Nicht gerade versteckt, aber unauffällig: die Jahreszahl 1516, in gotischer Schrift eingeritzt in einen Ziegelstein an der Ostseite der Rockelfinger Kirche. Für Pfarrer Gregor Bartkowski und Historiker ein ausreichender Grund zu feiern. foto: ta

500 Jahre Rockelfinger Kirche

Gotische Ziffern in einem Ziegelstein

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Wartenberg - In der Außenmauer der Rockelfinger Kirche ist ein Ziegelstein verbaut, in den die Zahl 1516 eingeritzt wurde. Ein wichtiger Hinweis auf das Erbauungsjahr. Heuer wird das Jubiläum gefeiert.

Die Rockelfinger Kirche ist eine unscheinbare Berühmtheit. Bis ins 18. Jahrhundert hinein war das dem Heiligen Georg geweihte Gotteshaus die Wartenberger Pfarrkirche. Mit dem Neubau der größeren Kirche Mariä Geburt wäre St. Georg beinahe verschwunden. Zur Gewinnung von Baumaterialien brachen die Arbeiter schon mal das Langhaus ab. Doch die Verantwortlichen besannen sich anders. Der Turm und die Apsis blieben erhalten und dienen heute als Friedhofskirche. So können 500 Jahre Rockelfinger Kirche gefeiert werden. „Wir haben keine Urkunde“, erzählt Pfarrer Gregor Bartkowski, „aber eine uralte gotische Jahreszahl, eingeritzt in einen Ziegelstein: 1516“.

Bekannt ist die Rockelfingers wegen ihres großen gotischen Flügelaltars. Er ist das Werk eines unbekannten Meisters und hat zwei Gesichter: die Werktagsseite und – aufgeklappt – die Festtagsseite. Mit geöffneten Flügeln offenbart der Schrein prächtige Schnitzereien, die Gott Vater mit Jesus am Kreuz und das Pfingstwunder zeigen. Unter anderem gelang dem Schnitzer bei seiner Arbeit um das Jahr 1490 eine eindringliche Darstellung menschlicher Gesichter, die Betrachter auch heute noch in den Bann schlagen.

„Ein unschätzbares Kleinod“, nennt Bartkowski dieses sakrale Kunstwerk. Viele Kunsthistoriker haben darüber schon geforscht. Dabei ist der Altar erst seit 1864 dort. Zuvor hatte er in der Appoldinger Filialkirche gestanden, die damals abgerissen wurde. Der Überlieferung nach war das Heilig-Geist-Kircherl von Herzog Ludwig dem Reichen samt einem Leprosenhaus gestiftet worden. Sein Sohn Herzog Georg soll dann 1484 den Altar gestiftet haben.

Der Altar wie auch die gesamte Rockelfinger Kirche wurden in den vergangenen Jahren (erneut) saniert. Die Tafeln an der Werktagsseite waren teilweise durch starke Sonneneinstrahlung beschädigt. Der Innenraum mit seinen neugotischen Wandmalereien hatte unter anderem wegen der Feuchtigkeit gelitten. Mitten im Überschwemmungsgebiet der Strogen hatte das Wasser die Wände und den Putz beschädigt.

Nach der Sanierung regelt seit zwei Jahren ein mit Sensoren ausgestattetes Belüftungsgerät das Raumklima. Ein großer Ventilator im Turm saugt trockene und warme Luft aus dem Kirchendachstuhl und leitet sie in den Altarraum.

Diese und viele weitere Informationen mit prächtigen Fotografien stehen in der neuen Dokumentation über die Restaurierung der Rockelfinger von 2008 bis 2014. Der 30-seitige großformatige Band ist bei der Pfarrei erhältlich, ebenso eine Faltkarte, mit der man den Flügelaltar selbst auf- und zuklappen sowie von allen Seiten betrachten kann. Im Rahmen des Jubiläumsprogramms gibt Heimatforscher Paul Adelsberger auch Führungen durch das Gotteshaus. Höhepunkt der Feierlichkeiten wird der Festgottesdienst am 24. April sein.

Jubiläumsprogramm:

Festgottesdienst mit Weihbischof Bernhard Haßlberger: Sonntag, 24. April, um 10 Uhr.

Kirchenmusik: 17. April, 18 Uhr: Missa Papae Marcelli mit der Bruckner Kantorei; 26. Juni, 18 Uhr: Geistliche Abendmusik mit Stephanie Weltrich, Helga Lechner und Christian Rott; 24. Juli, 18 Uhr: Südamerikanische Messe mit Norbert Hartmann und Christian Rott; 4. September, 19 Uhr: Gitarrenabend – Werke aus vier Epochen mit Peter Hackel.

Kirchenführungen mit Paul Adelsberger: 23. April, 11. Juni und 9. Juli jeweils um 15 Uhr.

ta

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