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Interessanter Vortrag, wenig Zuhörer: Peter B. Heim erzählte aus dem spannenden Leben des Schauspielers Tonio Selwart, der einst Anton Selmair hieß.

Vortrag über Tonio Selwart 

Auf Du und Du mit den Größen Hollywoods

Wartenberg – Das spannende Leben und Wirken von Schauspieler Tonio Selwart stand im Mittelpunkt einer Lesung in der Klinik Wartenberg.

In seinem interessanten Vortrag über einen ehemaligen Sohn der Marktgemeinde schilderte der Journalist Peter B. Heim in einer Art verbalem Zeitraffer das spannende Leben und Wirken von Schauspieler Tonio Selwart, der eigentlich Anton Selmair hieß. Hätte sich nicht Professor Dr. Hans Selmair, unter dessen Ägide die Klinik Wartenberg weithin bekannt wurde, die Mühe gemacht, den Lebensweg seines Onkels literarisch nachzuzeichnen, wäre es gar nicht zu diesem Vortrag gekommen.

Doch in seinem Buch „Anton Selmair ist Tonio Selwart“, das mit Heims Hilfe entstand, ist viel Interessantes darüber zu lesen, wie ein Bub aus Wartenberg in die Welt hinauszog und sich auf Theaterbühnen und in Filmen einen Namen machte.

Vor ziemlich genau 120 Jahren in Wartenberg geboren, wollte der junge Anton Selmair nicht wie sein Bruder Hans Mediziner werden, um einmal die väterliche Praxis zu übernehmen. Vielmehr hatte ihn in München das Schild am Haus einer Schauspieleragentur neugierig gemacht. Ihn zog es auf die Bretter der damals noch sehr behelfsmäßigen Bühnen, er nahm Schauspiel-Unterricht. Und schon bald tingelte er mit der Landesbühne Bayern durch die Lande: „Wir hatten zwar nur ein paar Vorhänge als Bühnenbild, waren aber frei und ungebunden.“

Vom Deutschland der 1930er Jahre, zu Zeiten der Wirtschaftskrise und weniger Engagements, brach Anton Selmair, der sich jetzt Tonio Selwart nannte, über London nach New York auf – zum Broadway. Dort sollte der „bayerische Naturbursche mit dem unbefangenen Charme“, wie ihn ein Rezensent damals beschrieb, auf Anhieb Erfolg haben. Mit der Hauptrolle im Stück „The Pursuit of Happiness“ (Das Streben nach Glück), in der er über 250 Mal einen kleinen Leutnant aus Hessen mimte, kamen für ihn der berufliche Durchbruch und das private Glück mit Kollegin Isa Jennings.

Mit ihr pflegte er in New York einen üppigen Lebensstil und entdeckte eine neue Liebe: den Film. Fritz Lang, damals einer der besten Regisseure, verpflichtete Selwart für „Hangmen Also Die“ (Auch Henker sterben). Er lernte unter anderem Bertolt Brecht, Ava Gardner und Humphrey Bogart kennen. Doch in Amerika wurde es Selwart bald langweilig, so übersiedelte er nach Italien, arbeitete einige Zeit mit Stars wie Brigitte Bardot und Sergio Leone in der bekannten Filmstadt Cinecittà bei Rom.

Auch Italien als Land faszinierte ihn, mehrfach verbrachte er seine Sommer in Sperlonga an der Riviera. „Weil er sein Privatleben stets verborgen hielt, wissen wir kaum etwas über seine Urlaube dort“, erzählte Heim bei seinem Vortrag, wohl aber über Selwarts enge Verbindung zu Regie-König Orson Welles. Selbst als Selwart im hohen Alter erblindete, hielt er noch Kontakt zu seinem amerikanischen Freund.

Der Wartenberger starb nach einem erfüllten Leben mit 106 Jahren in seiner Wahlheimat New York. Tonio Selwarts Grab aber liegt in Wartenberg.

Friedbert Holz

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