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Dr.Constantin von Stechow sitzt an einer Wasseranlage im Gartenbereich der Klinik Wartenberg,deren Geschäfte er seit mittlerweile fünf Jahren leitet.

In Wartenberg arbeiten Pfleger gerne

Fachkräftemangel? Hier arbeiten Pfleger gerne

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Seit fünf Jahren ist Constantin von Stechow mittlerweile Geschäftsführer der Klinik Wartenberg. Stolz macht ihn vor allem, dass er Stabilität in den Laden gebracht hat. Und dass die Arbeiten für den Erweiterungsbau schon angelaufen sind. Auf der Agenda stehen demnächst der Abriss des Bründlhofs und die Errichtung des inzwischen vierten Personalwohngebäudes.

von markus schwarzkugler

Wartenberg – Bei der Frage nach Hobbys muss Dr. Constantin von Stechow kurz überlegen. „Wenn ich Zeit habe, gehe ich Laufen“, meint er dann. Viel Freizeit hat der 43-Jährige nicht. Kein Wunder, bei vier Kindern im Alter von drei bis elf Jahren. Und dann ist er ja nicht ganz nebenbei Geschäftsführer der Klinik Wartenberg.

Von Stechow wohnt mit seiner Familie in Denning im Münchner Osten. Er ist gelernter Jurist, hat einen Master of Science in Healthcare Management, einen Abschluss als Mediator, und seine Doktorarbeit hat er zum Thema „Datenschutz durch Technik“ verfasst. „Nach meiner Ausbildung habe ich immer in Krankenhäusern gearbeitet“, sagt der Mann aus Frankfurt am Main. Nach diversen Leitungsfunktionen in Krankenhaus-Konzernen kam er 2013 an die Klinik Wartenberg. Die fünf Jahre hat er nun vollgemacht. Höchste Zeit für eine Zwischenbilanz im Interview mit der Heimatzeitung.

-Herr von Stechow, seit fünf Jahren sind Sie nun an der Klinik Wartenberg in Amt und Würden. Wie viele graue Haare sind seitdem dazugekommen?

Dr. Constantin von Stechow: Schon ein paar.Wobei ich nicht ganz sicher bin, ob das familiär oder beruflich bedingt ist (lacht).

-Spaß beiseite. Mit welchem Wort lässt sich Ihre bisherige Zeit an der Klinik am besten zusammenfassen?

Von Stechow: Freude. Wir haben die Klinik in dieser Zeit nach vorne gebracht. Wir hatten Erfolg.

- Was wurde in den fünf Jahren erreicht, was Ihnen diese Freude bereitet?

Von Stechow: Wir haben große Dinge, die in der Vergangenheit mehrfach thematisiert wurden, tatsächlich auf den Weg gebracht. Das ist zum einen ein Vergütungssystem für unsere Mitarbeiter, also ein Haustarifvertrag, der vor über drei Jahren eingeführt wurde. Und wir haben einen Neubau in die Wege geleitet. Der letzte war 1988. Es ist immer wichtig, dass sich eine Klinik modernisiert.

-Für den Neubau wird auf dem Klinik-Gelände gebaggert. Welche Arbeiten laufen momentan?

Von Stechow:Jetzt werden gerade die Zufahrten für das Gebäude gemacht. Bald wird damit begonnen, für den Rohbau die Baugrube auszuheben.

-Eigentlich sollte es schon Mitte April losgehen, oder?

Von Stechow:Wir hatten eine Verzögerung wegen des Kanalsystems, das anders lag als erwartet. Deswegen wurden die Bauarbeiten verschoben. Nächste Woche könnte es schon losgehen – oder es könnte noch zwei, drei Wochen dauern.

(Die Arbeiten für den Neubau werden rund zwei Jahre in Anspruch nehmen. Es handelt sich um einen Anbau an der Südwestseite des Klinikgebäudes. Auf vier Stockwerken entstehen 48 Zimmer. Im Gegenzug werden elf Zimmer im Ostbau stillgelegt, die nicht mehr den heutigen Standards entsprechen. Die Palliativstation kommt ins Erdgeschoss, damit die Patienten in den Garten geschoben werden können. Die Kosten des Neubaus: 20 Millionen Euro; d. Red.)

