„Home“: ein Graffito von Mr. Woodland  auf dem Innenhof des Josefssheims.

Schule verliert Eigenständigkeit

Josefsheim: Der letzte Abschlussjahrgang

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Eine eigenständige Heimvolksschule wird es ab September nicht mehr im Josefsheim geben. Zwei Klassen werden aber weiter unterrichtet – unter Obhut der Marie-Pettenbeck-Schule.

Wartenberg95 Jahre unterhielt das Josefsheim am Nikolaiberg eine eigene Schule. Doch am Freitag wird der letzte Abschlussjahrgang der Privaten Heimvolksschule entlassen. Dort gibt es allerdings noch zwei Klassen: die jetzige Siebte und Achte. Sie werden im kommenden Jahr an Ort und Stelle weiter unterrichtet – allerdings als Außenklasse der Marie-Pettenbeck-Schule. Das berichtet die Stiftung Seraphisches Liebeswerk Altötting (SLW), Träger der Kinder- und Jugendhilfeeinrichtung, in einer Pressemitteilung.

In den letzten Jahren bot die Heimvolksschule Wartenberg für Kinder und Jugendliche, die sich im öffentlichen Schulsystem nicht gut zurechtfanden, die Möglichkeit, einen Abschluss zu machen und gefestigt ins Berufsleben zu starten. Das Besondere der Schule war dabei die überschaubare Größe von maximal sechs Klassen sowie die enge Zusammenarbeit der Lehrer mit Erziehern der nachmittäglichen Betreuung. Denn sowohl das Heim als auch der Hort befinden sich auf dem gleichen Gelände.

Die schulischen Erfolgserlebnisse trugen laut Schulleiter Christoph Marschoun bei vielen Schülern zur Stärkung ihres Selbstbewusstseins bei. „Dementsprechend ist uns dieser Schritt nicht leicht gefallen“, betont Stiftungsvorstand Johannes Erbertseder in der Presseerklärung. Aber aufgrund des anhaltenden Ausbaus der Ganztagsbetreuung an den staatlichen Schulen seien die Anmeldungen an der privaten Heimvolksschule rückläufig gewesen. „Das hat dazu geführt, dass wir die geforderte Mindestzahl an Schülern für die Klassenbildung nicht mehr erreicht haben“, erläutert Erbertseder.

Martin Hagner, Gesamtleiter des Josefsheims, ist dankbar für die konstruktiven Gespräche mit der Marktgemeinde, dem Schulamt, dem Mittelschulverband und der Marie-Pettenbeck-Schule. Sie übernimmt die verbleibenden Jahrgänge als Außenklassen.

Die Jugendlichen müssen sich nicht neu orientieren und sich an einer großen Schule zurechtfinden, sondern können sich im gewohnten Umfeld auf die Abschlussprüfungen vorbereiten. Das liege auch dem künftigen Rektor Michael Braun sehr am Herzen, berichtet das SLW.

„Wir unterstützen das Vorhaben mit unseren Raumkapazitäten und durch besonders enge Zusammenarbeit mit den Lehrkräften vor Ort“, erläutert Gesamtleiter Hagner. Dass das Haus im Laufe seiner 132-jährigen Geschichte immer wieder einem Wandel unterliegt, ist für Hagner naheliegend: „Unser Ziel im Josefsheim ist es, dass unser Betreuungs- und Förderangebot zum Bedarf der Familien und der öffentlichen Jugendhilfe passt und angenommen wird. Trotzdem wird der Wegfall der Schule einen großen Einschnitt für das Haus bedeuten.“

Dass sich die jetzigen Neuntklässler auf ihre Abschlussprüfungen trotz der gegebenen Umstände wieder mit intensiver Unterstützung durch die Lehrkräfte und Erzieher gut vorbereiten konnten, ist laut Erbertseder und Hagner maßgeblich dem Engagement des amtierenden Schulleiters Christoph Marschoun zu verdanken. Er hatte sich nach dem Wechsel von Braun an die Marie-Pettenbeck-Schule bereit erklärt, die Geschäfte zu übernehmen.

Das Josefsheim will sich nun verstärkt als Jugendhilfestandort mit differenzierten sozial- und heilpädagogischen Angeboten im Bereich der Erziehungshilfen sowie im Kindertagesstätten-Betrieb profilieren. Im September starten unter dem Dach der SLW-Einrichtung bereits neue Angebote: Eine teilbetreute Wohnform zur Verselbstständigung von Jugendlichen, eine Großtagespflege und eine Kindergartengruppe im Kloster Moosen in Dorfen.

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