstimmung steht, bitte bedenken: Auch am Thenner Weiher sind Spaziergänger unterwegs!

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