-Was bereitete Ihnen noch Freude?

Von Stechow: Wir gewährleisten eine hohe Stabilität für unsere 360 Mitarbeiter. In den Jahren vor mir gab es Unruhe mit wechselnden Geschäftsführungen und unterschiedlichen Auffassungen, wie es weitergehen soll. Was uns ausmacht, ist der familiäre Rahmen. Wir haben etwa den Waldkindergarten und ein mehrfach ausgezeichnetes Gesundheitsmanagement.

-Gibt es Dinge, die in den vergangenen Jahren noch nicht umgesetzt werden konnten.

Von Stechow: Es gibt natürlich viele Ideen, die noch auf eine Umsetzung warten.

-Zum Beispiel?

Von Stechow: Als ich vor fünf Jahren kam, gab es die Idee, eine Abteilung für Naturheilverfahren zu etablieren. Einige Dinge, die man in klassischen großen Krankenhäusern selten findet – wie Musiktherapie, Aromapflege, Kneipp-Anwendungen – gibt es bei uns, zum Teil schon sehr lange. Hier könnte sich in Zukunft noch mehr bewegen. Auch im Bereich der Angehörigenrehabilitation haben wir noch Ideen.

-Für die nahe Zukunft steht der Abriss der ehemaligen Gaststätte Bründlhof bevor. Dort soll bekanntlich ein weiteres Personalwohngebäude entstehen. Denn der gerade anlaufende Neubau bringt ja auch mehr Arbeitskräfte mit sich. Wie ist hier der aktuelle Sachstand?

Von Stechow: Das ist das vierte Personalwohngebäude, das dritte war im vergangenen Jahr schnell belegt. Wenn alles gut geht, und die Gemeinde Ja sagt, könnte der Neubau Anfang 2019 losgehen. Aber erst muss der Marktrat den Bebauungsplan ändern.

-Am kommenden Dienstag um 17.30 Uhr trifft sich dessen Hauptausschuss vor Ort im Bründlhof, um diesen unter die Lupe zu nehmen. Im Marktrat gab es schon kritische Stimmen, dass viele Bäume gefällt werden müssten und die beiden geplanten Gebäude wie ein Riegel aussähen.

Von Stechow: Wir haben einen Vorschlag erarbeitet, der den Erhalt fast aller großer Bäume gewährleistet. Optisch versucht der Entwurf, Elemente des Bründlhofs architektonisch aufzunehmen – ohne Riegelwirkung.

-Gibt es mittlerweile Details zu den Wohngebäuden?

Von Stechow: Wir denken an insgesamt 37 Wohnungen, Ein- bis Vier-Zimmer-Wohnungen.

-Sie haben immer betont, wie wichtig die Kooperation mit dem Klinikum Landkreis Erding ist.

Von Stechow: Wir bringen viele unserer Mitarbeiter zum Ausbildungszentrum für Gesundheitsberufe in Erding. Dort lassen sie sich zum Beispiel zum Praxisanleiter vor Ort auf der Station einarbeiten. Diese sind dazu da, unsere jungen Mitarbeiter zu unterrichten. Die Schüler, die in Erding ausgebildet werden, machen im Gegenzug bei uns ein Praktikum. Wir wollen ihnen näherbringen, was genau in der Reha gemacht wird. Das läuft sehr gut.

-Zuletzt hieß es, dass die Kooperation ausgebaut werden soll. Genauere Details wurden aber unter Verschluss gehalten.

Von Stechow:Es wäre ein Erfolg, wenn Fachärzte aus Erding zu uns für Sprechstunden kämen. Da ist aber noch keine Entscheidung gefallen. Es ist das Ziel des Landrats, flächendeckend Gesundheitsversorgung zu gewährleisten, auch hier im nördlichen Landkreis.

-Gibt es weitere Pläne für die Zusammenarbeit?

Von Stechow: Wir sind ein Spezialist für Geriatrie, also Altersmedizin. Werden Patienten aus Erding stationär zu uns geschickt, könnte man in einigen Fällen die Kommunikation noch verbessern, damit auch unsere Klinik von Tag eins an weiß, was die Beschwerden des Patienten sind. Mit dem Klinikum verbindet uns aber eine gelebte Kooperation, vor allem eben in Sachen Ausbildung.

