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Die Ruhe seiner Bibliothek tauscht Prof. Dr. Hans Selmair gegen etwas Trubel ein. Der Markt Wartenberg gibt für seinen Ehrenbürger einen festlichen Empfang.

Ehrenbürger des Markts Wartenberg

Hans Selmair 80: „Ich liebe den historischen Hintergrund“

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Wartenberg - Heute wird Professor Dr. Hans Selmair 80 Jahre alt. Als Vorstandsmitglied in der Klinik-Stiftung ist Selmair weiter in der Führung des Unternehmens, das er lange selbst ärztlich und geschäftlich geleitet hat. Im Ruhestand hat er sich viel mit der Familiengeschichte beschäftigt.

Professor Dr. Hans Selmair ist ein Mann mit schnellen Gedanken, pointierter Meinung und – wenn er es für nötig hält – scharfer Rhetorik. Heute klingt seine Stimme kräftiger als noch vor ein paar Jahren. „Es geht mir zunehmend besser“, erzählt der Mediziner. Für einen Mann, der an diesem Mittwoch 80 Jahre alt wird, eine beachtliche Aussage. Der Hintergrund ist eine Krankheit, an der der Wartenberger schon lange leidet: Parkinson.

Der Wendepunkt sei mit einer neuen Behandlungsmethode gekommen, berichtet Selmair. „Ich lebe jetzt mit einer Infusionspumpe. Seitdem hat sich das Krankheitsbild deutlich verbessert.“ Das Gerät versorge ihn 24 Stunden am Tag mit einer fehlenden hormonellen Substanz.

Es war die eigene Gesundheit, die den Chef der Klinik Wartenberg 2003 in den Ruhestand zwang – da war er allerdings auch schon 67. Die Medizin als Wissenschaft hat der langjährige Professor in München ebenfalls an den Nagel gehängt. „Da war ich zu sehr in der Spitzenmedizin drin.“ Mit dem Lesen von Fachzeitschriften sei es da nicht getan.

Der Klinik ist Selmair aber weiterhin aktiv verbunden. Er ist Mitglied im Vorstand der Prof. Dr. med. H. Selmair-Stiftung. Sie führt das Krankenhaus weiter, das drei Generation ein echtes Familienunternehmen gewesen war. „Es freut mich sehr, dass ich dort trotz meines fortgeschrittenen Alters ein gern gesehener Gast bin“, erzählt der 80-Jährige über die Vorstandsarbeit. Seine Herzensangelegenheit sei die weitere Konsolidierung der Klinik mit fast 200 Betten und 300 Mitarbeitern.

Ein Ort der Gesundheit ist der bewaldete Hügel am Ortsausgang Richtung Riding schon seit Jahrhunderten. Bereits 1373 wird ein Gsundbründl urkundlich erwähnt. Nach der wundersamen Heilung der Apollonia Weindl 1650 durch Wartenberger Wasser wird dort eine Kapelle gebaut. Das spätere Badhaus befindet sich seit 1872 in Familienbesitz. Dr. Anton Selmair macht daraus eine Lungenheilstätte und betreibt sie bis 1925. Dann übernimmt Dr. Hans Selmair sen., der den Betrieb zum Sanatorium umformt. Sein Sohn, der heutige Jubilar, bringt als Leiter ab 1974 seine Spezialgebiete ein: Innere Medizin und Leberheilkunde. Heute ist die Klinik eine Top-Adresse in Geriatrie und Palliativmedizin sowie Wartenbergs größter Arbeitgeber.

1936 in diese Ärzte-Dynastie hineingeboren, war der Weg als Mediziner für Hans Selmair eine Berufung. Seine Karriere führte ihn 1974 von Kassel zurück nach Wartenberg – der Marktgemeinde, die untrennbar mit der Klinik verbunden ist.

Es sind solche geschichtlichen Zusammenhänge, die den heute 80-Jährigen schon lange faszinieren. „Ich liebe den historischen Hintergrund“, sagt Selmair. Entsprechend nutzte er die Jahre seines medizinischen Ruhestands zum Schreiben – zunächst über die eigene Familiengeschichte eingebettet in die Zeitläufe, angefangen von den Gründervätern der Klinik bis hin zu seinem Onkel Anton, der unter dem Namen Tonio Selwart in Amerika Schauspielkarriere machte. Mittlerweile hat Hans Selmair sogar einen Spionage-Roman geschrieben: „Geheimagent Jack O. Dave“. Die Kulisse dafür ist der Zweite Weltkrieg, den der 80-Jährige noch als Bub miterlebt hatte.

ta

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