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Seifenblasen kannte Günter Rilke als Schausteller nur zu gut. Auf dem Bild bereitet er seinem ersten Urenkel, Jason, Freude.
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Seifenblasen kannte Günter Rilke als Schausteller nur zu gut. Auf dem Bild bereitet er seinem ersten Urenkel, Jason, Freude.

Wartenberger Ehrenbürger

„Vater des Volkesfestes“ ist tot: Günter Rilke stirbt im Krisen-Jahr der Schausteller

  • Markus Schwarzkugler
    vonMarkus Schwarzkugler
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Er galt als „Vater des Volksfestes" in Wartenberg. Schausteller Günter Rilke war deutschlandweit bekannt. Nun ist er gestorben.

  • Günter Rilke ist tot.
  • Der „Grand Seigneur des Volksfests“ starb mitten während der Corona-Krise.
  • Die Schausteller-Branche wurde von der Corona-Pandemie besonders hart getroffen.

Wartenberg – Wegen Corona ist es ohnehin schon ein schwieriges Jahr für alle Volksfestfreunde. Hart getroffen hat die Krise vor allem die Schausteller. Die Nachricht vom Tod Günter Rilkes kommt nun irgendwie, man muss es fast schon so sagen, recht passend in diese schwere Zeit. Der Vater des Wartenberger Volksfests, der mit seiner Schaustellerfamilie weit über die Grenzen des Landkreises hinaus bekannt wurde, ist im Alter von 94 Jahren verstorben. Atemberaubende Hochseilakte und natürlich der Autoscooter – nicht zuletzt damit bleibt Rilke in Erinnerung.

1926 wurde er in Striegau (Schlesien) geboren. Schon als junger Bursche liebte er es, Seile zu spannen, um darauf zu balancieren. Angst kannte er zum Leidwesen seiner Mutter schon damals nicht. Sein artistisches Talent rettete Rilke im Krieg vielleicht sogar das Leben. Mit 17 wurde er jedenfalls zum Russland-Feldzug eingezogen, von 1945 bis 1947 war er als Kriegsgefangener in Frankreich. Dort studierte er mit Kameraden eine artistische Vorstellung ein und trat im Offizierskasino auf.

Volksfest-Vater Günter Rilke aus Wartenberg: Atemberaubende Hochseileinlagen

Nach den Wirren des Kriegsendes fand Günter Rilke seine aus Schlesien geflüchteten Eltern in Langenpreising wieder. Dort gründete er die Rilke Hochseilgruppe und übte spektakuläre Kunststücke in einer Scheune in Zustorf. Mit seinem Partner Alex Schack gründete er die „Zwo Medranós“ und trat mit außergewöhnlicher Hochseil-Artistik auf.

Berühmt wurde Rilke durch seine Hochseilakte auf dem Motorrad. 1953 begeisterte er beim „Tag des Zweirads“ die Zuschauer, als er im Kopfstand auf einem Hochseil vor den Hercules-Werken Motorrad fuhr. „Noch heute schwärmen die, die’s gesehen haben, von den spannenden Momenten, als Günter Rilke auf einem vom Kirchturm gespannten Seil mit dem Motorrad fuhr“, erzählt Markträtin und Kunsthistorikerin Heike Kronseder. Seinen denkwürdigsten Auftritt hatte Rilke zur Feier des Wartenberger Festjahrs 1955, als er auf dem Zwiebeldach des Kirchturms an einer Stange turnte. Über 1200 Kirchtürme hat Günter Rilke für seine artistischen Einlagen bestiegen. 1954 bekam er vom Verband der Zirkusdirektoren die Goldmedaille für seine Leistungen auf dem Hochseil.

Für dramatische Hochseilakte die Kirchtürme hinab - teils kopfüber auf dem Motorrad - wurde der junge Günter Rilke bekannt. 

Artistik-Profi und Hochseil-Artist Günter Rilke: Der Mutter zuliebe aufgehört

Zwei Jahre später war Schluss mit den gefährlichen Shows in luftiger Höhe. Seiner Mutter zuliebe hörte Rilke dann doch auf. 1957 gründete er den heute so bekannten Rilke Schausteller Betrieb – die Schaustellerei war fortan sein Lebensinhalt. Jedes Jahr von April bis Herbst tourte Günter Rilke durch Bayern. Stets an seiner Seite: seine Ehefrau Lydia, mit der er 63 Ehejahre erlebte, und später dann Tochter Gabi und Pflegesohn Hermann. Heute hat Günter Rilke zwei Enkelkinder und drei Urenkel. Er hatte acht Geschwister, der Großteil verschrieb sich der Schaustellerei.

Günter Rilke mit seiner Frau Lydia an der Kasse des Autoscooters.

1960 errichtete Rilke mit viel Eigenleistung sein Haus in Wartenberg. Sieben Jahre später kam ihm die Idee, dort ein Volksfest zu veranstalten. Die ersten Attraktionen waren eine Schießbude, ein Karussell, dann eine kleine Go-Kart-Bahn, natürlich der Autoscooter und viele Unterhaltungsspiele für Kinder. Letztere lagen seiner Gattin stets sehr am Herzen, und so kochte sie beim ersten Wartenberger Volksfest literweise Pudding, um für die Kleinen ein lustiges Puddingfüttern mit verbundenen Augen anzubieten. Über die Jahre kamen immer neue Attraktionen hinzu. Rilke hatte etwa die Idee zur „Fliegenden Untertasse“. Eine 80-Stunden-Woche war für den Schausteller aus Leidenschaft quasi Routine. Auch in der kalten Jahreszeit, in der trotz ausbleibender Reisen viel zu erledigen war.

Günter Rilke ist tot: Wartenberger Ehrenbürger und Vater des Volksfestes

„Günter Rilke hat Großartiges geleistet, denn Volksfeste sind Vergnügungen für Jung und Alt. Hier kommen die Leut’ zusammen und feiern gemeinsam. Für uns ist er der Grand Seigneur des Wartenberger Volksfestes“, sagt Kronseder.

Für seine Verdienste wurde Rilke 2016 zum Wartenberger Ehrenbürger ernannt. „Er hat unseren Ort über die Landkreisgrenzen bekannt gemacht“, würdigt ihn Bürgermeister Christian Pröbst. „Zum einen, weil er mit seinen artistischen Kunststücken deutschlandweit begeistert hat, und zum anderen, weil er unser Volksfest 1967 ins Leben gerufen hat. Ich war in den letzten Jahren immer gerne bei ihm an seinen Geburtstagen, seine Geschichten waren immer interessant. Bis vor ein paar Monaten war er noch auf allen Veranstaltungen des Marktes vertreten und ein gern gesehener Gast“, sagt Pröbst. „Ich und wir alle werden ihn sehr vermissen.“

Tot von Schausteller Günter Rilke: Trauerfeier corona-bedingt in kleinem Kreis

Die Trauerfeier findet am morgigen Donnerstag um 14 Uhr in der Pfarrkirche Mariä Geburt statt. Wegen der Corona-Vorkehrungen findet nur eine begrenzte Zahl an Besuchern Platz. Gegen 14.45 Uhr findet die Erdbestattung statt.

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