-Der Austausch mit Erding ist da. Ihnen wird folglich vor ein paar Monaten die Satzungsänderung nicht entgangen sein, durch die der Kreistag um Landrat Martin Bayerstorfer nun mehr Einfluss bei Entscheidungen am Klinikum Erding hat. Wie beurteilen Sie das?

Von Stechow: Wir haben keine direkte Konkurrenz mit dem Klinikum, weil wir unterschiedliche Schwerpunkte haben. Uns ist also wichtig, dass in Erding alles gut funktioniert und die Patienten bestmöglich versorgt werden. Da müssen sich die Verantwortlichen den besten Weg suchen. Ich bin selber gespannt, ob dieses Modell noch lange währt.

-Das Thema Pflegekräftemangel ist seit einer gefühlten Ewigkeit ein Dauerbrenner. Macht die Politik Ihrer Meinung nach genug, um diesem entgegenzuwirken?

Von Stechow: Die Politik hat da eine extrem schwierige Aufgabe. In kurzer Zeit ist es kaum zu schaffen, Erfolge vorzuweisen, die Politik braucht aber immer kurzfristigen Erfolg. Die Wertschätzung des Berufs sollte aus meiner Sicht aufgewertet werden. Die Bezahlung spielt da nur eine kleine Rolle. Man sollte den jungen Menschen nicht nur sagen, dass es eine schwere Arbeit ist, und dass man auch am Wochenende arbeiten muss. Es ist ein Beruf, in dem man viel Gutes tut und von Patientenseite viel Dankbarkeit erfährt. Man muss einfach anders dafür werben.

-Drückt auch Ihre Klinik in Sachen Personal der Schuh?

Von Stechow: Im Servicebereich, also Küche und Reinigung, hatten wir zuletzt Nachbesetzungsschwierigkeiten. In kurzer Zeit haben wir aber sehr gute Mitarbeiter bekommen. Es ist zwar nicht mehr so wie vor Jahrzehnten, als kistenweise Bewerbungen ankamen. Aber wir schaffen es gut, in der Umgebung für Mitarbeiter zu werben.

-Und wie sieht’s mit Pflegepersonal aus?

Von Stechow: Wir haben derzeit ganz gute Bewerbungen. Wir überlegen aktuell sogar, ob wir überbesetzen sollen für Zeiten, in denen es mal weniger gut läuft. Diese Entwicklung ist nämlich schlecht vorhersehbar. Vor einiger Zeit sah es hier noch anders aus.

-Die Klinik kann ihren Mitarbeitern einiges bieten. Wohngebäude, Waldkindergarten, Grünanlagen oder Deutschkurse für ausländisches Personal...

Von Stechow: Wir haben sogar eine Integrationsbeauftragte, die eine Art Mutter für unser ausländisches Personal ist. Und es gibt Fitnesskurse für unsere Mitarbeiter und Kinderbetreuung in den Sommerferien, wenn beide Elternteile arbeiten müssen.

-Fünf Jahre haben Sie in Wartenberg hinter sich. Wie viele sollen noch folgen?

Von Stechow: Mindestens noch mal genauso viele (schmunzelt).Ich kann mir vorstellen, hier länger zu bleiben. Es ist ein total schöner Ort, und das Arbeiten mit dem Stiftungsvorstand läuft sehr gut. Die Aufgaben werden auch nicht ausgehen.

Die Klinik Wartenberg

ist diegrößte Einrichtung für geriatrische Rehabilitation in Bayern. Weitere Schwerpunkte sind Akutgeriatrie und Palliativmedizin. Das Haus verfügt über 190 Betten und bietet orthopädische, gastroenterologische sowie kardiologische Anschlussheilbehandlungen sowie berufsgenossenschaftliche Heilverfahren bei chronischen Lebererkrankungen an. Rund die Hälfte der 360 Mitarbeiter der Klinik stammt aus Wartenberg oder den Gemeinden in der Umgebung. Der Ausländeranteil beim Personal beträgt rund 28 Prozent (Stand 2016).

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