Fremdenverkehrs- und Gewerbeverein

„Hirngespinst autofreier Marktplatz“

Wartenberg – Die Wartenberger Unternehmer stellen sich gegen die Idee, den Marktplatz autofrei zu machen.

Der Daumen des Fremdenverkehrs- und Gewerbevereins Wartenberg weist nach unten: Von einem autofreien Marktplatz wollen die Unternehmer nichts wissen. Wolfgang Billmayer zitierte dazu beim Stammtisch des Vereins sogar wissenschaftliche Untersuchungen.

„Seit 20 Jahren kommt dieses Hirngespinst eines autofreien Marktplatzes immer wieder mal hoch“, erinnerte der Inhaber des großen Modegeschäfts am Marktplatz. Dabei habe sich an der Ausgangslage nichts geändert: Die Supermärkte an der Strogenstraße hätten die Parkplätze vor der Haustür, im Ortskern würden sie immer knapper. Sie würden künstlich weiter verknappt durch Stellplatzablöse.

Den Hinweis im Marktrat auf den nahe gelegenen Volksfestplatz ließ er nicht gelten. Wer das sage, der habe einiges nicht verstanden, deutete er an. Es gebe Untersuchungen, die besagen, dass die Bereitschaft, Fußmärsche auf sich zu nehmen, mit der Größe der Gemeinde oder Stadt zunehme. „Darum laufen Leute in München auch viel weiter, und es macht denen nichts aus.“ In Wartenberg sei das anders. „Es gibt Geschäfte, die leben von zehn Brezen“, sagte er. In diesen Studien ist von einer „Unbehagensschwelle“ bei Fußmärschen die Rede, die mit der Größe der Stadt absinkt.

„In der Historie ist der Marktplatz nie autofrei gewesen“, sagte Bilmayer. Die stellvertretende Vorsitzende Stephanie Weltrich-Streit pflichtete bei. „Das ist im Grunde ästhetisches Wunschdenken“, erklärte die Chefin einer Apotheke an der Oberen Hauptstraße.

„Da wird etwas nostalgisiert, das nie war“, erklärte der Modeunternehmer. Das habe auch mit einer anderen historischen Entwicklung zu tun: Die Zahl der Geschäftsinhaber, die ihren Laden im eigenen Haus betreiben, sei auf vielleicht 20 Prozent abgesunken. Alle anderen seien zur Miete. „Es ist für mich erschreckend, dass diese Entwicklung auch vor kleinen Orten wie Wartenberg nicht halt gemacht hat.“

Vermieter aber hätten eine andere Interessenlage und würden die Mieter nach anderen Kriterien aussuchen. Im Ergebnis könne das zu einer Verödung von Ortskernen führen. Die aktuelle Entwicklung am Marktplatz führte er zum größten Teil auf das Kundenverhalten zurück. Er meinte aber auch, dass in manchen Fällen andere Faktoren eine Rolle gespielt haben, wenn sich beispielsweise kein Nachfolger für ein Geschäft hat finden lassen.

Zum Gedanken, einen externen Berater zur Belebung des Marktplatzes zu befragen, sagte Weltrich Streit: „Grundsätzlich ist es vielleicht nicht schlecht, wenn sich das mal einer von außen anschaut.“

Klaus Kuhn

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