+
Der Arzt aus dem Irak war eine wichtige Stütze an der Klinik Wartenberg. Nur eines Zulassung besaß der 49-Jährige seit 2010 nicht mehr.

Schwere Panne an der Klinik Wartenberg - Prozess am Amtsgericht Erding

Arzt arbeitet sieben Jahre ohne Zulassung

  • schließen

In der Klinik Wartenberg hat bis Ende 2017 ein heute 49-Jähriger über sieben Jahre als Arzt gearbeitet, ohne eine Zulassung (Approbation) zu besitzen. Eine Ausbildung zum Mediziner kann der Iraker mit deutschem Pass aber vorweisen. Dass eine zweimal befristete Berufserlaubnis 2010 nicht verlängert wurde, dürfte auf Nachlässigkeit sowohl beim Mediziner als auch bei der Klinik zurückzuführen sein.

Wartenberg/Erding - Am Dienstag musste sich der 49-Jährige vor dem Amtsgericht Erding verantworten. Ein Urteil hat Richter Andreas Wassermann noch nicht gefällt, es läuft aber auf eine Einstellung des Verfahrens gegen eine höhere Geldauflage hinaus. Der Angeklagte lebt heute von Hartz IV.

Wassermann sprach von einem „Graubereich zwischen grob fahrlässigem und bedingt vorsätzlichem Verhalten“. Formalrechtlich können sämtliche Handlungen, die der Mediziner in diesen sieben Jahren vorgenommen hat, als vorsätzliche Körperverletzung betrachtet werden. Seine Patienten hatten sich aber zu keiner Zeit einem Scharlatan ausgesetzt, denn der Deutsch-Iraker kann ein Gutachten vorweisen, das bestätigt, dass er eine medizinische Ausbildung vorweisen kann, die der deutschen entspricht.

Einspruch gegen Strafbefehl

Staatsanwalt Anselm Schmidt zitierte aus dem Strafbefehl über 150 Tagessätze, dass der gebürtige Iraker zwischen 2008 und 2010 eine befristete Approbation gehabt habe. Doch als die auslief, kümmerten sich beide Seiten nicht ausreichend um eine Verlängerung. Die Klinik gab ihrem Mitarbeiter stattdessen sogar einen unbefristeten Vertrag. Die Unterlagen waren unzureichend überprüft worden. Auch an der Kommunikation haperte es Dieser Lapsus kam erst auf, als einer der Chefärzte seinem Kollegen ein Arbeitszeugnis ausstellen wollte – und die fehlende Zulassungsurkunde anmahnte. Das war aber erst im März 2018. Die Regierung von Oberbayern erstattete Anzeige.

Name geändert, Wohnung gewechselt

Der Staatsanwalt listete die umfangreichen ärztlichen Tätigkeiten des 49-Jährigen auf. Anwalt Marco Eicher berichtete, dass sein Mandant an zahlreichen Weiterbildungen teilgenommen habe und den Facharzt Innere Medizin erwerben wollte. Der Angeklagte erklärte, er sei nie auf das Fehlen der Approbation hingewiesen worden. Entsprechende Post etwa vom Ärztlichen Bezirksverband Oberbayern habe er nie erhalten. Allerdings musste er einräumen, in dieser Zeit nicht nur seinen Namen, sondern auch seine Wohnadresse geändert zu haben.

Als Zeuge sagte unter anderem einer der Chefärzte aus. „Eigentlich müsste sich darum die Personalstelle kümmern.“ Er gab aber zu, dass sich die Klinik Wartenberg damals in einer Umbruchphase mit rasch wechselnden Geschäftsführern und wirtschaftlichen Turbulenzen befunden habe. „Teilweise ging es recht chaotisch zu.“

Wichtiger Brief einfach verschwunden?

Eine heute verrentete Verwaltungsangestellte erklärte, sie habe der Regierung von Oberbayern 2010 geschrieben, dass die Approbation verlängert werden müsse. Deren Vertreter erklärte aber, ein solches Dokument gebe es nicht.

Der damalige Geschäftsführer der Klinik, der den unbefristeten Vertrag unterschrieben hatte, musste einräumen: „Wir sind davon ausgegangen, dass die Berufserlaubnis noch einmal verlängert wird.“ Danach habe das niemand mehr beachtet.

Wassermann deutete an, sich eine Einstellung des Verfahrens gegen 2500 Euro Geldauflage vorstellen zu können. Das will sich die Staatsanwaltschaft bis zur Fortsetzung des Prozesses überlegen.

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Nach schwerem Sturz: Eintracht Berglern richtet Spendenkonto für Mitglied ein
Der SV Eintracht Berglern will seinem Namen Rechnung tragen und der in Not geratenen Familie eines Mitglieds helfen. Jakob Huber ist schwer gestürzt und hat noch einen …
Nach schwerem Sturz: Eintracht Berglern richtet Spendenkonto für Mitglied ein
Neues Raiffeisen-Gebäude in Langenpreising: Alle Register sind gezogen
Fenster, die man nicht öffnen kann: Unter anderem mit dieser Maßnahme kann die Raiffeisenbank nun ihr neues Wohngebäude  nahe des Baischweihers in Langenpreising …
Neues Raiffeisen-Gebäude in Langenpreising: Alle Register sind gezogen
Bewährungsstrafe für Drogendealer nach widersprüchlichen Aussagen
Fünf Jahre Haft drohte einem Asylbewerber aus Taufkirchen, der Minderjährige zum Drogenverkauf angestiftet haben soll. Vor Gericht kann ihm vieles nicht nachgewiesen …
Bewährungsstrafe für Drogendealer nach widersprüchlichen Aussagen
Großer Dank an die Ehrenamtsdamen des Roten Kreuzes
Wie jedes Jahr fand auch heuer eine Weihnachtsfeier für ehrenamtliche Mitglieder und hauptamtliche Mitarbeiter des BRK Kreisverbands Erding statt.
Großer Dank an die Ehrenamtsdamen des Roten Kreuzes

Kommentare