Schnappschuss vor dem neuen Anbau (v. l.): Thomas Künstner (2. Vorsitzender Stiftungsvorstand Klinik), Vizelandrat Franz Hofstetter, MdB Andreas Lenz, Klinik-Geschäftsführer Constantin von Stechow, Dr. Saskia Rupp (Chefärztin Akutgeriatrie und Palliativmedizin), Gesundheitsminister Klaus Holetschek, Christine Kohlschütter (Personalleiterin), MdL Ulrike Scharf, Christina Sievers (Leituerin Ergotherapie, Betriebsratsvorsitzende), Norman Daßler (Pflegedienstleiter), Dr. Klaus Friedrich Becher (Chefarzt Allgemeine und Geriatrische Reha) und 3. Bürgermeister Bernd Scheumaier.
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Schnappschuss vor dem neuen Anbau (v. l.): Thomas Künstner (2. Vorsitzender Stiftungsvorstand Klinik), Vizelandrat Franz Hofstetter, MdB Andreas Lenz, Klinik-Geschäftsführer Constantin von Stechow, Dr. Saskia Rupp (Chefärztin Akutgeriatrie und Palliativmedizin), Gesundheitsminister Klaus Holetschek, Christine Kohlschütter (Personalleiterin), MdL Ulrike Scharf, Christina Sievers (Leituerin Ergotherapie, Betriebsratsvorsitzende), Norman Daßler (Pflegedienstleiter), Dr. Klaus Friedrich Becher (Chefarzt Allgemeine und Geriatrische Reha) und 3. Bürgermeister Bernd Scheumaier.

Gesundheitsminister bekommt vor Ort aktuelle Probleme zu hören

Holetschek auf Visite in der Klinik Wartenberg

  • Markus Schwarzkugler
    VonMarkus Schwarzkugler
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Hoher Besuch in der Klinik Wartenberg: Bayerns Gesundheitsminister Klaus Holetschek war eineinhalb Stunden lang zu Gast, und zwar mit großen Worten im Gepäck. Es brauche eine „Revolution in der Pflege“, sonst steuere unsere Gesellschaft auf eine humanitäre Katastrophe zu, forderte der CSU-Mann, der in einer Gesprächsrunde auch zu hören bekam, wo aktuell vor Ort der Schuh drückt.

Wartenberg - Vor ziemlich genau drei Jahren war Bundesgesundheitsminister Jens Spahn zu Besuch in Wartenberg gewesen. In Zeiten vor Corona war das noch ein großer Aufmarsch mit Weißwurst-Verkostung, auch diverse Medien waren vertreten. Diesmal fiel der Rahmen überschaubarer aus, Holetscheks Visite fand ohne Presse statt. Klinik-Sprecherin Irene Hilf berichtet jedoch in einer Pressemitteilung davon.

Ihr zufolge ist es aus Holetscheks Sicht inakzeptabel, nach Bewältigung der Pandemie wieder zur alten Tagesordnung zurückzukehren. Vielmehr gelte es, das aktuell gesteigerte Bewusstsein der Bevölkerung für die Pflegeberufe für neue Impulse zu nutzen. Der Geriatrie und der Palliativmedizin komme schon allein aufgrund des demographischen Wandels eine zentrale Bedeutung im Gesundheitswesen zu. Da die Geriatrische Reha dazu beitrage, Pflegebedürftigkeit zu verhindern oder zumindest hinauszuzögern, gemäß dem Grundsatz „Reha vor Pflege“, sei die Überlegung legitim, die Pflegekassen künftig an der Finanzierung der Reha zu beteiligen, wird Holetschek zitiert. Auch für die Naturheilkunde als Ergänzung zur Schulmedizin, die die Klinik weiter ausbauen möchte, sieht Holetschek große Zukunftschancen. Wichtig sei es, bei der Gesundheitsversorgung den Menschen ins Zentrum zu stellen und nicht die Kosten.

Die Wartenberger Fachklinik mit rund 200 Betten, die Mitte der 90er Jahre damit begonnen hat, sich auf Altersmedizin zu spezialisieren, hat in den vergangenen beiden Jahren bekanntlich knapp 25 Millionen Euro in einen Neubau mit rund 50 neuen Patientenzimmern investiert. Der Bau wird vom Freistaat zu rund einem Drittel gefördert, wofür sich die Klinik-Leitung bei Holetschek bedankte. Die Erweiterung der Palliativstation von derzeit zehn auf zwölf Betten war kürzlich vom Bayerischen Gesundheitsministerium genehmigt und in den Krankenhausplan des Freistaats aufgenommen worden. Dafür bedankte sich Chefärztin Dr. Saskia Rupp.

Das Leitungsgremium der Klinik nutzte laut Pressemitteilung die Gelegenheit, dem Gesundheitsminister und weiteren geladenen Gesprächspartnern aus der Politik von Themen zu berichten, die aktuell insbesondere Fachkrankenhäuser außerhalb von Ballungsräumen beschäftigen. Die Effekte der Corona-Pandemie machten insbesondere den Reha-Kliniken zu schaffen, berichtete Chefarzt Dr. Klaus Friedrich Becher: Ausfall oder Verschiebung nicht zwingend notwendiger Operationen, die Angst, sich im Krankenhaus mit Covid-19 zu infizieren sowie strikte Besucherregeln führen Becher zufolge zu einem starken Rückgang der Belegungszahlen in der Reha, was größere Einnahmeausfälle zur Folge hatte.

Darüber hinaus ließen die Hygieneanforderungen nur einen Bruchteil der sonst üblichen Belegungszahlen sowohl in der Akutgeriatrie als auch der Geriatrischen Reha zu. Außerdem werde die geplante Digitalisierung im Reha-Bereich die Klinik in den kommenden Jahren noch viel Geld kosten. Anders als Akutkrankenhäuser müssen Reha-Kliniken nämlich die Kosten hierfür bisher komplett selbst finanzieren.

„Einzeln für sich genommen wären diese Sachverhalte ganz gut zu verkraften gewesen, alle gemeinsam stellen uns jedoch vor große Herausforderungen“, sagte Klinik-Geschäftsführer Constantin von Stechow. Enorm wichtig sei es zudem, Lösungen für die angespannte Personalsituation auf dem Gesundheitsmarkt wegen des Fachkräftemangels zu finden. So sei es aktuell schwierig, offene Stellen zu besetzen, wie Personalleiterin Christine Kohlschütter anmerkte (wir berichteten). Als Beispiel für den Konkurrenzkampf unter den Gesundheitseinrichtungen um geeignetes Personal nannte sie die sogenannten „Willkommensprämien“, die aktuell immer großzügiger ausfielen.

Pflegedienstleiter Norman Daßler pflichtete ihr bei und führte aus, dass es in der Klinik mit den Abteilungen Akutmedizin und Reha unter einem Dach eine Besonderheit gebe: Im Rahmen des Pflegepersonal-Stärkungsgesetzes gebe es Zuschüsse für die Löhne von Pflegekräften im Akutbereich, im Reha-Bereich jedoch nicht. Dadurch entstehe in der Klinik quasi eine Konkurrenzsituation zwischen den Bereichen. Daher sei es notwendig, dass auch für die Reha Zuschüsse gezahlt werden, so Daßler.

Im Anschluss an die Gesprächsrunde besichtigte Holetschek noch den Neubau und war laut Pressemitteilung angetan von der familiären Atmosphäre im Haus. Während des Rundgangs sprach der Minister auch mit Angestellten.

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